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Silicommdada

Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley

Archive for "Old Media"

Wann wird’s mal wieder richtig spannend (im deutschen Second Life)?

Also eigentlich halte ich gar nichts vom Second Life Bashing a là Thomas Knüver (auch wenn ich ansonsten viel von seinem Blog halte…). Der Grund ist ganz einfach. Hier im Valley lässt man einfach mal jeden machen, schaut sich an, wie es geht, versucht zu lernen, wie es besser geht und macht es dann besser. Und deshalb ist hier Second Live zur Zeit überhaupt kein Thema. Weil da recht wenig passiert. (Sorry, diesen verdächtigen Pleonasmus musste ich streichen). Das ist für mich nämlich der Punkt: Wenn man drin ist, geht es erst richtig los! Aber da ist dann niemand anders drin. Blöd, irgendwie… Aber das kann kommen, habe ich keine Sorgen. Und irgendwann lerne ich auch noch, wie das ganze funktioniert! Dann rennt mein Avatar nicht mehr am Eingang immer gegen die Wand und ich verliere die Lust weiter zu machen…

Aber eigentlich geht es ja um Second Live User Bashing. Und als ich dann gerade eben diese Pressemeldung des Deutschen Fachjournalisten Verbandes las, hatte ich dann doch das spontane Bedürfnis auch einmal abzulästern und mich thematisch über den Teich nach Deutschland zu begeben. Die Vorstellung, dass mich der Avatar der Verbandes erwischt, lässt meinem Avatar gleich zwei neue Extra-Flügel und einen Turboporpeller irgendwo rauswachsen. Und hast Du nicht gesehen, nichts wie weg. Aber zum Glück ist der Avatar nur von 9 bis 18 Uhr da. Da sind die meisten anderen nicht da und ich auch nicht.

Einer geht aber noch. Das schönste Zitat aus der Meldung: „Wir möchten durch unser Engagement in Second Life zeigen, dass man auch als Verband neue Technologien schnell adaptieren und spielerisch einsetzen kann“, so Thomas Dreesen, Vorstandssprecher des DFJV. Schade eigentlich, zum Thema neue Technologien hätte dieser Verband doch sicher einiges zu sagen. Könnte man auch in Second Life machen.

Fundsache II: Umbennenung im Jahre 2001

Habe noch mehr aufgeräumt und bin über eine alte Pressemeldung in meinem Fundus absurder Veröffentlichungen gestoßen. Erinnert sich noch jemand an die Zeit als seitenweise Anzeigen geschaltet wurden, die mitteilten “X heißt Y” (Hintergedanke war sicher häufig: Wir machen Euch jetzt mal ein X für ein U vor…). Ein besonders schönes Exemplar hat die Financial Times Deutschland damals fabriziert: “Positio.Net heißt jetzt Stellenanzeigen”. *lach* Bevor sie ins Altpapier wandert, möchte ich sie Euch nicht vorenthalten

Die ist auch heute noch gut…

Zuschauer verzweifelt gesucht!

Dieser Artikel im Chronicle ist mir buchstäblich ins Auge gesprungen: 2,7 Millionen TV-Zuschauer sind im Frühjahr verschwunden. OK, eigentlich sind sie noch da, aber sie haben sich entschlossen, einfach nicht mehr in die Glotze zu schauen. Sie machen etwas anderes, etwas Besseres? Gut, meine Meinung ist da ganz klar: Etwas Besseres zu tun, als amerikanisches Fernsehen zu schauen, ist eine Hürde, die in unmittelbarer Bodennähe angesiedelt ist. Ich bin hier weitgehend TV-Abstinenzler geworden. (Ich gucke Sonntag Abends Tatort, den ich mir bei Shift.tv aufnehme). Ansonsten: Mal die Newshour mit Jim Lehrer, hin und wieder eine von den Late Night Shows, einmal im Quartal zappen und das Superbowl-Finale. Zur Zeit würde ich vielleicht noch Golden State in den NBA-Playoffs gucken, aber die Sender habe ich leider nicht gebucht…

Aber zurück zum Thema: Kommt hier das im Valley viel-strophig besungene Ende des alten Fernsehens? Schauen die Leute Youtube statt TV? Suchen sie sich ihre Sendungen im Web zusammen, statt sich etwas vorsetzen zu lassen? Es scheint, als kommt hier einiges zusammen: Über die miese Qualität der Sendungen wird hier bereits seit vergangenem Jahr geschrieben. Es gibt viele Wiederholungen und die Serien werden immer flacher. Bis auf “American Idol” und “Dancing with the Stars” gibt es keine Blockbuster. Und selbst bei diesen Sender-Superstars kann man sich das Beste direkt im Web anschauen! Dazu kommen dann die neuen Sehgewohnheiten. Clips statt komplette Sendungen, selbst zusammengestellt statt vorgesetzt, ersurft statt gezappt, dazu wird parallel online gechattet. Oben drauf kommt als Sahnehäubchen, dass hier in den USA in diesem Jahr früher auf die Sommerzeit umgestellt wurde. Und selbst hierzulande gilt: wenn es abends länger hell ist, merken die Leute eher, dass es ein Leben jenseits der Glotze gibt.

Die Zuschauerstatistiken erscheinen für die Sender zur Unzeit. Nächste Woche stellen sie der Werbeindustrie ihr Herbstprogramm vor. Und schon tönt es aus der Werbeecke, man werde nicht im Voraus Preise bezahlen für Zuschauer, die dann im Herbst gar nicht da sind. Damit stehen bei den Sendern zumindest vorübergehend Budgets in Frage, die dringend benötigt werden, um attraktivere Sendungen zu produzieren. Besser kann man sich eigentlich kein Szenario für eine Abwärtsspirale ausdenken.

Sollten die Werbepreise tatsächlich sinken, ist damit wenig für die Werbetreibenden gewonnen. Denn für die heißt es auch, dass sie weniger Menschen erreichen, als sie eigentlich möchten. Die Crux an der Sache ist, dass es zur Zeit nicht genug alternativen Werbeplatz gibt. Denn auch wenn die User im Internet sind - dort gibt es (noch) nicht die passenden Werbeplätze. So ist etwa die Frage, wie man zwischen Trash-Clips auf Youtube wirbt, immer noch nicht beantwortet. Auch auf Myspace kann man kaum für Waschmittel werben. Seriöse Angebote sind für eine ganze Reihe von Zielgruppen Mangelware. Und bei vielen Web-Sites haben die Werber inzwischen gemerkt, dass sie als Werbeplatz kaum zu nutzen sind. Ein kleiner Beleg: Die vor wenigen Stunden erschienene Meldung, dass Facebook ab sofort kostenlose Werbung anbietet, heißt ja nichts anderes, als dass die Facebookler ihren Werbeplatz nicht verkaufen konnten (Was ich mir bei dieser Gelegenheit nicht verkneifen kann: Was wird wohl heute beim Studivz-Käufer Holtzbrinck los sein, wenn die das mit Facebook lesen *lach*). Was passiert auf so einem Markt. Richtig: die Preise für gute Werbeplätze steigen. Aber Werbung hängt auch davon ab, dass sie in ausreichender Menge und Frequenz erscheint. Und da hapert es, wenn nicht genug Werbeplätze da sind. Ergo: Zündende Ideen sind gefragt, und überzeugende Alternativen zur klassischen Glotzenwerbung. Das ist eine typische Silicon Valley Konstellation und ich freue mich auf die kommenden Wochen und Monate, die sicher viele Lösungsvorschläge bringen werden. Nächste Gelegenheit zum kibitzen: Bei der Web Guild geht es kommende Woche um die Zukunft der Online-Werbung. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Digg: Aufruhr im Wilden Westen

Hier geht es in diesem Tagen wieder einmal sehr roh zur Sache. Digg.com hat aufgrund von Druck durch Unternehmen einige Postings gelöscht, in denen ein paar intelligente Tüftler einen Code veröffentlicht hatten, der es anderen Tüftlern erlaubt, den Kopierschutz von hochauflösenden DVDs zu knacken. Das hat zum Aufstand der User geführt, die protestiert und den Code massenweise geposted haben, so dass Digg schließlich kapituliert hat und nichts mehr löscht (hier das Ganze sehr schön zusammengefasst in der New York Times und hier etwas technischer im Spiegel).

Nun ja, kommen hier die „guten alten“ Zeiten wieder, zurück in die 60er? Demo? Straßenkampf? Und alles für umsonst für alle? Nope – aber: ganz klar ist doch, dass ein Musiker/Filmer irgendwie seine Brötchen verdienen möchte, die Industrie auch verdienen will und dass es niemals einen sicheren Kopierschutz geben wird. Der entscheidende Punkt ist dann für mich, dass die Unternehmen in Hollywood & Co keinen Weg finden, glaubwürdig und nachhaltig zu kommunizieren, dass sie und die Künstler ein Recht haben, an den Filmen und der Musik Geld zu verdienen, die sie produzieren. Stattdessen fuchteln sie nur mit dem Revolver, dem Sheriff und den Anwälten rum. Was ist das für eine Gemengelage, in der es einerseits null Unrechtsbewusstsein bei Konsumenten gibt, Musik und Filme zu kopieren, andererseits Unternehmen wie Sony keine Bedenken haben, einen „Sonytrojaner“ auf anderer Leute Rechner zu schmuggeln? Ach so, ja der Staat, hat den jemand gesehen? Geht es bald zu wie bei dem Bahntycoon von Sergio Leone, der sich seine eigene bewaffnete Aufräumtruppe gekauft hat, um „seine“ Ordnung zu schaffen.

Die Ursache für den aktuellen Turmoil sind Abmahnungen bzw. Unterlassungserklärungen, mit denen die Anwälte der betroffenen Firmen versucht haben, die Veröffentlichung des Codes zu verbieten. Da war es völlig klar, dass es nur Stunden dauern würde, bis es unter Verweis auf das 1. Amendment der amerikanischen Verfassung (Redefreiheit) zum kollektiven Aufschrei im Social Web kommen würde. Das einzige Ergebnis: Der Graben ist noch tiefer geworden, über den hinweg es einen Konsens in der Internet-Gesellschaft zum Thema Rechte und (geistiges) Eigentum geben muss. Ohne den geht gar nichts, ohne den wird auch die beste Regulierung nicht funktionieren. Wieso komme ich eigentlich darauf, dass es in den beteiligten Unternehmen am ehesten eine Reihe smarter, phantasievoller, gut bezahlter Leute geben müsste, die das wissen sollten?

Push aufs Handy

Heute früh lachte mir Spongebob im Business-Teil des Chronicles entgegen. Hintergrund: Die Reportage des Chronisten über eine Fahrt mit Nichte und Neffen, die sich über sein neuen Handy hergemacht hatten, um eine Folge des Schwammkopfes zu gucken. Acht Kanäle bietet Verizon hier seit kurzem an. Kostet schlappe 13 - 15 US $ im Monat und schon landen Nachrichten, MTV und Nickelodeon auf dem Handy.

Was ich dabei so spannend finde. Endlich gibt es den Werbe-Pushkanal aufs Handy. Yo - natürlich geht es auch per SMS oder per Anruf. Aber hey- ich drücke die (zum Glück nicht mehr als zwei-bis dreimal pro Woche auftauchende) Werbe-SMS direkt weg. Und Anrufe: Geht hier in den USA nicht - würde einen Aufstand geben. Also Werbung ganz klassisch: Einfach über den Sender und der landet auf dem Handy. Überrascht? Nein eigentlich nicht - eher bestätigt es meine pessimistische Ader, Untergang des Abendlandes und so. Denn ich bin sicher, dass der TV-Channel aufs Handy ein riesiger Erfolg wird. Erst recht, wenn die Sportkanäle dazu kommen. Zum Glück wissen meine Kids noch nichts davon…

Old Media - Klappbrücke zum Leser

Letzte Woche kam Time im neuen Look. Sehr nett, aber nicht aufregend. Denn das Layout gefällt (mir), aber sonst passiert nicht viel. Gut, das ist ein weiteres Mosaiksteinchen des Umbaus, der damit begann, dass seit Januar das Magazin zum Wochenende kommt.

Aber der spannende Punkt ist, dass dennoch immer mehr Leser verschwinden, und zwar ins Internet. Ein kleiner Beleg: Die Leserbriefecke in der Printausgabe heißt ab sofort Inbox (Gewagt ;-), weil die Leser sowieso nur noch Emails schreiben. Kurz: keinem (Print-) Medium gelingt es, die richtige Brücke ins Web zu finden. Klar, nicht so leicht, mal schauen … nein, spontan fällt mir auch nichts ein. Time macht es wie die deutsche Namensvetterin und bietet die Verlängerung der Artikel im Netz an, mit Zusatzinfos, Bildern etc. Jetzt kommt sogar ein Blog dazu und - fast schon interaktiv-Web 2.0 usergenerated-mäßig - zur Kolumne “10 Questions” kann man  Vorschläge für Fragen einschicken .

Und dann flattert mir heute die neue Ausgabe von Wired ins Haus.

Na also. Geht doch. Ich schicke mein Foto an Wired und in der JuniAusgabe habe ich meinen eigenen Titel, mit meinem Bild. Juhu. Klappbrücken können so viel Spaß machen!