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Silicommdada

Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley

Archive for Communications

Die Zukunft der Online-Werbung (oder so ähnlich)

Gestern ging es bei der Web Guild um die Zukunft der Online-Werbung. Also, sie ist smaragd-grün, schmeckt nach Erdbeere und Avocado, und wirkt je nach Reifegrad fade im Nachgeschmack, aber mit viel kalifornsichem Chardonnay geht es… Nein, es war aber selbstverständlich so, dass die im Veranstaltungstitel enthaltene Frage nicht beantwortet wurde. Dennoch war es sehr aufschlussreich, die aktuellen Themen und Probleme (im englischen ein Wort: issues) der Branche unter dem Brennglas präsentiert zu bekommen. Ihr werdet einiges von dem wieder finden, was mich hier schon beschäftigt hat und “latürnich” einige Binsenweisheiten, die man aber immer wieder gerne sieht (dazu sehr viele Anglizismen, sorry, aber ich weiß nicht, sie zu übersetzen):

  • Suchmaschinen gewinnen als die neue Portale des Webs immer mehr Einfluss, sie werden zum Gatekeeper für jede Form von Content. Dazu präsentierte Moderator Safa Rashtchy (hier der Link zu seinen recht netten Folien) noch einen interessanten Trend: User geben auf Suchmaschinen generische Begriffe ein und hoffen dann anscheinend auf Problemlösungshilfe durch die Suchmaschine. (Das widerspricht allerdings dem Trend, dass die Suchmaschinensuchanfragen immer mehr Wörter enthalten - ich kann es mir nur als Unterschied zwischen erfahrenen bzw. zielgerichteten Usern und unerfahrenen oder auf Unterhaltung ausgerichteten Suchanfragen vorstellen).
  • Safa Rashtchy sieht erst jetzt die Zeit des Internets als Massenmedium kommen. Er meint damit nicht die zunehmende Anzahl der User sondern die Tiefe der Nutzung: das Web zieht vom Schreibtisch ins Wohnzimmer, ja selbst in die Küche ein, es kommt mit dem Handy mit… Kurz: es ist immer dabei, egal wo wir sind und was wir machen. Angeblich surft ein rundes Drittel aller TV-Zuschauer hier in den Staaten parallel zum Glotzen immer oder oft im Internet.
  • Immer mehr User lehnen die traditionellen Formen der Internetwerbung ab!
  • Entwicklungen im Web 2.0 mit Usergenerated Content, Blogs, Flickr, Youtube & Co sowie Myspace & Verwandte nehmen Firmen immer mehr die Kontrolle über ihre Marke aus der Hand. Auf dem Podium machte das Schlagwort von der “Usergenerated Brand” die Runde.

Die Folge ist, dass dann unter anderem Suche und darauf abgestimmtes suchmaschinenrelevantes Marketing zum Branding Tool wird. Völlig unklar ist aber nach wie vor die Wechselbeziehung zwischen Offline-Werbung, Bannern und Textanzeigen. Es ist jedoch, darin waren sich die Werber auf dem Podium einig, eine Illusion, wenn man Online-Werbung völlige Kostentransparenz unterstellt. Man kann zwar leicht messen, wie viel der entscheidende Klick zur “Transäkschen” gekostet hat und wie viele Klicks für eine Transaktion nötig sind. Man weiß jedoch überhaupt nicht, wie viele Offline- und Online-Impressions nötig waren, um zu diesem entscheidenden Klick zu kommen.

Genauso wenig ist klar, wie hoch der Branding-Effekt von Textanzeigen ist. Klar ist dagegen, dass aus diesem (und keinem anderen) Grund schlagwortbasierte Textanzeigen immer stärker von Brandmanagern genutzt werden. Das führt wiederum dazu, dass sich viele kleinere Anbieter die (Nischen-) Schlagworte für Textanzeigen nicht mehr leisten können. Sie weichen daher auf Marketing-Alternativen aus: PR, Buzz- bzw. Wort of Mouth Marketing, Blogs etc. An dieser Stelle wurde es dann jedoch sehr still auf der Bühne. Es fielen noch ein paar Worte wie bessere Werbefilme (warum freut sicher jeder auf die Superbowl-Werbetrailer…), mehr Kreativität, aber dann war’s vorbei.

Dass es an einem anderen Punkt nicht völlig still war, letztlich aber viel zu wenig diskutiert wurde, war enttäuschend. Es geht um personaliserte und gezielte Werbung und Datenschutz. Als das Publikum bei Bennett Zuckers Satz “man soll seine Browser Cookies nicht löschen” nur gelacht hat, sagt beinahe schon alles. Irgendwo fiel dann noch mehrfach das Wort Transparenz, aber wann und wie wurde nicht mehr weiter geführt. Google-Experte Brian Schmidt redete an dieser Stelle nur noch vom User im Zentrum von Googles Aktivitäten… Von den Werbern hätte ich mir bei der Wichtigkeit des Themas dazu mehr erhofft. Denn wenn man genügend Transparenz herstellen könnte, finde ich gezielte und personaliserte Ads gut. Ich habe da die klare Meinung, dass ich gerne Werbung für Produkte sehen würde, die mich interessieren. Beispiel: Gerade steht der Laptop Kauf für meinen Sohn an. Da würde ich mich über die aktuellen Angebote im bzw. am Rande vom Browserfenster freuen. Aber nach dem Kauf bitte nicht mehr. Und ich möchte Kontrolle über meine eigenen Daten haben. Punkt!

Mein Fazit zur Zukunft der Online-Werbung? Ganz einfach: Banner, Videowerbung etc. wird es weiter geben - mit mehr oder weniger Kreativität, eher mehr als weniger “targeted”. Aber die Zukunft des Brand-Managements und auch eines großen Teils der Werbung gehört PR-Leuten, Reputation- und Issues-Managern mit solidem Internetknowhow sowie allen, die im Stakeholdermanagement zu Hause sind. Und das werden keine Dummbeutel sein, von denen es immer noch zu viele (immer feste druff!) gibt. Das konnte auf dem Podium aber keiner sagen. Dort saßen nämlich nur Werber und Anzeigenvermarkter…

PS für CW: Diesmal gab es eine Google Commuter Mug. Die wird nicht nur einen Ehrenplatz in meiner Google Offline-Gadgets Sammlung bekommen sondern auch benutzt werden ;-)

PPS für Alle: Ich wollte eigentlich noc einen Link auf einen sehr schönen Artikel zum targeted Marketing aus der gestrigen New York Times einbauen. Habe ich vergessen, hier ist er.

Fundsache II: Umbennenung im Jahre 2001

Habe noch mehr aufgeräumt und bin über eine alte Pressemeldung in meinem Fundus absurder Veröffentlichungen gestoßen. Erinnert sich noch jemand an die Zeit als seitenweise Anzeigen geschaltet wurden, die mitteilten “X heißt Y” (Hintergedanke war sicher häufig: Wir machen Euch jetzt mal ein X für ein U vor…). Ein besonders schönes Exemplar hat die Financial Times Deutschland damals fabriziert: “Positio.Net heißt jetzt Stellenanzeigen”. *lach* Bevor sie ins Altpapier wandert, möchte ich sie Euch nicht vorenthalten

Die ist auch heute noch gut…

Digg und die Folgen: User-generated Strategy!

Heute beim Frühstück mit Startup-Chefs fällt mir auf, dass die Geschichte mit Digg doch den einen oder anderen Web 2.0 - Entrepreneur ganz schön durchschüttelt. Sooo war das dann doch nicht gedacht mit dem user generated content. Die Nutzer sollen zwar das Futter liefern, aber doch nicht mitbestimmen, wie der Hase dann läuft.

Mein wesentlicher Eindruck ist, dass man da noch gar nicht drüber nachgedacht hat. Typisch für hiesige Verhältnisse und sicherlich die Kehrseite des extrem fokussierten Arbeitens hier im Valley: alles was nicht unmittelbar für heute und morgen relevant ist, bleibt ausgeblendet. Dass sich Startups deshalb über Untiefen und Gefahren ihres Geschäfts nicht klar sind, ist mir auch vor rund zwei Wochen beim Web-Monday aufgefallen. Von den dort versammelten rund 40-50 Entrepreneuren und Internetexperten wußte nicht einer, wer die technischen Standards macht, die die Basis ihres Geschäft sind. Einen ähnlichen Eindruck habe ich vor einigen Wochen im Gespräch mit einem führenden Facebook Mitarbeiter mitnehmen können. Die haben ja auch schon ihre Erfahrungen mit einem User-Aufstand. Auf meine Frage, was sich bei Facebook seitdem verändert hat, bekam ich nur die Antwort, jetzt sei doch alles wieder in Ordnung. Na dann…

Startups zur Sonne!

Wie verdient Sun eigentlich Geld? Ich weiß es immer noch nicht. Die machen Java - hab ich auch auf’m Rechner, geben ihr System Solaris einfach so her, verkaufen Workstations und Server…Und sind irgendwo in der Mitte der Fortune 500, eine der größten und populärsten Firmen des Valleys, auf der Top 20 der beliebtesten Arbeitgeber.

Und jetzt hat Sun Startups entdeckt. O.K. andere haben das schon vor langer Zeit gemacht, und wie gesagt, genau weiß ich immer noch nicht, was die mir verkaufen wollen. Aber egal, gestern hat Sun gepunktet! Das Mashup-Event, das erste seiner Art, extra für Startups und - nur damit ihr das wisst, so haben die das genannt, nicht ich - es brachte Micheal Arrington und Tim Bray auf die Bühne. Michael ist mit seinem Techcrunch wohl der einflußreichste Blogger im Valley, der mit wenigen Zeilen ein Startup hoch und auch in den Keller schreiben kann. Tim ist ein Internet Veteran, hat an der Erfindung von xml mitgearbeitet, schreibt einen wunderbaren Blog, hat schon eine ganze Menge skeptisches zu Web 2.0 gesagt und ist auch sonst ein netter Zeitgenosse, wie ich beim kurzen Plausch mit ihm feststellen konnte.

Da saßen sie dann nun, der Mike und der Tim. Mike mit soo tiefen Ringen unter den Augen, dass ich sofort vor Augen hatte, wie er seine Nächte vor dem Rechner verbringt… Das Mundwerk groß genug, aber die richtige Portion Selbstironie (”Meine Mutter muss ihren Freundinnen sagen, dass ihr Sohn ein Blogger ist…”), die es dann rettet. Tim, mit wirklich klugen Sätzen und einem sehr angenehmen Stil. Das war nett anzuhören und unterhaltsam, hat aber inhaltlich nichts Neues gebracht.

Den Punkt, den hat Sun gestern auch ganz anders eingefahren: Denn zum Beginn der Veranstaltung stand plötzlich Jonathan Schwartz, der CEO von Sun (der mit dem Zopf und der Müsli-Brille) vor uns rund 100 Startupern. Wir durften einfach fragen, was wir wollten. Und er hat einfach ein wenig erzählt, wieso sich Sun für Startups interessiert, und so. Wie gesagt, das habe ich immer noch nicht ganz verstanden - aber dass die das Ernst meinen, haben sie uns ganz einfach klar gemacht. Wirkt garantiert, die Nebenwirkung bei mir und meinen Nachbarn war klar: Punkt für Sun! Geht ganz einfach: Einfach mal den Chef vorbei schicken.