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Silicommdada

Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley

Archive for Mobile

Crisis? What crisis? Gespannter Blick auf die Googlenomics

Die gestrigen Zahlen von Yahoo waren nicht sehr berauschend. Und tatsächlich hat Yahoo-Gründer und CEO Jerry Yang auch angekündigt, 1000 Arbeitsplätze abzubauen. Aber, so könnte man sich beruhigen, das ist ja Yahoo. Bei denen läuft es schon länger nicht so rund und der Turnaround ist immer noch nicht in Sicht, so dass der eine oder andere sogar schon droht, die Geduld zu verlieren.

Um so spannender wird es morgen, wenn Google seine Quartalszahlen präsentiert. Gerüchteweise hat es auch im Googleplex erstmals nicht die Wachstumszahlen gegeben, die man erwartet hat. Die Steigerungsraten bei den Online-Werbeausgaben bzw. Einnahmen auf Seiten von Google sollen leicht rückläufig sein. Das mag einmal ein Indikator für die ja rundum zur Zeit nicht ganz so stabile US-Wirtschaft sein. Aber es wird auch ein Signal dafür sein, ob bzw. wie immun das Valley gegen die Wirtschaftskrise ist.

Bislang hat man hier den Eindruck, dass es überall in den USA ökonomisch kriselt, nur im Silicon Valley nicht. Hier sind nicht einmal die Immobilienpreise spürbar gesunken, auch wenn die Zahl der Transaktionen in diesem Sektor immerhin stagnieren und zum Teil zurückgehen. Um so mehr könnte es ein Signal sein, wenn sich Google morgen räuspern würde. Dann könnten einige andere schnell ins röcheln geraten. Und weil ich schon mal bei prognostizieren und spekulieren bin: 5 Tage vor dem Super Tuesday, an dem auch hier in Kalifornien die Präsidentschaftskandidaten gewählt werden, könnte das auch das eine oder andere bewirken. Etwa nach dem Motto, mehr Sicherheit als Change?

Also schauen wir einmal gespannt darauf, was uns die Such-Helden aus Mountain View morgen bescheren werden. In den vergangenen Monaten hat die Aktie konstant nachgegeben, heute hat sie im Nasdaq etwa ein halbes Prozent verloren, im nachbörslichen Handel dann noch einmal eineinhalb Prozent. Das Gerücht, Google sei eine Partnerschaft mit Dell eingegangen, um das erste Handy mit dem Google System Android herauszubringen, kam zu spät, um heute noch etwas zu bewirken. Es könnte aber vielleicht morgen allzu schlechte Nachrichten herausreissen. Let’s see!

Immer-Net (iPhone, geh Du voran…)

Es schallt uns ja von allen Ecken in die Ohren. Das Internet wird mobil. So müssen wir niemals verzichten und sind immer im Web… Dass das nicht bloß Zukunftsmusik ist, zeigt ein kleiner Beitrag, über den ich vergangene Woche im Wall Street Journal gestolpert bin. Am vergangenen Dienstag berichtet das Journal, dass 0,09 Prozent aller Web-Seiten in den USA im November von einem iPhone aus aufgerufen wurden.  Was hier zunächst nach einem völlig unerheblichen Promillchen klingt, ist eine sehr erstaunliche Zahl. Denn erstens gibt es immer noch vergleichsweise wenig  iPhones  (1,4 Millionen) und zweitens haben alle Handys , die mit einem Windoof System laufen (die werden seit 1996 verkauft und alleine im ersten Quartal 2007 sollen es 3 Millionen verkaufte Exemplare sein) gerade mal einen Anteil von 0,06 Prozent.  

Der Unterschied liegt, so vermutet das Journal, in der Qualität des Surfens. Anders als auf den meisten anderen Handys hat das iPhone einen richtigen Browser. Sprich also, auf ihm wird nicht irgendein bleiwüstiges, minimales Internet-Surrogat geliefert sondern das ganze Web. Und das scheint den Usern zu gefallen. Damit lautet also die klare Botschaft: Gebt uns das ganze Web aufs Handy und wir werden es nutzen – immer und überall!

Googles eigener Weg zum Kunden…

Vor ein paar Wochen habe ich hier einmal darüber nachgedacht, dass die für 2008 geplante Auktion von Frequenzen, die für einen landesweiten kabellosen Internetzugang geeignet sind, eigentlich Google interessieren müsste. Freitag kam es dann über den Ticker: Google interessiert sich für die Frequenzen, möchte aber die Bedingungen geändert haben, zu denen die Versteigerung stattfindet! Google Chef Eric Schmidt möchte erreichen, dass die Frequenzen an Subabnehmer weiter gegeben müssen, wenn sie durch den Gewinner der Auktion nicht genutzt werden. So soll wohl ausgeschlossen werden, dass jemand die Frequenzen kauft, um sie dann ganz einfach zu Lasten des Wettbewerbs still zu legen.

Ich denke, die Chancen für Google stehen nicht schlecht. Erstens haben die Informationscontroller aus Mountain View das nötige Kleingeld, um andere potentielle Käufer zu überbieten. Und was den Änderungswunsch anbelangt: da hat ja FCC Chef Kevin J. Martin (die Federal Communication Commission (FCC) ist die oberste Kommunikationsregulierungs-Behörde in den USA, die die Auktion durchführt) seinerzeit nur wenige hundert Meter von Googles Zentrale entfernt gesagt, dass es seiner Behörde darum gehe, den Wettbewerb zu forcieren.

Und um Wettbewerb und um die Net-Neutrality geht es bei dieser Geschichte. Stichwort Wettbewerb: Internetzugang gibt es auf vier Wegen. Zu Hause übers Telefonnetz, über das (TV-) Kabelnetz und per Funk übers Handy oder ein (privates, lokales oder kommunales) Wireless Lan (Zugang per Satellit lassen wir mal als kaum relevant weg). Zwischen Telefongesellschaften und Kabelnetzbetreibern herrscht hier ein recht harter Wettbewerb, von dem aber nur Neukunden etwas haben - spätestens nach einem Jahr steigen die Preise und die Qualität lässt durchweg zu wünschen übrig. Kaum zu glauben aber wahr: hier im Herzen des Silicon Valleys ist es nicht leicht, als Privatanwender eine wirklich schnelle DSL Verbindung zu bekommen.

Die Anbieter der amerikanischen Handynetze haben bislang wenig Enthusiasmus gezeigt, im kabellose Bereich aktiv zu werden. Der Zugang per Handy ist recht langsam und kostet vergleichsweise viel. Erst jetzt mit dem neuen Tarif für das iPhone kommen die Preise ein wenig in Bewegung. Aber das iPhone hilft ja wenig, wenn man mit dem Laptop online gehen will, ganz abgesehen davon, dass auch dieser Zugang langsam ist. An echten WiFi-Lösungen als Alternative zu den Verbindungen per Handy haben die Handynetzbetreiber keine großes Interesse. Es kostet und ist ja bloß eine Konkurrenz zu den Handynetzen, mit denen ganz gutes Gekld verdient wird. Ausnahmen bestätigen die Regel: T-Mobile bietet in fast jedem Starbucks einen kostenpflichtigen Zugang an, der aber recht teuer ist. Kurz: aus der Ecke wird kaum etwas in Sachen Wireless zu erwarten sein. Und noch eine Bemerkung dazu am Rande: Die Handyhersteller scheinen das mit zu tragen, so mein Eindruck, denn neben dem iPhone gibt es hier kaum Handys, die Wlan geeignet sind.

Wireless Netzwerke gibt es hier im Valley recht viele. Sitzt man in einem Cafe, findet man oft ein kostenloses Netzwerk. In Mountain View betreibt Google ein kostenloses stadtweites Netz, das allerdings je nach Standort nur eine schlechte Verbindung bietet. Zusammen mit dem Telefonanbieter Earth Link baut Google derzeit ein Wireless Netzwerk in San Francisco auf, das allerdings in seiner kostenlosen Variante wohl auch langsam sein wird. Kommt man allerdings aus den Stadtkernen raus, ist schnell Ende mit dem kostenlosen, kabellosen Zugang. Und dann wird es teuer - wenn es überhaupt einen Zugang gibt. Also wäre prinzipiell Raum für eine neue Kraft, die ein landesweites Wireless Netzwerk hier in den USA aufbaut.

Der zweite Punkt betrifft die Net-Neutrality. Da geht es - extrem verkürzt - darum, dass Internetzugangsanbieter alle oder ausgewählte Inhalte von bestimmten Anbietern bevorzugt und dafür aber kostenpflichtig bereit stellen. Der Rest geht durch, wenn es passt. Das ist Gift für Firmen wie Google oder auch eBay, die ihre Angebote kostenlos bzw. anzeigenfinanziert zur Verfügung stellen oder davon leben, dass ihre Inhalte ohne Verzögerung und in Echtzeit allen Nutzern zur Verfügung stehen. Kein Problem, sagen die Telefon- und Kabelbetreiber, so lange ihr zahlt. Strickte Netz-Neutralität fordern dagegen Google, eBay und Co., denen Gefahr für die Kalkulation oder die Geschäftsgrundlage droht. Diese Geschichte beschäftigt den amerikanischen Kongress und brodelt derzeit im Hintergrund.

Würde Google künftig selbst zumindest einen Teil der Internetzugänge anbieten (und dazu in der mobilsten Version!), hätten die Weltinformationsbeweger aus Mountain View ein mächtiges Pfand in der Hand, um Net-Neutrality durchzusetzen. Ganz abgesehen davon gäbe es einen netten Nebeneffekt für gut gezielte Werbung. Hätte Google nämlich über den kabellosen Zugang auch die Daten darüber in der Hand, wo genau sich ein Nutzer befindet, könnte Werbung noch viel genauer zugeschnitten präsentiert werden. Ganz nett auf der einen Seite, aber in Alptraum unter Datenschutzaspekten, so lange Google keine Transparenz über die Datenverwendung und keine Garantien gegen Missbrauch anbietet.

Es geht aber womöglich noch viel weiter, denn wir sind es ja gewohnt, dass alles, was von Google kommt, keine direkten Kosten verursacht. Sprich: kostenloser kabelloser (werbefinanzierter) Internetzugang für alle hier in den Staaten? Das lassen sich die Telefon- und Kabelnetzbetreiber sicher nicht bieten. Für Google ist es strategisch überlebensnotwendig, einen “neutralen” direkten Weg zu den Kunden zu haben. Für die Telefon- und Kabelnetzbetreiber ist es überlebenswichtig, Geld mit den Netzen zu verdienen, da sie es kaum schaffen würden, auf alternative Einnahmequellen wie Werbefinanzierung umzusteigen. Hier braut sich also einiges zusammen und es hat alle Zutaten für eine hübsche Regulierungsschlacht…

Ohne Worte (am Beginn des iphoniums)

Freitag, kurz nach 18:00 Uhr, am Apple Store auf der University Avenue in Palo Alto:

Push aufs Handy

Heute früh lachte mir Spongebob im Business-Teil des Chronicles entgegen. Hintergrund: Die Reportage des Chronisten über eine Fahrt mit Nichte und Neffen, die sich über sein neuen Handy hergemacht hatten, um eine Folge des Schwammkopfes zu gucken. Acht Kanäle bietet Verizon hier seit kurzem an. Kostet schlappe 13 - 15 US $ im Monat und schon landen Nachrichten, MTV und Nickelodeon auf dem Handy.

Was ich dabei so spannend finde. Endlich gibt es den Werbe-Pushkanal aufs Handy. Yo - natürlich geht es auch per SMS oder per Anruf. Aber hey- ich drücke die (zum Glück nicht mehr als zwei-bis dreimal pro Woche auftauchende) Werbe-SMS direkt weg. Und Anrufe: Geht hier in den USA nicht - würde einen Aufstand geben. Also Werbung ganz klassisch: Einfach über den Sender und der landet auf dem Handy. Überrascht? Nein eigentlich nicht - eher bestätigt es meine pessimistische Ader, Untergang des Abendlandes und so. Denn ich bin sicher, dass der TV-Channel aufs Handy ein riesiger Erfolg wird. Erst recht, wenn die Sportkanäle dazu kommen. Zum Glück wissen meine Kids noch nichts davon…