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Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley

Archive for Events

Das elektronische Quartett

Alle Jahre wieder… laden Walt Mossberg, der Tech-Kolumnist des Wall Street Journal, seine Kollegin Kara Swisher und Greg Harper, ein Tech-Berater aus New York zum „What’s Hot and what’s not“ der technischen Helfer und Spielzeuge ein. Verstärkung gab es gestern Abend durch Marissa Mayer, Google Vice President für Search & User Experience und – ganz nebenbei – sicher einer der schlauesten Köpfe im gesamten Valley. Zum fünften Mal stellten sie rechtzeitig zur Weihnachtszeit ihre liebsten elektronischen Gadgets vor und lästerten über alles ab, was in den letzten 12 Monaten nicht so ganz gelungen ist.

Mossberg stellte unter anderem den Kindle vor, das neue elektronische Buch von Amazon. Er findet es weder technisch noch im Design gelungen und malte sich aus, Apple würde solch ein Gerät entwickeln und ein Designer käme mit diesem Entwurf in Steve Jobs Büro… Der Rest des Satzes ging dann schon im Lachen des Publikums unter. Das Publikum wies übrigens, sicher aufgrund der Presseprominenz von Walt und Kara, den höchsten Anteil an PR-Leuten auf, den ich je hier im Valley gesehen hatte. Als ob die sich alle für diese tollen Spielzeuge interessieren…

Kara Swisher stellte unter anderem eines meiner neuesten Lieblingsgadget vor: Rumba von irobot, ein computergesteuerter elektronischer Staubsauger, der das Haus ganz alleine putzt. Marissa Mayer ließ sich nicht lumpen und stellte nicht nur ihre elektronischen Lieblingsspielzeuge vor, sondern präsentierte auch einen ersten Blick auf Oberfläche und Anwendungen des Google-Handy Betriebssystems Android. Cool – und Hut ab: das erinnert zwar in einigen Punkten sehr an das iPhone, ist aber mit allen Vorzügen der Google Softwares inklusive Streetview und ihrer genialen Nutzerführung ausgestattet: einfach und klar. Greg Harper ist im Hinblick auf nutzerfreundliche Geräte dagegen völlig schmerzfrei. Er scheute sich nicht zu zeigen, wie er sein solarbetriebenes Netzteil mit einem neuartigen Akku koppelt, um das dann an seinen mobilen WiFi-Accesspoint zu koppeln, der an seinen Handy hängt. Klar: Weil er den WiFi Zugang nicht verschlüsselt, können alle Leute, die er nachts in der Wüste trifft auch ins Internet… Aber Greg macht da nicht Punkt. Er erzählte lang und breit (entschuldigend, dass er ihn nicht mitgebracht hat) von seinem Auto. In seinem BWM hat er nämlich auch einen offenen WiFi-Accesspoint. Wenn ihr also einmal in New York einen großen dunklen BMW seht, zieht direkt Eure WiFi Geräte. Es könnte der Wagen von Greg sein. Kein WiFi Gerät um festzustellen, ob Ihr in Reichweite eines WiFi-Zugangspunktes seid? Kein Problem: Marissa Mayer hatte ein WiFi-Detektor-T-Shirt dabei. Das Logo auf der Vorderseite des Shirts leuchtet auf, sobald man in Reichweite eines Accesspoints ist…

Running Gag des Abends? Überraschend oder vielleicht auch nicht: Jedes Gadget, dass in irgendeiner Form Überwachung ermöglicht (Greg präsentierte etwa den Handspiegel mit integrierter Webcam) oder sonst eine Möglichkeit bietet, die Privatssphäre anzukratzen, wurde direkt als Facebook-Produkt gebranntmarkt. Ob sich hier ein “kleiner” Imageverlust andeutet?

Mein absoluter Favorit war aber der SkyScout, den Marissa vorstellte. Wo immer man auf der Welt das Gerät im Nachthimmel auf einen Stern richtet, es liefert die Information, um welchen Stern es sich handelt. Dazu Sternbilder, aktuelle Phänomene – aktualisiert per Web-Update. Das kommt mir irgendwann auch noch unter den Weihnachtsbaum. Ihr wollt mehr? Hier ist Kara Shwishers Video vom Event…

Auf wackeligen Beinen…

Ein Monat unterwegs - den größten Teil der Zeit in Deutschland. Mehr dazu demnächst. Heute geht’s um Aktuelles:

Zur “Begrüßung” hier gab es nämlich am Dienstag unser erstes größeres Erdbeben in Kalifornien. Das inzwischen Alumn Rock Quake genannte Beben hatte die Stärke 5.6 und hat uns ganz schön durchgeschüttelt. Zu Hause blieb alles heile und insgesamt gab es kaum größere Schäden, sieht man einmal von Gegenständen ab, die aus den Regalen gefallen sind und zu Bruch gingen sowie einigen zerbrochenen Fensterscheiben und geborstenen Wasser- sowie Gasleitungen.

Das Beben schüttelt einen zunächst körperlich und danach mental durch. Es dauert einige Minuten, sich zu berappeln und das hässliche Geräusch zu verarbeiten, das das Beben gemacht hat. Kinder trösten und beruhigen, danach sofort an den Rechner, denn für solche Fälle gibt es eine Web-Site, die quasi in Echtzeit alle Beben anzeigt. Und dort prangt dann die 5.6 und die Markierung auf der Landkarte, die anzeigt: das war direkt bei Euch um die Ecke. Die Web-Site reagiert langsam, ich scheine nicht der einzige zu sein, der sich das anschaut… Der nächste Gedanke: 5.6, das ist zum Glück nicht soooo viel. Das Handynetz ist minutenlang weg, es scheinen zu viele Leute telefonieren zu wollen. Auf der Web-Site werden in der Zwischenzeit kleinere Nachbeben angezeigt, fast im 5-Minuten-Takt.

Die mentalen Nachbeben kommen jetzt in den Tagen danach. Viele Leute berichten, dass sie geglaubt haben, es sei das “Big One”. Wir checken unsere Vorbereitungsmaßnahmen und stellen fest, dass wir nicht ausreichend auf das “Große” vorbereit sind. Die Handynetzbetreiber sagen, es sei der erste “echte Test” für so einen Fall gewesen, mit dem Ergebnis, dass die Netze überlastet waren. Die Geologen sagen, das Beben erhöhe die Wahrscheinlichkeit des “Big One” um einige Prozent. Und vor allem geht mir durch den Kopf, dass dies alles im Zentrum der Internetindustrie dieses Erdballs passiert. Der Koloß steht auf tönernen Füßen, aber keine Sorge, er wankt nicht, egal was passiert. Wir sind es in Kalifornien gewohnt, Risiken zu einzugehen und sie zu nehmen, wie sie sind… ;-)

Allways on: 24 Stunden Mozilla

Wenn der japanische Teil eines Internet-Unternehmens, das seine Wurzeln im Valley hat, ein globales Event durchführt, dann kommen die in Kanada stationierten Programmierer nach Stanford, in Japan machen die Konferenzteilnehmer die ganze Nacht durch und werden, zusammen mit Thailand wenn es in Kalifornien dunkel wird, zu einer globalen Videokonferenz zusammen geschaltet. Einer der Gründerväter des Webs, Vint Cerf, sitzt dann zwar physisch nur wenige Meilen vom Veranstaltungsort in Stanford entfernt, taucht aber dennoch nur per Videoschaltung auf. Ach so, und Europa ist bei der Video-Konferenz am Schluss nicht dabei, weil…, ja das wußte auch niemand so richtig. Wahrscheinlich, so meint einer der Organisatoren schulterzuckend, weil die in Paris schon schlafen. Ein Schelm, wer sich dazu was denkt?

An diesem Wochenende war Mozilla 24. Ein Event rund um den Globaus gespannt, mit wissenschaftlichen Vorträgen, Konferenzen, einem Rock-Konzert in Tokyo, einem Kinderinternetgipfel und jeder Menge Diskussion in der Mozilla Community. Inhaltlich war das ganze so dicht, dass ich hier keine Zusammenfassung anbieten werde. Aber über allem ist ein viel wichtiger Eindruck bei mir hängen geblieben: Mit Mozilla habe ich eine ganz andere Form von transnationalem Unternehmen gesehen, als das, was einem gemeinhin zu diesem begriff einfällt. Oder vielleicht habe ich sogar erstmals ein Unternehmen näher gesehen, das es wirklich verdient, transnational genannt zu werden.

Ein Unternehmen? Kein Projekt? (…wird vielleicht jemand denken, der sich das schon mal genauer angeschaut hat) Well, wo soll da der Unterschied sein? Mozilla wird in diesem Jahr wahrscheinlich die 15 – Prozent Marke beim weltweiten Browseranteil knacken. Das ganze ist vor einigen Jahren als Projekt aus den Ruinen des Netscape Browsers gestartet. Inzwischen hat es Erfolg, eine Struktur, die zwischen der Mozilla Foundation als Rechteinhaberin und der Mozilla Corporation, in der das operative Geschäft läuft, unterscheidet. Dazu kommt eine weltweite Community, mit Mozilla Europa, Mozilla Japan und zahlosen Programmierern und freiwilligen Marketern, die mit Gadgets, Widgets und Programmteilen helfen, einen hervorragenden Internetbrowser und inzwischen noch viel mehr zu entwickeln und zu verbreiten.

Es gibt Spitzenleute und Leute an der Spitze, eine Hierarchie aber, wie es sie in anderen Unternehmen gibt, gibt es aber nicht. Dazu ist das ganze (noch) zu offen, zu changeant, um sich in eine einfache, klare Form von Unternehmen pressen zu lassen. Und doch wird da gewirtschaftet, Geld gemacht, global gearbeitet und das mit viel Elan, Spaß und Energie. 24 Stunden am Tag rund um den Globus. International und transnational. Sehr beeindruckend und wert, einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden….

Terminhinweis: Mozilla 24

Mozilla 24 ist ein globales Event am kommenden Wochenende zur sozialen, technischen und kulturellen Zukunft des Internets. Mit Veranstaltungen in Paris, Bangkok, Tokyo und Stanford - und einem Livestream ins Web. Mehr unter http://www.mozilla24.com und selbstmurmelnd eine Nachlese mit Schwerpunkt Stanford irgendwann nächste Woche hier bei Silicommdada.

Ohne Worte (am Beginn des iphoniums)

Freitag, kurz nach 18:00 Uhr, am Apple Store auf der University Avenue in Palo Alto:

re:publica - da simmer dabei…

Blogger-Event in Berlin: republica tagt vom 11.-13. 4. in Berlin. Da bin ich doch dabei und schau mir das mal an!