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Silicommdada

Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley

Archive for Werbung

Microhoo. Was mir bislang fehlt…

Puhh. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende über ganz andere Sachen schreiben - und ansonsten morgen in Ruhe Superbowl gucken. Aber das kann man nicht ignorieren und dieser Deal verlangt die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Also habe ich heute richtig viel Zeitungen gelesen, Kommentare geguckt und ein wenig rumrecherchiert. Insgesamt haben die Medien - sowohl die hiesigen als auch die deutschen - ganz gut geschrieben. Unterm Strich fand ich die Berichterstattung in der NY Times am interessantesten. Mein liebes Wall Street Journal bot auch sehr viel (wie immer online leider hinter verschlossenen Türen). Wer ein wenig mehr Lokalkolorit haben möchte, dem empfehle ich die Online-Version des San Francisco Chronicle.

Das meiste ist also für den Moment gesagt und geschrieben. Ich meine auch, dass Microsoft die Übernahme dringend braucht, um nicht abgehängt zu werden. Und ich vermute, sie wird auch gelingen, auch wenn die Regulierer genau hinschauen werden. Aber das werden sie vor allem hinterher machen und hinterher wird es sicher interessant sein zu schauen, wie da zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammenwachsen sollen, die kaum etwas gemein haben.

Aber ein paar Punkte kommen mir zu kurz. Die NY Times berührt einen der Punkte, der mir ansonsten bislang völlig fehlt. In zu vielen Medien klingt es nämlich so, als würde hier der Show Down eingeläutet. Klar, das ist eine schöne Story. Aber tatsächlich gehen wir gerade erst in die zweite Runde eines Wettbewerbs, der sicher weit mehr als 15 Runden haben wird und in dem viele seiner Teilnehmer noch gar nicht zu sehen sind. Im Internet stehen wir - auch was die Werbung anbelangt - erst am Anfang!

Das im Hinterkopf sollten wir uns noch einmal anschauen, was hier passiert. Sicher, in der Suchmaschinenwelt möchte die Nummer drei die Nummer zwei übernehmen. Das kann man sich leisten, weil man in anderen Bereichen mit Abstand die Nummer eins ist. Aber das betrifft nur den Bereich Suchmaschinen. Es gelten dort die Größenverhältnisse, die wir überall lesen konnten: nach einer Fusion wird Microhoo nur knapp die Hälfte der Suchanfragen haben, die Google weltweit hat.

Schaut man sich aber die Anzahl aller Seiten-Besuche an, bietet sich bereits ein anderes Bild. Zwar ist es auch bei den Unique Visitors die Fusion von #2 und #3. Aber hier werden sich, sollte die Übernahme gelingen, hinterher neue Verhältnisse bieten. Microsoft liegt bei den Besuchern nur knapp hinter Google, zusammen mit Yahoo wird es einen deutlichen rund 80-prozentigen Vorsprung geben. Noch eine Kennzahl, die hier wichtig ist: bei der auf der Seite verbrachten Zeit handelt es sich um eine Fusion von Nummer 1 und Nummer 2. Dort ist Google nur Dritter. Alle Berechnungen übrigens auf Basis der Zahlen, die Comscore bietet. Mein Argument, warum diese Zahlen relevant sind und künftig noch viel wichtiger sein werden: die Werbeformen, die jenseits von Such- und Schlagwörtern erfolgreich sind, entstehen gerade erst. Gegenwärtig überzeugt vielleicht Werbung noch nicht, die Social Network Profile nutzt oder die in ersten Versuchen auf der Basis des Userverhaltens angeboten wird. Sie ist außerdem im Hinblick auf den Schutz der Privatsphäre sehr bedenklich. Aber wir werden immer mehr Formen dieser Werbung sehen und die braucht keine Suchmaschinen. Alles was sie brauchen sind viele und regelmäßige Besucher. Und dort wird Microhoo nach der Übernahme die Nummer eins sein.

Offen ist für mich auch das Potential, das Yahoo alleine ohne Übernahme hätte. Klar ist, dass Yahoo gegenwärtig schwach wirkt. CEO Jerry Yang hat vergangene Woche angekündigt, dass es nicht vor 2009 einen Turnaround geben wird. Aber die Zahl interessanter Ansätze ist da. So etwa die Kooperation mit über 200 amerikanischen Tageszeitungen zur Vernetzung von Online- und Printanzeigen. Auch scheinen die Investitionen in Suchmaschinentechnik erst jetzt langsam Kraft zu entfalten. Und die Renovierung der Homepage hat im vergangenen Jahr definitiv Fortschritte gemacht.

Bei anderen Erfolgsprodukten, die Yahoo im Köcher hat bzw. zugekauft hat, sehe ich dagegen erst im Duett mit Microsoft richtig neue Chancen. Würde mich nicht wundern, wenn wir etwa nach einer Übernahme bald Flickr im Windows Desktop integriert sehen. Und wer will sich dann noch Picasa zusätzlich runterladen… Runde 2 im großen Internetwettbewerb wird also langsam spannend. Aber das ganze Bild sieht nur, wer sich klar macht, dass es “nur” Runde 2 in einer offenen Anzahl von Runden ist und dass das Thema Suchmaschine nur ein Aspekt der Geschichte ist.

Nochmal Ads: Wie Werben, wenn die Globalisierung galoppiert?

Es ist eigentlich eine ganz nette Sache, die mir jetzt schon mehrfach in den vergangenen Wochen untergekommen ist: Eine Reihe der hiesigen Social Networking Plattformen sind zwar recht erfolgreich, aber nicht hier! So erfreut sich zum Beispiel Friendster wieder erhöhtem Zulauf, aber vor allem in den Philippinen. Und Orkut, die Gruppen-Community-Abteilung von Google (ich habe gerade mal nachgeschaut, die begrüßen mich plötzlich in Deutsch - was haben die vor ???!!!) hat die meisten Mitglieder in Brasilien. Das finde ich eigentlich ganz nett, wenn man hier im Valley sitzt und die User ganz woanders sind.

Das Problem: Die Werbenden haben das jetzt auch herausgefunden. Und sagen plötzlich, 6 Milliarden Pages Views im Monat (im Falle von Friendster) sind ja nicht schlecht, aber warum soll ich hier als amerikanisches Unternehmen werben, wenn die User ganz woanders sind… Und die Lücke hat (noch) niemand so richtig geschlossen (sure, Google sitzt dran…). Und ich bin gespannt, wie das aussehen wird. Das ist ein recht nettes Globalisierungsproblemchen, hier die Site, dort die User, sitzen die Werber genau dazwischen? Das müsste dann so etwa auf Hawaii sein, zumindest wenn’s um Friendster geht. Ich glaube, das schau ich mir mal an ;-)

Die Zukunft der Online-Werbung (oder so ähnlich)

Gestern ging es bei der Web Guild um die Zukunft der Online-Werbung. Also, sie ist smaragd-grün, schmeckt nach Erdbeere und Avocado, und wirkt je nach Reifegrad fade im Nachgeschmack, aber mit viel kalifornsichem Chardonnay geht es… Nein, es war aber selbstverständlich so, dass die im Veranstaltungstitel enthaltene Frage nicht beantwortet wurde. Dennoch war es sehr aufschlussreich, die aktuellen Themen und Probleme (im englischen ein Wort: issues) der Branche unter dem Brennglas präsentiert zu bekommen. Ihr werdet einiges von dem wieder finden, was mich hier schon beschäftigt hat und “latürnich” einige Binsenweisheiten, die man aber immer wieder gerne sieht (dazu sehr viele Anglizismen, sorry, aber ich weiß nicht, sie zu übersetzen):

  • Suchmaschinen gewinnen als die neue Portale des Webs immer mehr Einfluss, sie werden zum Gatekeeper für jede Form von Content. Dazu präsentierte Moderator Safa Rashtchy (hier der Link zu seinen recht netten Folien) noch einen interessanten Trend: User geben auf Suchmaschinen generische Begriffe ein und hoffen dann anscheinend auf Problemlösungshilfe durch die Suchmaschine. (Das widerspricht allerdings dem Trend, dass die Suchmaschinensuchanfragen immer mehr Wörter enthalten - ich kann es mir nur als Unterschied zwischen erfahrenen bzw. zielgerichteten Usern und unerfahrenen oder auf Unterhaltung ausgerichteten Suchanfragen vorstellen).
  • Safa Rashtchy sieht erst jetzt die Zeit des Internets als Massenmedium kommen. Er meint damit nicht die zunehmende Anzahl der User sondern die Tiefe der Nutzung: das Web zieht vom Schreibtisch ins Wohnzimmer, ja selbst in die Küche ein, es kommt mit dem Handy mit… Kurz: es ist immer dabei, egal wo wir sind und was wir machen. Angeblich surft ein rundes Drittel aller TV-Zuschauer hier in den Staaten parallel zum Glotzen immer oder oft im Internet.
  • Immer mehr User lehnen die traditionellen Formen der Internetwerbung ab!
  • Entwicklungen im Web 2.0 mit Usergenerated Content, Blogs, Flickr, Youtube & Co sowie Myspace & Verwandte nehmen Firmen immer mehr die Kontrolle über ihre Marke aus der Hand. Auf dem Podium machte das Schlagwort von der “Usergenerated Brand” die Runde.

Die Folge ist, dass dann unter anderem Suche und darauf abgestimmtes suchmaschinenrelevantes Marketing zum Branding Tool wird. Völlig unklar ist aber nach wie vor die Wechselbeziehung zwischen Offline-Werbung, Bannern und Textanzeigen. Es ist jedoch, darin waren sich die Werber auf dem Podium einig, eine Illusion, wenn man Online-Werbung völlige Kostentransparenz unterstellt. Man kann zwar leicht messen, wie viel der entscheidende Klick zur “Transäkschen” gekostet hat und wie viele Klicks für eine Transaktion nötig sind. Man weiß jedoch überhaupt nicht, wie viele Offline- und Online-Impressions nötig waren, um zu diesem entscheidenden Klick zu kommen.

Genauso wenig ist klar, wie hoch der Branding-Effekt von Textanzeigen ist. Klar ist dagegen, dass aus diesem (und keinem anderen) Grund schlagwortbasierte Textanzeigen immer stärker von Brandmanagern genutzt werden. Das führt wiederum dazu, dass sich viele kleinere Anbieter die (Nischen-) Schlagworte für Textanzeigen nicht mehr leisten können. Sie weichen daher auf Marketing-Alternativen aus: PR, Buzz- bzw. Wort of Mouth Marketing, Blogs etc. An dieser Stelle wurde es dann jedoch sehr still auf der Bühne. Es fielen noch ein paar Worte wie bessere Werbefilme (warum freut sicher jeder auf die Superbowl-Werbetrailer…), mehr Kreativität, aber dann war’s vorbei.

Dass es an einem anderen Punkt nicht völlig still war, letztlich aber viel zu wenig diskutiert wurde, war enttäuschend. Es geht um personaliserte und gezielte Werbung und Datenschutz. Als das Publikum bei Bennett Zuckers Satz “man soll seine Browser Cookies nicht löschen” nur gelacht hat, sagt beinahe schon alles. Irgendwo fiel dann noch mehrfach das Wort Transparenz, aber wann und wie wurde nicht mehr weiter geführt. Google-Experte Brian Schmidt redete an dieser Stelle nur noch vom User im Zentrum von Googles Aktivitäten… Von den Werbern hätte ich mir bei der Wichtigkeit des Themas dazu mehr erhofft. Denn wenn man genügend Transparenz herstellen könnte, finde ich gezielte und personaliserte Ads gut. Ich habe da die klare Meinung, dass ich gerne Werbung für Produkte sehen würde, die mich interessieren. Beispiel: Gerade steht der Laptop Kauf für meinen Sohn an. Da würde ich mich über die aktuellen Angebote im bzw. am Rande vom Browserfenster freuen. Aber nach dem Kauf bitte nicht mehr. Und ich möchte Kontrolle über meine eigenen Daten haben. Punkt!

Mein Fazit zur Zukunft der Online-Werbung? Ganz einfach: Banner, Videowerbung etc. wird es weiter geben - mit mehr oder weniger Kreativität, eher mehr als weniger “targeted”. Aber die Zukunft des Brand-Managements und auch eines großen Teils der Werbung gehört PR-Leuten, Reputation- und Issues-Managern mit solidem Internetknowhow sowie allen, die im Stakeholdermanagement zu Hause sind. Und das werden keine Dummbeutel sein, von denen es immer noch zu viele (immer feste druff!) gibt. Das konnte auf dem Podium aber keiner sagen. Dort saßen nämlich nur Werber und Anzeigenvermarkter…

PS für CW: Diesmal gab es eine Google Commuter Mug. Die wird nicht nur einen Ehrenplatz in meiner Google Offline-Gadgets Sammlung bekommen sondern auch benutzt werden ;-)

PPS für Alle: Ich wollte eigentlich noc einen Link auf einen sehr schönen Artikel zum targeted Marketing aus der gestrigen New York Times einbauen. Habe ich vergessen, hier ist er.

Zuschauer verzweifelt gesucht!

Dieser Artikel im Chronicle ist mir buchstäblich ins Auge gesprungen: 2,7 Millionen TV-Zuschauer sind im Frühjahr verschwunden. OK, eigentlich sind sie noch da, aber sie haben sich entschlossen, einfach nicht mehr in die Glotze zu schauen. Sie machen etwas anderes, etwas Besseres? Gut, meine Meinung ist da ganz klar: Etwas Besseres zu tun, als amerikanisches Fernsehen zu schauen, ist eine Hürde, die in unmittelbarer Bodennähe angesiedelt ist. Ich bin hier weitgehend TV-Abstinenzler geworden. (Ich gucke Sonntag Abends Tatort, den ich mir bei Shift.tv aufnehme). Ansonsten: Mal die Newshour mit Jim Lehrer, hin und wieder eine von den Late Night Shows, einmal im Quartal zappen und das Superbowl-Finale. Zur Zeit würde ich vielleicht noch Golden State in den NBA-Playoffs gucken, aber die Sender habe ich leider nicht gebucht…

Aber zurück zum Thema: Kommt hier das im Valley viel-strophig besungene Ende des alten Fernsehens? Schauen die Leute Youtube statt TV? Suchen sie sich ihre Sendungen im Web zusammen, statt sich etwas vorsetzen zu lassen? Es scheint, als kommt hier einiges zusammen: Über die miese Qualität der Sendungen wird hier bereits seit vergangenem Jahr geschrieben. Es gibt viele Wiederholungen und die Serien werden immer flacher. Bis auf “American Idol” und “Dancing with the Stars” gibt es keine Blockbuster. Und selbst bei diesen Sender-Superstars kann man sich das Beste direkt im Web anschauen! Dazu kommen dann die neuen Sehgewohnheiten. Clips statt komplette Sendungen, selbst zusammengestellt statt vorgesetzt, ersurft statt gezappt, dazu wird parallel online gechattet. Oben drauf kommt als Sahnehäubchen, dass hier in den USA in diesem Jahr früher auf die Sommerzeit umgestellt wurde. Und selbst hierzulande gilt: wenn es abends länger hell ist, merken die Leute eher, dass es ein Leben jenseits der Glotze gibt.

Die Zuschauerstatistiken erscheinen für die Sender zur Unzeit. Nächste Woche stellen sie der Werbeindustrie ihr Herbstprogramm vor. Und schon tönt es aus der Werbeecke, man werde nicht im Voraus Preise bezahlen für Zuschauer, die dann im Herbst gar nicht da sind. Damit stehen bei den Sendern zumindest vorübergehend Budgets in Frage, die dringend benötigt werden, um attraktivere Sendungen zu produzieren. Besser kann man sich eigentlich kein Szenario für eine Abwärtsspirale ausdenken.

Sollten die Werbepreise tatsächlich sinken, ist damit wenig für die Werbetreibenden gewonnen. Denn für die heißt es auch, dass sie weniger Menschen erreichen, als sie eigentlich möchten. Die Crux an der Sache ist, dass es zur Zeit nicht genug alternativen Werbeplatz gibt. Denn auch wenn die User im Internet sind - dort gibt es (noch) nicht die passenden Werbeplätze. So ist etwa die Frage, wie man zwischen Trash-Clips auf Youtube wirbt, immer noch nicht beantwortet. Auch auf Myspace kann man kaum für Waschmittel werben. Seriöse Angebote sind für eine ganze Reihe von Zielgruppen Mangelware. Und bei vielen Web-Sites haben die Werber inzwischen gemerkt, dass sie als Werbeplatz kaum zu nutzen sind. Ein kleiner Beleg: Die vor wenigen Stunden erschienene Meldung, dass Facebook ab sofort kostenlose Werbung anbietet, heißt ja nichts anderes, als dass die Facebookler ihren Werbeplatz nicht verkaufen konnten (Was ich mir bei dieser Gelegenheit nicht verkneifen kann: Was wird wohl heute beim Studivz-Käufer Holtzbrinck los sein, wenn die das mit Facebook lesen *lach*). Was passiert auf so einem Markt. Richtig: die Preise für gute Werbeplätze steigen. Aber Werbung hängt auch davon ab, dass sie in ausreichender Menge und Frequenz erscheint. Und da hapert es, wenn nicht genug Werbeplätze da sind. Ergo: Zündende Ideen sind gefragt, und überzeugende Alternativen zur klassischen Glotzenwerbung. Das ist eine typische Silicon Valley Konstellation und ich freue mich auf die kommenden Wochen und Monate, die sicher viele Lösungsvorschläge bringen werden. Nächste Gelegenheit zum kibitzen: Bei der Web Guild geht es kommende Woche um die Zukunft der Online-Werbung. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Googles Probleme möchte man haben…

In einem Artikel des Economist über den jüngsten Google Deal - den Kauf den Banner-Ad Platzierers DoubleClick - bin ich über einen hübschen Absatz gestolpert. Darin wird der Analyst Henry Blodget von Cherry Hill Research zitiert, dass der Deal ein erstes Schwächezeichen von Google sei. Denn während das Textanzeigen Business durchschnittliche Umsatzrenditen von etwa 60 Prozent bringe, betrügen die Profite im Banner-Geschäft nur 10 bis 20 Prozent. Mein erster, spontaner Kommentar: Eine Welt, in der so viel gelacht wird, kann so schlecht nicht sein… Und ansonsten: Wie lange haltet Ihr noch Eure Google Aktien?

Push aufs Handy II - Push auf die Datenbremse?!

Gut, das war im ersten Teil zu kurz. Weil TV auf dem Handy so ein anschauliches Beispiel für das Dilemma zwischen guter, passender Werbung und dem Datenschutz ist. Im Prinzip hätten es die Werber jetzt gut. Sie können auf die klassische TV-Werbung setzen und einfach abnudeln, was gemäß ihrer Zielgruppenanalyse passen müsste - so wie immer. Und damit sind wir wieder bei der nervtötenden Werbung, die wir kennen. Für mich bedeutet das einen Rückfall in die Zeit der “für-mich-irrelevanten” Werbung. Dabei ist das Geniale doch, dass man als Handybetreiber wunderbare Profile erstellen kann und dann zielgruppengenau wirbt (gilt noch mehr für die künftige Werbung auf dem Heim-TV - ist aber Thema für ein ander mal). Bin ich unterwegs und bei Starbucks um die Ecke und weiß der Handybetreiber, dass ich schon neulich übers Handy einen Starbucks gesucht habe, kommt ein kleiner Starbucks Trailer… Das erinnert zu sehr an Big Brother? You’re right. Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Hat heute auch der Datenschutzbeauftragte (schaut mal bei S. 104) festgestellt.

Aber es ist nicht so einfach, oder? Denn Werbung, die für mich relevant ist, interessiert mich. Das geht nur, wenn die entsprechenden Unternehmen einige Daten über mich haben. Also ein echtes Dilemma. Denn ich kenne spontan kein Unternehmen, bei dem ich ganz sicher sein kann, dass es nicht doch Schindluder mit meinen Daten treibt. Ich fände es daher als ersten Schritt recht einfach und nett, wenn ich etwa bei Google einsehen könnte, was die über mich wissen! Hab doch einen Account da. Könnte doch nicht so schwierig sein. Oder? So lange das nicht geht, hätte ich gerne alle meine Daten zurück. Und stattdessen Werbung nur als “Pull” - etwa durchklassische Recherche bei einer Suchmaschine, die gerne Google heißen darf, weil sie so schöne passende Werbung neben den Suchergebnissen hat…

Push aufs Handy

Heute früh lachte mir Spongebob im Business-Teil des Chronicles entgegen. Hintergrund: Die Reportage des Chronisten über eine Fahrt mit Nichte und Neffen, die sich über sein neuen Handy hergemacht hatten, um eine Folge des Schwammkopfes zu gucken. Acht Kanäle bietet Verizon hier seit kurzem an. Kostet schlappe 13 - 15 US $ im Monat und schon landen Nachrichten, MTV und Nickelodeon auf dem Handy.

Was ich dabei so spannend finde. Endlich gibt es den Werbe-Pushkanal aufs Handy. Yo - natürlich geht es auch per SMS oder per Anruf. Aber hey- ich drücke die (zum Glück nicht mehr als zwei-bis dreimal pro Woche auftauchende) Werbe-SMS direkt weg. Und Anrufe: Geht hier in den USA nicht - würde einen Aufstand geben. Also Werbung ganz klassisch: Einfach über den Sender und der landet auf dem Handy. Überrascht? Nein eigentlich nicht - eher bestätigt es meine pessimistische Ader, Untergang des Abendlandes und so. Denn ich bin sicher, dass der TV-Channel aufs Handy ein riesiger Erfolg wird. Erst recht, wenn die Sportkanäle dazu kommen. Zum Glück wissen meine Kids noch nichts davon…