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Silicommdada

Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley

CUIL - Cool

Gedanklich hatte ich schon die erste Zeile dieses Beitrages formuliert…. Er sollte heißen: Endlich mal was wirklich Neues - tja und dann habe ich meinen letzten Beitrag gesehen. Haaa!

Also gut, anscheinend wird es etwas langweilig im Valley und dazu könnte ich demnächst auch mal etwas schreiben. Aber für heute der Hinweis auf Cuil. Eine neue Suchmaschine, die heute ihre Pforten geöffnet hat. Das Team besteht aus einigen ehemaligen Google-Leuten. Die sollten also wissen, was sie tun. Cuil tritt mit dem großen Spruch an, etwa dreimal so viele Webseiten indiziert zu haben, wie Google. Konkret sollen es rund 120 Milliarden sein. Dazu kommt, dass die Ergebnisse etwas übersichtlicher, weil in Kategorien sortiert, präsentiert werden. Das könnte wirklich mal was sein. Meine ersten Versuche bringen gemischte Ergebnisse: Cuil ist ein wenig langsam, aber das könnte an der Aufmerksamkeit liegen, die die Seite heute bekommt. Den generischen Begriff Basketball verweigert Cuil wegen zu vielen Treffern, einige wetere Versuche bringen dagegen ganz gute und wirklich übersichtlich sortierte Ergebnisse.

Die Richtung von Cuil ist interessant. Der Vorteil einer Kategorisierung hilft enorm, bei immer mehr Webseiten mit immer mehr Inhalten. Die Technologie verbleibt zwar im klassischen suchwort-basierten Suchparadigma, aber außerhalb davon, etwa die semantic web Experimente von Powerset, hat es ja bislang bis auf große Sprüche nicht viel gegeben. Der Fortschritt kommt also langsam und Cuil bietet da immerhin etwas! Ich bleibe also wohlgesonnen skeptisch und frage mich, ob die 33 Millionen Venture Capital, die Cuil laut Wall Street Journal bekommen haben soll, irgendwann durch Werbung vergoldet werden sollen oder durch einen Verkauf an einen der großen Nachbarn. Yahoo bräuchte dringend mal was Neues und Google darf das nicht zulassen - da kann man sicher einiges rausholen…

Anything.goes

Endlich mal was wirklich neues. Das Wall Street Journal (wie immer beim WSJ kein Link, weil man dort nur mit kostenpflichtigem Abo reinkommt) berichtet heute, dass ab sofort jeder seine eigene Top-Level-Domain (TLD) anmelden kann. Einen entsprechenden Beschluss werde die Internet-Verwaltung ICANN heute bekannt geben, auch wenn davon auf der ICANN-Website im Moment - während ich diese Zeilen schreibe - noch nichts zu sehen ist. Dann kann jeder seine eigene Endung an einen Web-Site Namen hängen. Also statt .com etwa .commdada ;-) Einziger Nachteil: ein wenig Kleingeld sollte man für die eigene TLD locker haben. Sie wird zwischen 100.000 und 500.000 US$ Dollar kosten. Mein Tipp: Noch warten, bis der Dollar noch ein wenig mehr gefallen ist.

Klimaschädling Internet

Bei uns kommt das Internet aus dem Telefonstecker (dem Router, dem WLAN des Nachbarn, etc.)… Ungefähr so werden wohl die meisten Internet-User denken und fröhlich weiter surfen. Dabei steigt der Stromverbrauch des Webs immer weiter und nimmt in den USA bereits zwei Prozent des gesamten Stromverbrauchs ein. Ein schöne Reportage von meinen “Haussender” KQED bringt einen Überblick zum Thema und liefert auch ein paar Links. Dass der Bericht ganz offensichtlich durch AMD und HP mächtig unterstützt wurde, sollte einen nicht stören ;-)

Startups aus echten Blood, Sweat ‘n Tears

Bei Startups im Silicon Valley denken sicher viele an tolle Büros unter Palmen; an VCs (Venture Capitalist), die mit dem millionengefüllten Lederköfferchen, ihre makellosen Zähne entblößend, vorbeischauen; an Börsengänge, bei denen man aus den Milliönchen Milliarden macht… In den letzten Tagen habe ich zweimal die “erdnahe”, die eigenwillige und selbstbewußte, die innovative und faszinierende Startup-Szene jenseits der Millionen geboten bekommen. Zuerst auf dem “bootstrap-event” (bootstraping ist das amerikanische Wort für “an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen”) des Churchill Clubs und dann noch einmal in Persona der unglaublich interessanten Gründerin von fusicology.com.

Beim Churchill Club ging es vergangene Woche dezidiert darum, wie man sein Startup ohne VC Investitionen oder eigene Millionen aufbaut. Unter anderem berichtete Gabe Rivera, Gründer und CEO von Techmeme. Techmeme ist eine sehr schlaue Blogsuchmaschine, die nach neuen technischen Themen in der Blogosphäre sucht (deutscher “Pendant” ist Rivva.de). Gabe ist ein typischer Tüftler, sehr schlau, eigenwillig und vielleicht auch eigenbrötlerisch. Er hat einen recht guten Job als Entwickler bei Intel aufgegeben, um sein Leben in seinem Einraum-Apartment in Menlo Park vor dem Computer zu verbringen und Techmeme zu entwickeln. Auch Stephen Weir, Gründer von madeit.com ist ein sehr interessanter, eigenwilliger Typ. Er ist der typische Entrepreneur. Kein Techi, von Programmierung hat er, wie er selbst sagt, kaum Ahnung. Stephe kommt aus Neuseeland und hat dort und in Japan schon Unternehmen gegründet. Dann hat er eine Green Card gewonnen, ist ins Valley gezogen und hat madeit gegründet. Sean Byrnes, der Gründer und CEO von Flurry ist dagegen (inzwischen) schon etwas mehr mainstream. Er ist selber Programmierer und hat Flurry zu Beginn im eigenen Apartment von einem dort aufgestellten Server betrieben. Er hat allerdings inzwischen “VC-Funding” und ist aus dem Gröbsten raus. Der Vierte im Bunde war Craig Newmark, der Gründer von Craigslist.com, dem “Zeitungskiller”, weil seine kostenlosen Onlineanzeigen den gedruckten Kleinanzeigenmarkt hierzulande fast komplett beseitigt haben und hiesige Zeitungen unter anderem dadurch ganz schön unter Druck geraten sind. Craig gehört in die “alternative” Kalifornien Szene, trat mit einem großen Obama-Badge am Jackenrevers auf, und ist nach seinen eigenen Worten ein “lousy manager” und sein Erfolg ein “happy accident”. Das lassen wir mal so stehen…

Sehr spannend war es, die Bedingungen zu vergleichen unter denen Craig auf der einen Seite und die drei anderen Gründer andererseits ihre Unternehmen gestartet haben. Craig musste noch sehr viel Geld in die technische Infrasrtuktur stecken, um zu starten. Sean hat einen alten PC als Server im Wohnzimmer aufgestellt, Gabe nur einen Laptop benötig und den Server für ein paar Dollar online gemietet. Die Ausgaben oder präziser - die Gründungs- und Betriebskosten - der beiden waren minimal. Im Prinzip nur ein paar hundert Dollar und dazu kommen dann nur die eigenen Lebenshaltungskosten. Stephen hat ein anderes Rezept, weil er nicht selbst programmieren kann. Er bezahlt aber auch keine Programmierer, sondern hat Leute gefunden, die an seine Idee glauben und auf Anteilsbasis arbeiten. Er hat deshalb schon jetzt in der Startphase ein ganzes Team um sich. Das verdeutlicht, was hier immer öfter funktioniert: nimm Deinen Laptop, hole Dein Sparbuch mit ein paar hundert Dollar und lebe Deine Unternehmensidee. Und wenn es nicht klappt - so what? Keine Schulden, kein Bedauern, aber wertvolle Erfahrungen!

Das Schmankerl der Veranstaltung war der Moderator: Michael Arrington, der Alpha-Blogger des Valleys ist ja mit seinem Techcrunch auch ein bootstrapper. Ich habe ihn inzwischen schon mehrfach gesehen. Aber was mir an diesem Abend besonders gefallen hat: er war nicht nur das sympatisch-arrogante Großmaul wie sonst, sondern hatte auch ein paar sehr nachdenkliche Töne anzubieten.

Ja, und dann noch ein paar Sätze zu fusicology. Asya Shei lebt nicht im Valley sondern in LA. Sie ist Gründerin und CEO der Hiphop und Soul Online-Community fusiocology und auch kein Techi. Asya hat aber eine ganz klare Vision wie ihre Community funktionieren soll, weiß unglaublich viel über Soul und Hiphop und kennt die Musikszene sowie Hinz und Kunz. (Als wir beim Mittagessen in ein Restaurant in San Francisco kommen wurde sie prompt von einem Musiker angesprochen, der sie kennt, plauschte über die Konzerte der Woche in San Francisco…) Ihre Kolleginnen und Kollegen sind über die ganzen USA verteilt, Programmiererin etwa in Denver, ein Finanzmensch in New York. Auch ihr Beispiel zeigt, dass man ohne das große Kapital ein Internet-Startup aufbauen kann. Eine gute Idee, eine handvoll Dollar, sehr viel Willenskraft, ein dickes Fell bei Rückschlägen und sehr, sehr viel Arbeit - das bringt ein Startup durchaus weiter als nur bis zu einem guten VC.

Abschied von Blue-ray

Puuhhh - meine Themenliste für Silicommdada ist lang, die Liste der anderen Dinge, die zu tun sind ist aber länger und enthält zur Zeit wichtigere Dinge. Wir nutzen aber eine kurze Atempause für einen Abschied: Und damit das ganze ökonomisch ausfällt sagen wir nicht nur zur HD DVD Tschüss sondern verabschieden uns auch gleich von der Blue-ray Disk.

Denn wie uns der Economist vergangene Woche vor Augen führt, wird die Kapitulation von Toshiba den Tod der Blue-ray Disk nur hinauszögern. Denn eigentlich geht es um den Vertrieb von Filmen im Internet. Und auch wenn Hollywood dies zur Zeit noch sträflich ignoriert - die Kunden haben eigentlich schon entschieden. Sie wollen ihre Filme online bestellen, kaufen und dann sofort runterladen. Das zeigt etwa das erfolgreiche Beispiel der Seite www.zml.com, die für $ 1,99 Filme zum Download anbietet. Der kleine Schönheitsfehler der Seite: es ist eine Piraten-Site.

Aber es gibt ja auch die legalen Beispiele wie Apples iTunes Store, der bereits Filme verkauft oder auch mein DVD Verleiher Netflix, der seit einigen Monaten Filme zum Download anbietet. Die haben alle (noch) den Nachteil, dass sie zum Teil fürchterliche Nutzungsbedingungen oder komplizierteste Verfahren und Softwares als Kopierschutz verwenden. Und damit ist das Thema natürlich im Kern meines Interessensgebietes: wie kommt hier eine Einigung über einen Standard daher, die es allen Seiten ermöglicht, künftig im Internet Geld zu verdienen und die Kunden nicht vor unüberbrückbare Bedienungsprobleme stellt.

Das wird kommen, sagen die schlauen Econimisten. Und das glaube ich auch.  Vor allem wird der ökonomische Leidensdruck über nicht-verdiente Dollars im laufenden Jahr weiter so zunehmen, dass die Lösung bald kommt. Deshalb kaufe ich mir auch kein HD oder Blue-ray Disk Laufwerk, sondern bleibe bei dem einen DVD Player ($ 59) und investieren das gesparte Geld in Kinobesuche samt Popcorn. Da machen die Filme sowieso noch mehr Spaß….

Microhoo und China

Die zweite Meldung betrifft die geplante Übernahme von Microsoft durch Yahoo. Und in China - ja, China - macht man sich offensichtlich Gedanken darüber, berichtet das Wall Street Journal (beim WSJ kommen leider nie Links, weil man ja ohne bezahltes Abo nicht auf die Seite kommt) am vergangenen Samstag. Die Meldung wurde dann auch von Spiegel online übernommen - allerdings ohne Quellennennung des Original Artikels im WSJ und auf flachem Niveau.

Es geht darum, dass man sich in China offensichtlich Gedanken darüber macht, was es bedeutet, wenn der 39 Prozent Anteil, den Yahoo an Chinas größtem Internet Haus Alibaba (kombiniert ISP, WebSpace und Suchmaschine) hält, an Microsoft geht. Der Spiegel macht seine Meldung damit auf, dass es China nach normalem Ermessen nicht zustünde, darüber nachzudenken. Ich überlege mal einfach so, was hier in den USA los wäre, wenn eine chinesische Firma solche Pläne hätte (in anderen Industrien durften chinesische Firmen zumindest keine Mehrheiten an amerikanischen Firmen erwerben; ich versuche mir außerdem mal vorzustellen, eine chinesische Firma würde einen größeren Anteil an Vivendi kaufen).

Nun ja, egal wie man es sieht, es weist auf zwei elementare Tatsachen hin. Erstens spielt China eine immer größere Rolle im Internetgeschäft und zweitens, in China wird das Internet offensichtlich als strategisches Komponente für eine führende globale Rolle betrachtet. Beispiele sind nicht zuletzt die “große chinesiche Firewall” und der Bereich Cyber-War und nationale Sicherheit. Zu beiden Bereichen demnächst mehr, aber hier vorerst nur so viel: kein Wunder, dass man es dann sehr ernst nimmt, wer mehr als ein Drittel des wichtigsten Internet-Unternehmens des Landes hält.

Online Video Nutzung

Beim Aufräumen bin ich noch über zwei Meldungen gestoßen, die wir festhalten wollen. Nielsen Net Ratings hat zum ersten Mal Daten über die Online-Video Nutzung veröffentlicht, berichtet das Wall Street Journal am 14. Februar. Danach schauen etwa doppelt so viele Frauen auf den Web-Sites der TV Sender (obwohl es nicht dabei steht, vermute ich mal, dass nur die USA gemeint sind) online Videos. Auf User-generated Video Site wie etwa youtube sind dagegen etwa doppelt so viele Männer der Altersgruppe 18 - 34 unterwegs. Der Grund für letzteres sei, dass die Inhalte auf diesen Seiten - kurze, humor-geladene Filmchen - eher diese Nutzergruppe ansprechen würden (Kommentare verkneife ich mir hier einfach fast komplett - aber ich sage mal, es hat was mit der Art des dort präsentierten Humors zu tun, oder die Damen?).

Ansonsten bemerken die Netzforscher von Nielsen, dass online Videos gucken immer mehr zum Normalfall der Internetnutzung werde. 73 Prozent allerWeb-Surfer hätten im Dezember Videos geschaut.

Schlaues zum Valley in der FAZ

Eine schöne Reportage ist mir am Wochenende in der FAZ aufgefallen. Er bringt die Essenz des Valleys auf den Punkt: es sind die Jungen (und Wilden), die die etablierten Firmen jagen - und als Talente von ihnen gejagt werden. Dazu kommen ein paar schöne atmosphärische Beobachtungen. Deshalb fällt es kaum ins Gewicht, dass der Autor Patrick Bernau ein paar alte Hüte herauskramt, wie etwa das “Szene-Restaurant” Buck’s, das auch Klaus Kleber in seiner sehr guten Valley Reportage als Fixstern verwendet hat. Außerdem sehr gelungen (und gut kopiert, weil es hier überall mit etwa 50 Namen mehr als Poster zu haben ist): die Karte des Valleys, die zeigt, wie nahe sich hier die ganzen großen Namen sind - zumindest geographisch gesehen.

Gestern trifft vorgestern: Nachschlag zu Microhoo

Der Pulverdampf hat sich ein wenig verzogen. Die Fronten scheinen klar, die Probleme und Hürden erkannt. Die Zeitungen melden heute, dass Yahoo das Übernahmeangebot von Microsoft voraussichtlich als zu niedrig ablehnen wird.

Was ich in der vergangenen Woche aber am interessantesten fand: Wo immer ich einmal nachgefragt habe, fand das Thema Yahoo und Microsoft kaum Interesse. Der Grund: es ist ein reiner Businessdeal, technologisch und für das Valley als Innovationsstandort ist er irrelevant. Mit Microsoft und Yahoo trifft sich das Softwareunternehmen von vorgestern (das sowieso nicht ins Valley gehört, vielen hier suspekt ist. Außerdem hat es das Internet verschlafen und dann den Browserkrieg nicht durch Innovation sondern durch Schläge unter die Gürtellinie gewonnen) mit einem abstiegsbedrohten Champion von gestern (auch wenn er noch immer in vielen Kennzahlen Tabellenführer ist). Das beflügelt hier keine Phantasie, höchstens lässt es ein paar böse Vorahnungen entstehen.

Am besten wird das deutlich, wenn man die Stimmung zu dieser Übernahme mit dem Kauf von Youtube durch Google vergleicht. Damals, vor rund eineinhalb Jahren hat hier jeder über diesen Deal gesprochen. Das beflügelte die Phantasie. Und viele haben sich überlegt, wie man da noch eins drauf legen könnte. Jetzt erinnert mich die Szene an die alten Korsen aus Asterix auf Korsika. Man sitzt auf der umgekippten Säule und schaut interessiert zu, wer wen verprügelt…

Wiedersehen Herr Professort Lessig

Das ist eigentlich ein Thema, über das ich mehr schreiben wollte. Vergangenen Donnerstag hat Lawrence Lessing zum letzten Mal “seine” Vorlesung über die Creative Commons hier in Stanford gehalten. Lessig hat die CC auf den Weg gebracht und damit einen Weg entwickelt, Copyright Internet- und Zukunftsfähig zu machen. (Hier wird es demnächst auch unter CC weiter gehen). Mehr unter CC und auf Lessigs Web-Site.

Lessig wird CEO der CC Organisation bleiben, sich aber künftig hauptsächich dem Kampf gegen Korruption widmen. Da ich nicht erkennen konnte, dass er in seiner Energie auch nur ein wenig nachgelassen hätte - ich habe ihn zwar nicht vorgestern, aber vor einigen Monaten zuletzt gesehen - bin ich sicher, dass wir von ihm auch zu diesem Thema bald viel hören werden. Und es wird sicher wieder kreativ und spannend sein!

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