Silicommdada
Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley
Archive for Internet Wegmarken
February 23, 2008 at 4:44 pm · Filed under Web 2.0, Internet Wegmarken, Zahlenwerke
Beim Aufräumen bin ich noch über zwei Meldungen gestoßen, die wir festhalten wollen. Nielsen Net Ratings hat zum ersten Mal Daten über die Online-Video Nutzung veröffentlicht, berichtet das Wall Street Journal am 14. Februar. Danach schauen etwa doppelt so viele Frauen auf den Web-Sites der TV Sender (obwohl es nicht dabei steht, vermute ich mal, dass nur die USA gemeint sind) online Videos. Auf User-generated Video Site wie etwa youtube sind dagegen etwa doppelt so viele Männer der Altersgruppe 18 - 34 unterwegs. Der Grund für letzteres sei, dass die Inhalte auf diesen Seiten - kurze, humor-geladene Filmchen - eher diese Nutzergruppe ansprechen würden (Kommentare verkneife ich mir hier einfach fast komplett - aber ich sage mal, es hat was mit der Art des dort präsentierten Humors zu tun, oder die Damen?).
Ansonsten bemerken die Netzforscher von Nielsen, dass online Videos gucken immer mehr zum Normalfall der Internetnutzung werde. 73 Prozent allerWeb-Surfer hätten im Dezember Videos geschaut.
February 2, 2008 at 11:55 pm · Filed under Valley Basics, Regulierung im Web, Internet Wegmarken
Das ist eigentlich ein Thema, über das ich mehr schreiben wollte. Vergangenen Donnerstag hat Lawrence Lessing zum letzten Mal “seine” Vorlesung über die Creative Commons hier in Stanford gehalten. Lessig hat die CC auf den Weg gebracht und damit einen Weg entwickelt, Copyright Internet- und Zukunftsfähig zu machen. (Hier wird es demnächst auch unter CC weiter gehen). Mehr unter CC und auf Lessigs Web-Site.
Lessig wird CEO der CC Organisation bleiben, sich aber künftig hauptsächich dem Kampf gegen Korruption widmen. Da ich nicht erkennen konnte, dass er in seiner Energie auch nur ein wenig nachgelassen hätte - ich habe ihn zwar nicht vorgestern, aber vor einigen Monaten zuletzt gesehen - bin ich sicher, dass wir von ihm auch zu diesem Thema bald viel hören werden. Und es wird sicher wieder kreativ und spannend sein!
February 2, 2008 at 11:44 pm · Filed under Valley Multis, Suchmaschinen, Werbung, Internet Wegmarken
Puhh. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende über ganz andere Sachen schreiben - und ansonsten morgen in Ruhe Superbowl gucken. Aber das kann man nicht ignorieren und dieser Deal verlangt die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Also habe ich heute richtig viel Zeitungen gelesen, Kommentare geguckt und ein wenig rumrecherchiert. Insgesamt haben die Medien - sowohl die hiesigen als auch die deutschen - ganz gut geschrieben. Unterm Strich fand ich die Berichterstattung in der NY Times am interessantesten. Mein liebes Wall Street Journal bot auch sehr viel (wie immer online leider hinter verschlossenen Türen). Wer ein wenig mehr Lokalkolorit haben möchte, dem empfehle ich die Online-Version des San Francisco Chronicle.
Das meiste ist also für den Moment gesagt und geschrieben. Ich meine auch, dass Microsoft die Übernahme dringend braucht, um nicht abgehängt zu werden. Und ich vermute, sie wird auch gelingen, auch wenn die Regulierer genau hinschauen werden. Aber das werden sie vor allem hinterher machen und hinterher wird es sicher interessant sein zu schauen, wie da zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammenwachsen sollen, die kaum etwas gemein haben.
Aber ein paar Punkte kommen mir zu kurz. Die NY Times berührt einen der Punkte, der mir ansonsten bislang völlig fehlt. In zu vielen Medien klingt es nämlich so, als würde hier der Show Down eingeläutet. Klar, das ist eine schöne Story. Aber tatsächlich gehen wir gerade erst in die zweite Runde eines Wettbewerbs, der sicher weit mehr als 15 Runden haben wird und in dem viele seiner Teilnehmer noch gar nicht zu sehen sind. Im Internet stehen wir - auch was die Werbung anbelangt - erst am Anfang!
Das im Hinterkopf sollten wir uns noch einmal anschauen, was hier passiert. Sicher, in der Suchmaschinenwelt möchte die Nummer drei die Nummer zwei übernehmen. Das kann man sich leisten, weil man in anderen Bereichen mit Abstand die Nummer eins ist. Aber das betrifft nur den Bereich Suchmaschinen. Es gelten dort die Größenverhältnisse, die wir überall lesen konnten: nach einer Fusion wird Microhoo nur knapp die Hälfte der Suchanfragen haben, die Google weltweit hat.
Schaut man sich aber die Anzahl aller Seiten-Besuche an, bietet sich bereits ein anderes Bild. Zwar ist es auch bei den Unique Visitors die Fusion von #2 und #3. Aber hier werden sich, sollte die Übernahme gelingen, hinterher neue Verhältnisse bieten. Microsoft liegt bei den Besuchern nur knapp hinter Google, zusammen mit Yahoo wird es einen deutlichen rund 80-prozentigen Vorsprung geben. Noch eine Kennzahl, die hier wichtig ist: bei der auf der Seite verbrachten Zeit handelt es sich um eine Fusion von Nummer 1 und Nummer 2. Dort ist Google nur Dritter. Alle Berechnungen übrigens auf Basis der Zahlen, die Comscore bietet. Mein Argument, warum diese Zahlen relevant sind und künftig noch viel wichtiger sein werden: die Werbeformen, die jenseits von Such- und Schlagwörtern erfolgreich sind, entstehen gerade erst. Gegenwärtig überzeugt vielleicht Werbung noch nicht, die Social Network Profile nutzt oder die in ersten Versuchen auf der Basis des Userverhaltens angeboten wird. Sie ist außerdem im Hinblick auf den Schutz der Privatsphäre sehr bedenklich. Aber wir werden immer mehr Formen dieser Werbung sehen und die braucht keine Suchmaschinen. Alles was sie brauchen sind viele und regelmäßige Besucher. Und dort wird Microhoo nach der Übernahme die Nummer eins sein.
Offen ist für mich auch das Potential, das Yahoo alleine ohne Übernahme hätte. Klar ist, dass Yahoo gegenwärtig schwach wirkt. CEO Jerry Yang hat vergangene Woche angekündigt, dass es nicht vor 2009 einen Turnaround geben wird. Aber die Zahl interessanter Ansätze ist da. So etwa die Kooperation mit über 200 amerikanischen Tageszeitungen zur Vernetzung von Online- und Printanzeigen. Auch scheinen die Investitionen in Suchmaschinentechnik erst jetzt langsam Kraft zu entfalten. Und die Renovierung der Homepage hat im vergangenen Jahr definitiv Fortschritte gemacht.
Bei anderen Erfolgsprodukten, die Yahoo im Köcher hat bzw. zugekauft hat, sehe ich dagegen erst im Duett mit Microsoft richtig neue Chancen. Würde mich nicht wundern, wenn wir etwa nach einer Übernahme bald Flickr im Windows Desktop integriert sehen. Und wer will sich dann noch Picasa zusätzlich runterladen… Runde 2 im großen Internetwettbewerb wird also langsam spannend. Aber das ganze Bild sieht nur, wer sich klar macht, dass es “nur” Runde 2 in einer offenen Anzahl von Runden ist und dass das Thema Suchmaschine nur ein Aspekt der Geschichte ist.
December 17, 2007 at 5:38 pm · Filed under Valley Basics, Mobile, Internet Wegmarken
Es schallt uns ja von allen Ecken in die Ohren. Das Internet wird mobil. So müssen wir niemals verzichten und sind immer im Web… Dass das nicht bloß Zukunftsmusik ist, zeigt ein kleiner Beitrag, über den ich vergangene Woche im Wall Street Journal gestolpert bin. Am vergangenen Dienstag berichtet das Journal, dass 0,09 Prozent aller Web-Seiten in den USA im November von einem iPhone aus aufgerufen wurden. Was hier zunächst nach einem völlig unerheblichen Promillchen klingt, ist eine sehr erstaunliche Zahl. Denn erstens gibt es immer noch vergleichsweise wenig iPhones (1,4 Millionen) und zweitens haben alle Handys , die mit einem Windoof System laufen (die werden seit 1996 verkauft und alleine im ersten Quartal 2007 sollen es 3 Millionen verkaufte Exemplare sein) gerade mal einen Anteil von 0,06 Prozent.
Der Unterschied liegt, so vermutet das Journal, in der Qualität des Surfens. Anders als auf den meisten anderen Handys hat das iPhone einen richtigen Browser. Sprich also, auf ihm wird nicht irgendein bleiwüstiges, minimales Internet-Surrogat geliefert sondern das ganze Web. Und das scheint den Usern zu gefallen. Damit lautet also die klare Botschaft: Gebt uns das ganze Web aufs Handy und wir werden es nutzen – immer und überall!
September 25, 2007 at 4:27 pm · Filed under Valley Basics, Valley Multis, Web 2.0, Internet Wegmarken
Na also - kaum ist der meteorologische Sommer vorbei, nimmt der Wunderzug der Übernahmen und sonstigen Finanz- und Businessmagie durchs Valley Fahrt auf. Seit gestern berichtet das Wall Street Journal darüber, dass Microsoft bereits seit einigen Monaten mit Hilfe der global arbeitenden PR & PA Firma Burson-Marsteller daran arbeitet, die Übernahme von DoubleClick durch Google doch noch durch die Kartellbehörden in den USA oder in Europa zu verhindern.
Heute legt das Journal mit der Geschichte nach, dass Microsoft an einer Beteiligung an Facebook arbeitet. Sollten die Zahlen stimmen, würde das den (noch kaum materialisierbaren) Wert von Facebook bis an die 10 Milliarden US Dollar hochtreiben. Also ich würde sagen, damit geht Redmont mit 1,5 (halber Punkt Abzug wg. dem hohen Preis) zu 1,49 (Facebook, halber Gummipunkt für den hohen Preis) zu 0 (Google, MySpace) in Führung. Aber keine Sorge. Wir sind noch in der ersten Halbzeit, und auch die ist noch lang. Am Wochenende habe ich zum Beispiel eine kurze Meldung gelesen, in der es heißt, dass Google erneut mit Netzbetreibern redet. Ich würde sagen, hier versucht Google weiter das Terrain zu sondieren, ob man die Netzneutralität gegenüber AT & T und Konsorten erhalten kann, indem man einfach selber zum Netzbetreiber wird…
September 17, 2007 at 9:53 pm · Filed under Entrepreneure, Valley Multis, Events, Internet Wegmarken
Wenn der japanische Teil eines Internet-Unternehmens, das seine Wurzeln im Valley hat, ein globales Event durchführt, dann kommen die in Kanada stationierten Programmierer nach Stanford, in Japan machen die Konferenzteilnehmer die ganze Nacht durch und werden, zusammen mit Thailand wenn es in Kalifornien dunkel wird, zu einer globalen Videokonferenz zusammen geschaltet. Einer der Gründerväter des Webs, Vint Cerf, sitzt dann zwar physisch nur wenige Meilen vom Veranstaltungsort in Stanford entfernt, taucht aber dennoch nur per Videoschaltung auf. Ach so, und Europa ist bei der Video-Konferenz am Schluss nicht dabei, weil…, ja das wußte auch niemand so richtig. Wahrscheinlich, so meint einer der Organisatoren schulterzuckend, weil die in Paris schon schlafen. Ein Schelm, wer sich dazu was denkt?

An diesem Wochenende war Mozilla 24. Ein Event rund um den Globaus gespannt, mit wissenschaftlichen Vorträgen, Konferenzen, einem Rock-Konzert in Tokyo, einem Kinderinternetgipfel und jeder Menge Diskussion in der Mozilla Community. Inhaltlich war das ganze so dicht, dass ich hier keine Zusammenfassung anbieten werde. Aber über allem ist ein viel wichtiger Eindruck bei mir hängen geblieben: Mit Mozilla habe ich eine ganz andere Form von transnationalem Unternehmen gesehen, als das, was einem gemeinhin zu diesem begriff einfällt. Oder vielleicht habe ich sogar erstmals ein Unternehmen näher gesehen, das es wirklich verdient, transnational genannt zu werden.
Ein Unternehmen? Kein Projekt? (…wird vielleicht jemand denken, der sich das schon mal genauer angeschaut hat) Well, wo soll da der Unterschied sein? Mozilla wird in diesem Jahr wahrscheinlich die 15 – Prozent Marke beim weltweiten Browseranteil knacken. Das ganze ist vor einigen Jahren als Projekt aus den Ruinen des Netscape Browsers gestartet. Inzwischen hat es Erfolg, eine Struktur, die zwischen der Mozilla Foundation als Rechteinhaberin und der Mozilla Corporation, in der das operative Geschäft läuft, unterscheidet. Dazu kommt eine weltweite Community, mit Mozilla Europa, Mozilla Japan und zahlosen Programmierern und freiwilligen Marketern, die mit Gadgets, Widgets und Programmteilen helfen, einen hervorragenden Internetbrowser und inzwischen noch viel mehr zu entwickeln und zu verbreiten.
Es gibt Spitzenleute und Leute an der Spitze, eine Hierarchie aber, wie es sie in anderen Unternehmen gibt, gibt es aber nicht. Dazu ist das ganze (noch) zu offen, zu changeant, um sich in eine einfache, klare Form von Unternehmen pressen zu lassen. Und doch wird da gewirtschaftet, Geld gemacht, global gearbeitet und das mit viel Elan, Spaß und Energie. 24 Stunden am Tag rund um den Globus. International und transnational. Sehr beeindruckend und wert, einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden….
September 14, 2007 at 9:35 am · Filed under Web 2.0, Politik, Events, Internet Wegmarken
Mozilla 24 ist ein globales Event am kommenden Wochenende zur sozialen, technischen und kulturellen Zukunft des Internets. Mit Veranstaltungen in Paris, Bangkok, Tokyo und Stanford - und einem Livestream ins Web. Mehr unter http://www.mozilla24.com und selbstmurmelnd eine Nachlese mit Schwerpunkt Stanford irgendwann nächste Woche hier bei Silicommdada.
July 23, 2007 at 12:17 am · Filed under Valley Multis, Politik, Suchmaschinen, Mobile, Regulierung im Web, Internet Wegmarken
Vor ein paar Wochen habe ich hier einmal darüber nachgedacht, dass die für 2008 geplante Auktion von Frequenzen, die für einen landesweiten kabellosen Internetzugang geeignet sind, eigentlich Google interessieren müsste. Freitag kam es dann über den Ticker: Google interessiert sich für die Frequenzen, möchte aber die Bedingungen geändert haben, zu denen die Versteigerung stattfindet! Google Chef Eric Schmidt möchte erreichen, dass die Frequenzen an Subabnehmer weiter gegeben müssen, wenn sie durch den Gewinner der Auktion nicht genutzt werden. So soll wohl ausgeschlossen werden, dass jemand die Frequenzen kauft, um sie dann ganz einfach zu Lasten des Wettbewerbs still zu legen.
Ich denke, die Chancen für Google stehen nicht schlecht. Erstens haben die Informationscontroller aus Mountain View das nötige Kleingeld, um andere potentielle Käufer zu überbieten. Und was den Änderungswunsch anbelangt: da hat ja FCC Chef Kevin J. Martin (die Federal Communication Commission (FCC) ist die oberste Kommunikationsregulierungs-Behörde in den USA, die die Auktion durchführt) seinerzeit nur wenige hundert Meter von Googles Zentrale entfernt gesagt, dass es seiner Behörde darum gehe, den Wettbewerb zu forcieren.
Und um Wettbewerb und um die Net-Neutrality geht es bei dieser Geschichte. Stichwort Wettbewerb: Internetzugang gibt es auf vier Wegen. Zu Hause übers Telefonnetz, über das (TV-) Kabelnetz und per Funk übers Handy oder ein (privates, lokales oder kommunales) Wireless Lan (Zugang per Satellit lassen wir mal als kaum relevant weg). Zwischen Telefongesellschaften und Kabelnetzbetreibern herrscht hier ein recht harter Wettbewerb, von dem aber nur Neukunden etwas haben - spätestens nach einem Jahr steigen die Preise und die Qualität lässt durchweg zu wünschen übrig. Kaum zu glauben aber wahr: hier im Herzen des Silicon Valleys ist es nicht leicht, als Privatanwender eine wirklich schnelle DSL Verbindung zu bekommen.
Die Anbieter der amerikanischen Handynetze haben bislang wenig Enthusiasmus gezeigt, im kabellose Bereich aktiv zu werden. Der Zugang per Handy ist recht langsam und kostet vergleichsweise viel. Erst jetzt mit dem neuen Tarif für das iPhone kommen die Preise ein wenig in Bewegung. Aber das iPhone hilft ja wenig, wenn man mit dem Laptop online gehen will, ganz abgesehen davon, dass auch dieser Zugang langsam ist. An echten WiFi-Lösungen als Alternative zu den Verbindungen per Handy haben die Handynetzbetreiber keine großes Interesse. Es kostet und ist ja bloß eine Konkurrenz zu den Handynetzen, mit denen ganz gutes Gekld verdient wird. Ausnahmen bestätigen die Regel: T-Mobile bietet in fast jedem Starbucks einen kostenpflichtigen Zugang an, der aber recht teuer ist. Kurz: aus der Ecke wird kaum etwas in Sachen Wireless zu erwarten sein. Und noch eine Bemerkung dazu am Rande: Die Handyhersteller scheinen das mit zu tragen, so mein Eindruck, denn neben dem iPhone gibt es hier kaum Handys, die Wlan geeignet sind.
Wireless Netzwerke gibt es hier im Valley recht viele. Sitzt man in einem Cafe, findet man oft ein kostenloses Netzwerk. In Mountain View betreibt Google ein kostenloses stadtweites Netz, das allerdings je nach Standort nur eine schlechte Verbindung bietet. Zusammen mit dem Telefonanbieter Earth Link baut Google derzeit ein Wireless Netzwerk in San Francisco auf, das allerdings in seiner kostenlosen Variante wohl auch langsam sein wird. Kommt man allerdings aus den Stadtkernen raus, ist schnell Ende mit dem kostenlosen, kabellosen Zugang. Und dann wird es teuer - wenn es überhaupt einen Zugang gibt. Also wäre prinzipiell Raum für eine neue Kraft, die ein landesweites Wireless Netzwerk hier in den USA aufbaut.
Der zweite Punkt betrifft die Net-Neutrality. Da geht es - extrem verkürzt - darum, dass Internetzugangsanbieter alle oder ausgewählte Inhalte von bestimmten Anbietern bevorzugt und dafür aber kostenpflichtig bereit stellen. Der Rest geht durch, wenn es passt. Das ist Gift für Firmen wie Google oder auch eBay, die ihre Angebote kostenlos bzw. anzeigenfinanziert zur Verfügung stellen oder davon leben, dass ihre Inhalte ohne Verzögerung und in Echtzeit allen Nutzern zur Verfügung stehen. Kein Problem, sagen die Telefon- und Kabelbetreiber, so lange ihr zahlt. Strickte Netz-Neutralität fordern dagegen Google, eBay und Co., denen Gefahr für die Kalkulation oder die Geschäftsgrundlage droht. Diese Geschichte beschäftigt den amerikanischen Kongress und brodelt derzeit im Hintergrund.
Würde Google künftig selbst zumindest einen Teil der Internetzugänge anbieten (und dazu in der mobilsten Version!), hätten die Weltinformationsbeweger aus Mountain View ein mächtiges Pfand in der Hand, um Net-Neutrality durchzusetzen. Ganz abgesehen davon gäbe es einen netten Nebeneffekt für gut gezielte Werbung. Hätte Google nämlich über den kabellosen Zugang auch die Daten darüber in der Hand, wo genau sich ein Nutzer befindet, könnte Werbung noch viel genauer zugeschnitten präsentiert werden. Ganz nett auf der einen Seite, aber in Alptraum unter Datenschutzaspekten, so lange Google keine Transparenz über die Datenverwendung und keine Garantien gegen Missbrauch anbietet.
Es geht aber womöglich noch viel weiter, denn wir sind es ja gewohnt, dass alles, was von Google kommt, keine direkten Kosten verursacht. Sprich: kostenloser kabelloser (werbefinanzierter) Internetzugang für alle hier in den Staaten? Das lassen sich die Telefon- und Kabelnetzbetreiber sicher nicht bieten. Für Google ist es strategisch überlebensnotwendig, einen “neutralen” direkten Weg zu den Kunden zu haben. Für die Telefon- und Kabelnetzbetreiber ist es überlebenswichtig, Geld mit den Netzen zu verdienen, da sie es kaum schaffen würden, auf alternative Einnahmequellen wie Werbefinanzierung umzusteigen. Hier braut sich also einiges zusammen und es hat alle Zutaten für eine hübsche Regulierungsschlacht…
July 12, 2007 at 2:21 pm · Filed under Valley Basics, Web 2.0, Regulierung im Web, Internet Wegmarken
Früher war ja alles ganz anders. Kam einer daher und wollte mir einen erzählen, habe ich mich umgehört und mir ein Bild von der Person gemacht. Vielleicht hatten wir gemeinsame Freunde, oder es gab sonst etwas, das die Vertrauenswürdigkeit erhöhte. Genauso lief das bei der Suche nach Handwerkern, guten Restaurants etc.
Nun kann man sich im Web 2.0 ja auch jede Menge Rat und Services holen. Das beginnt mit Amazon und eBay, geht weiter auf Web-Seiten wie qype oder yelp, die ihre Mitglieder am Ruf von Dienstleistern arbeiten lassen, in dem sie ihre User Bewertungen schreiben lassen. Für Produkte gibt es das schon ein Weilchen länger, etwa bei ciao. Wie soll man nun den Tipps dort vertrauen? Was soll ich von jemandem halten, der einen Tipp gibt, von dem ich aber noch nie gehört habe und der am anderen Ende der Welt sitzt? Wenn er wirklich dort sitzt und es ihn wirklich gibt… Und, dass er nicht vielleicht ein ganz anderes Interesse hat. Heute ein schönes Beispiel dazu: der CEO von Whole Foods, einer Bio-Supermarktkette, hat wohl seit vielen Jahren unter Pseudonym online geschrieben, seine Firma gelobt und und auch schon mal über einen Übernahmekandidaten gelästert.
Eine Lösung ist, dass man die möglichen Verbindungen aufzeigt, also schauen, ob es sich etwa um den Freund eines Freundes halndelt. Das geht so xing, linked in und auch im Projekt, an dem ich mitarbeite – bei miaplaza.
Ein anderer Ansatz ist das Rating. Ihr kennt es von den Amazon Händlern und von eBay: Dort können Kunden nach dem Abschluss die Person bewerten, von der sie etwas gekauft haben. Professionelle Ratingagenturen für das Geschäftsleben gibt es ja schon seit Jahrzehnten. Ich meine die Institutionen, die die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder auch ganzen Staaten bewerten. Das das sind ganz schön mächtige Organisationen, die Einfluss auf das Wohl und Wehe ganzer Nationen haben. Eine andere Version ist die Schufa in Deutschland, die die Kreditwürdigkeit von Firmen und Personen bewertet.
Und so ist es kein Wunder, dass jetzt auch Unternehmen entstehen, die die (Online-) Reputation einzelner Menschen im Visier haben. Es geht um Web-Sites, die Usern anbieten, andere User zu bewerten.
Schon seit einiger Zeit macht das rapleaf.com. Bei denen ging es zunächst nur um die Email Reputation. Die Idee lautete, dass jemand mit hoher Reputation eigentlich nicht in Spamfiltern hängen bleiben sollte – wenn denn genug mitmachen und auch die Relevanz dieser Reputation von Spamfiltern anerkannt wird. Inzwischen geht Rapleaf weiter und möchte ganz allgemein die „Online Reputation“ bewerten.
Gleich in die Vollen geht Venyo.org. Dort soll es um die ganze Reputation eines Individuums im Web gehen. Im Gespräch hat mir Mitgründer Fabrice Cornet neulich beim Web Montag erzählt, dass Venyo als neutrale Organisation zum Partner großer Webhäuser werden möchte. 14.7.07: Der Kommentar von Stephan (siehe unten) animiert mich zu folgender Ergänzung: Dazu planen die Gründer von Venyo zu einer Art offenen Standard zu werden. Sprich jede Web-Site kann das Venyo Reputationssystem für ihre Nutzer verwenden. Aber angezeigt wird die Reputation, die der User auf allen Seiten erwroben hat, auf denen er unterwegs ist und die das Venyo Syetm nutzt. Neutralität ist bei Venyo quasi per Herkunft eingebaut, das Unternehmen hat seinen Sitz in der Schweiz. Und das .org in der Domain soll unterstreichen, dass es hier um eine neue Internet-Institution gehen soll. Allerdings residieren die Gründer seit kurzem hier im Valley, weil halt hier die Musik spielt.
Hinter Venyos Technologie, so Cornet, steht eine Universität in der Schweiz. Dort seien die Algorhythmen entwickelt worden und dort werde auch der künftige Datenschatz gehortet. Sicher und vertraulich, so wie in einer Schweizer Bank. Auf meine ganzen kritischen Nachfragen, wie das denn genau funktioniere (Sicherheit, Betrug, Schutz vor übler Nachrede, Verfahren zur Bewertung, ethische Fragen), hatte Cornet überwiegend gute Antworten, allerdings konnte er mir (noch?!) nicht alles zeigen, was er mir erzählte.
Sicher, so eine Organisation scheint für einiges ganz nützlich. Man könnte sehen, wie vertrauenswürdig ein Blogger bewertet wird, man könnte auch schon vor dem ersten Verkauf auf eBay vertrauenswürdig sein… Aber sollte das ganze System einmal etabliert sein, gibt es kein Entrinnen mehr. Keine Online-Reputation, kein Deal, nirgendwo. Da ist die Schufa ein Klacks gegen. Es hängt also alles an der Reputation und der (technologischen) Vertrauenswürdigkeit der Organisationen selbst, die das machen. Und da, so mein Eindruck, hapert es noch sowohl bei Rapleaf als auch bei Venyo. Ich meine, dass die Vertrauenswürdigkeit nur durch Transparenz gewinnen können. Und die gibt es bislang nicht. Wieso kann man zum Beispiel nicht sehen, nach welchem Verfahren bewertet wird? Warum steht bei Venyo nichts über den Hintergrund des Verfahrens und den akademischen Partner. Konkurrenzgründe mag ich nicht gelten lassen: Wenn die Algorhythmen wirklich so einmalig sind, wie behauptet, was soll denn dann passieren, wenn wir wissen, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen? Außerdem: Wer kontrolliert eigentlich die Bewerter und wer gibt ihnen überhaupt das Recht, zu richten. Und daran knüpft sich die nächste Frage an: muss das wirklich durch eine neue, private Organisation gemacht werden oder können wir andere vorhandene Strukturen nutzen. Nicht, dass ich nach dem Staat rufen will. Bis Staaten so etwas gelingen würde, kommunizieren wir schon wieder mit Trommeln und Rauchzeichen, weil der Strom alle ist. Nein, aber es gibt ja bereits einige globale und neutrale Organisationen, die dem Web gute Dienste leisten.
Da die Reputation der Internetnutzer sowohl bei Rapleaf als auch bei Venyo durch andere User entsteht, sind einige Punkte klar: Relevant wird es erst, wenn massenweise Leute dabei sind. Aber so ein kleiner Rufmord wird sicher auch schon jetzt möglich sein. Das aber sei, so Fabrice Cornet, bei Venyo ausgeschlossen. Man habe genug Sicherheiten eingebaut, um das zu verhindern. Leider kann man da bislang nur hoffen, dass das stimmt. Dass sich einer dieser Anbieter etablieren wird, ist für mich ausgemacht. Aber dass sich die Leute massenweise zu etwas aufmachen und hinterher verwundert die Augen reiben, das soll ja schon mal vorgekommen sein.
June 26, 2007 at 1:10 am · Filed under Valley Basics, Politik, Regulierung im Web, Internet Wegmarken
Heute jährt sich der zehnte Jahrestag eines für die Entwicklung des Internets sehr wichtigen Ereignisses. Der amerikanische Supreme Court erklärte den Communications Decency Act (CDA) für verfassungswidrig. Ein Blick zurück ins letzte Jahrhundert:
Mit Beginn der Clinton-Präsidentschaft im Januar 1993 und vor allem mit seinem damaligen Vize Al Gore, der sich (schon damals) nicht nur um Umwelt sondern auch intensiv um Information Superhighway kümmerte, sollte das Internet auch politisch und damit regulativ erschlossen werden. Doch zunächst tat sich nicht viel. Die Nutzerscharen im Web wuchsen und die Politik machte Politik.
Je bevölkerter das Internet wurde, desto mehr Surfern fielen die vielen Problemzonen und Schmuddelecken im Web auf. Das blieb auch den Print-Medien nicht verborgen. Time Magazin titelte im Juli 1995 zur Pornografie im Internet, die Zeit war auf der Höhe und verfolgte das Geschehen, der Spiegel brachte einige Monate später eine Serie in der er unter anderem “Angst vor Anarchie” titelte. Der damalige Justizminister Edzard Schmidt-Jortzig erklärte im Spiegel (11/1996) mit Blick aufs Internet: “Der Nationalstaat ist überholt”.
In den USA ergriffen Senat und Repräsentantenhaus die Iniative, bevor die Regierung handeln konnte und verabschiedeten am 1. Februar den CDA. Präsident Clinton unterzeichnete ihn am 8.2. 1996 und der CDA trat damit - wenn auch nur sehr kurz - in Kraft. Nur einen Tag später gab es eine Klage der American Civil Liberties Union, unterstützt durch die Electronic Frontier Foundation gegen das Gesetz. Die Begründung: das Gesetz verstöße gegen das First Amendment, die Redefreiheit, in der amerikanischen Verfassung.
Der CDA verbot jede Übertragung “unanständiger” (indecent) sexueller Inhalte in einer Form, in der sie Personen unter 18 Jahren zugänglich werden könnten. De facto bedeutete es aufgrund der technischen Möglichkeiten das Ende jeder Darstellung von nackter Haut (Flickr, ick hör dir trapsen) im Internet inklusive aller Web-Sites zur sexuellen Aufklärung, zur AIDS Prävention usw. Aus diesem Grunde wuchs die Allianz, die klagte schnell, etwa um Organisationen wie die der amerikanischen Bibliothekare. Dazu kommt, dass man die Bedeutung des First Amendment, die es zumindest im größten Teil des 20. Jahrhundert für die USA hat, keinesfalls unterschätzen sollte. Sie schützt die Redefreiheit von jedem, von Nazis, die es immer noch nicht besser wissen und auch von allen, die Pornografie verbreiten wollen. Kurz: wenn es um das erste Amendment geht, entstehen hier zuweilen Allianzen der seltsamsten Art, mit hoher Schlagkraft.
Spätestens jetzt erreichte auch die Zeit der großen Träume vom Cyberspace ihren Höhepunkt. Es war etwa die Zeit des Grateful Dead-Texters John Perry Barlow. Barlow prägte den Begriff Cyberspace, den er Ende der 80er entdeckte. Mitte 1990 schuf er zusammen mit dem Lotus Gründer Mitch Kapor und dem ersten Sun-Programmierer John Gilmore die Electronic Frontier Foundation. Barlow sah den Cyberspace als einen neuen Raum, als einen Ort. Er träumte von ihm als neuen wilden Westen, als neuem Kontinent, als “electronic frontier”: “Imagine a place were trespassers leave no footprints, where goods can be stolen an infinite number of times and yet remain in the possession of their original owners, where businesses you never heard of can own the history of your personal affairs…” (Quelle EFF).
Barlow reagierte auf den CAD in einer Email auf seine Art: “Well, fuck them. Or, more to the point, let us now take our leave of them. They have declared war on Cyberspace. Let us show them how cunning, baffling, and powerful we can be in our own defense. (Quelle EFF). Es folgte seine berühmte Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace: “Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind…”
Tatsächlich war das Gesetz nach Einschätzung des amerikanischen Internet-Juristen Lawrence Lessing von Anfang an aus mindestens drei Gründen zum Scheitern verurteilt. 1. “indecency” ist keine Kategorie von Sprache, die der Kongress regulieren konnte. Es fehlte durch Verwendung dieses Begriffes die Grundlage zur gesetzlichen Regelung. 2. Das Gesetz war zu vage formuliert. 3. Die Regierung machte in der Verhandlung vor Gericht keinen Versuch, diese Mängel zu beheben. (Quelle: Lawrence Lessig, Code 2.0).
Es dauerte genau eine Woche bis eine einstweilige Verfügung des Gerichtes das Gesetz am 15.2. 1996 außer Kraft setzte. Am 12. Juni 1996 wurde das Gesetz bereits in der ersten Instanz in Philadelphia als verfassungswidrig befunden. Die amerikanische Regierung ging in Berufung und verlor auch den Rechtsstreit vor dem obersten Gerichtshof, heute vor 10 Jahren.
Doch auch heute lohnt es sich, noch einmal das Urteil genau zu studieren. Der damals 77-jährige Richter John Paul Stevens schrieb nämlich sehr viel mehr in das Urteil, als die bloße Entscheidung, dass der CDA verfassungswidrig sei. So finden sich folgende bemerkenswerte Sätze. Die verschiedenen Möglichkeiten des Webs aufzählend schließt er: “these tools constitute a unique medium—known to its users as “cyberspace”—located in no particular geographical location but available to anyone, anywhere in the world, with access to the Internet.” Und weiter: “No single organi zation controls any membership in the Web, nor is there any centralized point from which individual Web sites or services can be blocked from the Web.”
Für mich klingt es fast wie die Geschichte aus einem fernen Jahrhundert. Gut, es sind umgerechnet etwa 70 Internetjahre. Die beteiligten Personen leben noch, zum Teil hier um die Ecke. Sie prägen nicht mehr das Geschehen. Festzuhalten bleibt: zumindest für einen kurzen Moment, heute vor 10 Jahren, was das Internet höchstrichterlich der Cyberspace: ohne geographischen Raum, aber existierend, ohne zentrale Kontrolleinrichtung, ohne Chance für irgend jemanden, Inhalte zu blocken…
Lesetipps zur Story (und sehr viel mehr drum herum, in allen genannten Büchern nimmt diese Episode nur einge Seiten ein):
- Wissenschaftlich fundiert und wunderbar erzählt: Jack Goldsmith/Tim Wu: Who controls the Internet, Oxofrd 2006
- Juristisch, ausführlich, langwierig, aber präzise: Lawrence Lessing, Code 2.0, New York 2006 (im Internet unter http://codev2.cc/)
- Politikwissenschaftlich, supertrocken, aber die Entstehungsgeschichte im Kongress präzise darstellend: Gregor Walter, Globales Netz oder globale Politik? Politische Antworten auf Globalisierung am Beispiel des Internet, Baden-Baden 2005