Silicommdada
Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley
Archive for Valley Multis
February 23, 2008 at 5:42 pm · Filed under Valley Multis, Cyberpolitics
Die zweite Meldung betrifft die geplante Übernahme von Microsoft durch Yahoo. Und in China - ja, China - macht man sich offensichtlich Gedanken darüber, berichtet das Wall Street Journal (beim WSJ kommen leider nie Links, weil man ja ohne bezahltes Abo nicht auf die Seite kommt) am vergangenen Samstag. Die Meldung wurde dann auch von Spiegel online übernommen - allerdings ohne Quellennennung des Original Artikels im WSJ und auf flachem Niveau.
Es geht darum, dass man sich in China offensichtlich Gedanken darüber macht, was es bedeutet, wenn der 39 Prozent Anteil, den Yahoo an Chinas größtem Internet Haus Alibaba (kombiniert ISP, WebSpace und Suchmaschine) hält, an Microsoft geht. Der Spiegel macht seine Meldung damit auf, dass es China nach normalem Ermessen nicht zustünde, darüber nachzudenken. Ich überlege mal einfach so, was hier in den USA los wäre, wenn eine chinesische Firma solche Pläne hätte (in anderen Industrien durften chinesische Firmen zumindest keine Mehrheiten an amerikanischen Firmen erwerben; ich versuche mir außerdem mal vorzustellen, eine chinesische Firma würde einen größeren Anteil an Vivendi kaufen).
Nun ja, egal wie man es sieht, es weist auf zwei elementare Tatsachen hin. Erstens spielt China eine immer größere Rolle im Internetgeschäft und zweitens, in China wird das Internet offensichtlich als strategisches Komponente für eine führende globale Rolle betrachtet. Beispiele sind nicht zuletzt die “große chinesiche Firewall” und der Bereich Cyber-War und nationale Sicherheit. Zu beiden Bereichen demnächst mehr, aber hier vorerst nur so viel: kein Wunder, dass man es dann sehr ernst nimmt, wer mehr als ein Drittel des wichtigsten Internet-Unternehmens des Landes hält.
February 2, 2008 at 11:44 pm · Filed under Valley Multis, Suchmaschinen, Werbung, Internet Wegmarken
Puhh. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende über ganz andere Sachen schreiben - und ansonsten morgen in Ruhe Superbowl gucken. Aber das kann man nicht ignorieren und dieser Deal verlangt die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Also habe ich heute richtig viel Zeitungen gelesen, Kommentare geguckt und ein wenig rumrecherchiert. Insgesamt haben die Medien - sowohl die hiesigen als auch die deutschen - ganz gut geschrieben. Unterm Strich fand ich die Berichterstattung in der NY Times am interessantesten. Mein liebes Wall Street Journal bot auch sehr viel (wie immer online leider hinter verschlossenen Türen). Wer ein wenig mehr Lokalkolorit haben möchte, dem empfehle ich die Online-Version des San Francisco Chronicle.
Das meiste ist also für den Moment gesagt und geschrieben. Ich meine auch, dass Microsoft die Übernahme dringend braucht, um nicht abgehängt zu werden. Und ich vermute, sie wird auch gelingen, auch wenn die Regulierer genau hinschauen werden. Aber das werden sie vor allem hinterher machen und hinterher wird es sicher interessant sein zu schauen, wie da zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammenwachsen sollen, die kaum etwas gemein haben.
Aber ein paar Punkte kommen mir zu kurz. Die NY Times berührt einen der Punkte, der mir ansonsten bislang völlig fehlt. In zu vielen Medien klingt es nämlich so, als würde hier der Show Down eingeläutet. Klar, das ist eine schöne Story. Aber tatsächlich gehen wir gerade erst in die zweite Runde eines Wettbewerbs, der sicher weit mehr als 15 Runden haben wird und in dem viele seiner Teilnehmer noch gar nicht zu sehen sind. Im Internet stehen wir - auch was die Werbung anbelangt - erst am Anfang!
Das im Hinterkopf sollten wir uns noch einmal anschauen, was hier passiert. Sicher, in der Suchmaschinenwelt möchte die Nummer drei die Nummer zwei übernehmen. Das kann man sich leisten, weil man in anderen Bereichen mit Abstand die Nummer eins ist. Aber das betrifft nur den Bereich Suchmaschinen. Es gelten dort die Größenverhältnisse, die wir überall lesen konnten: nach einer Fusion wird Microhoo nur knapp die Hälfte der Suchanfragen haben, die Google weltweit hat.
Schaut man sich aber die Anzahl aller Seiten-Besuche an, bietet sich bereits ein anderes Bild. Zwar ist es auch bei den Unique Visitors die Fusion von #2 und #3. Aber hier werden sich, sollte die Übernahme gelingen, hinterher neue Verhältnisse bieten. Microsoft liegt bei den Besuchern nur knapp hinter Google, zusammen mit Yahoo wird es einen deutlichen rund 80-prozentigen Vorsprung geben. Noch eine Kennzahl, die hier wichtig ist: bei der auf der Seite verbrachten Zeit handelt es sich um eine Fusion von Nummer 1 und Nummer 2. Dort ist Google nur Dritter. Alle Berechnungen übrigens auf Basis der Zahlen, die Comscore bietet. Mein Argument, warum diese Zahlen relevant sind und künftig noch viel wichtiger sein werden: die Werbeformen, die jenseits von Such- und Schlagwörtern erfolgreich sind, entstehen gerade erst. Gegenwärtig überzeugt vielleicht Werbung noch nicht, die Social Network Profile nutzt oder die in ersten Versuchen auf der Basis des Userverhaltens angeboten wird. Sie ist außerdem im Hinblick auf den Schutz der Privatsphäre sehr bedenklich. Aber wir werden immer mehr Formen dieser Werbung sehen und die braucht keine Suchmaschinen. Alles was sie brauchen sind viele und regelmäßige Besucher. Und dort wird Microhoo nach der Übernahme die Nummer eins sein.
Offen ist für mich auch das Potential, das Yahoo alleine ohne Übernahme hätte. Klar ist, dass Yahoo gegenwärtig schwach wirkt. CEO Jerry Yang hat vergangene Woche angekündigt, dass es nicht vor 2009 einen Turnaround geben wird. Aber die Zahl interessanter Ansätze ist da. So etwa die Kooperation mit über 200 amerikanischen Tageszeitungen zur Vernetzung von Online- und Printanzeigen. Auch scheinen die Investitionen in Suchmaschinentechnik erst jetzt langsam Kraft zu entfalten. Und die Renovierung der Homepage hat im vergangenen Jahr definitiv Fortschritte gemacht.
Bei anderen Erfolgsprodukten, die Yahoo im Köcher hat bzw. zugekauft hat, sehe ich dagegen erst im Duett mit Microsoft richtig neue Chancen. Würde mich nicht wundern, wenn wir etwa nach einer Übernahme bald Flickr im Windows Desktop integriert sehen. Und wer will sich dann noch Picasa zusätzlich runterladen… Runde 2 im großen Internetwettbewerb wird also langsam spannend. Aber das ganze Bild sieht nur, wer sich klar macht, dass es “nur” Runde 2 in einer offenen Anzahl von Runden ist und dass das Thema Suchmaschine nur ein Aspekt der Geschichte ist.
January 30, 2008 at 8:35 pm · Filed under Valley Multis, Mobile, Wirtschaft
Die gestrigen Zahlen von Yahoo waren nicht sehr berauschend. Und tatsächlich hat Yahoo-Gründer und CEO Jerry Yang auch angekündigt, 1000 Arbeitsplätze abzubauen. Aber, so könnte man sich beruhigen, das ist ja Yahoo. Bei denen läuft es schon länger nicht so rund und der Turnaround ist immer noch nicht in Sicht, so dass der eine oder andere sogar schon droht, die Geduld zu verlieren.
Um so spannender wird es morgen, wenn Google seine Quartalszahlen präsentiert. Gerüchteweise hat es auch im Googleplex erstmals nicht die Wachstumszahlen gegeben, die man erwartet hat. Die Steigerungsraten bei den Online-Werbeausgaben bzw. Einnahmen auf Seiten von Google sollen leicht rückläufig sein. Das mag einmal ein Indikator für die ja rundum zur Zeit nicht ganz so stabile US-Wirtschaft sein. Aber es wird auch ein Signal dafür sein, ob bzw. wie immun das Valley gegen die Wirtschaftskrise ist.
Bislang hat man hier den Eindruck, dass es überall in den USA ökonomisch kriselt, nur im Silicon Valley nicht. Hier sind nicht einmal die Immobilienpreise spürbar gesunken, auch wenn die Zahl der Transaktionen in diesem Sektor immerhin stagnieren und zum Teil zurückgehen. Um so mehr könnte es ein Signal sein, wenn sich Google morgen räuspern würde. Dann könnten einige andere schnell ins röcheln geraten. Und weil ich schon mal bei prognostizieren und spekulieren bin: 5 Tage vor dem Super Tuesday, an dem auch hier in Kalifornien die Präsidentschaftskandidaten gewählt werden, könnte das auch das eine oder andere bewirken. Etwa nach dem Motto, mehr Sicherheit als Change?
Also schauen wir einmal gespannt darauf, was uns die Such-Helden aus Mountain View morgen bescheren werden. In den vergangenen Monaten hat die Aktie konstant nachgegeben, heute hat sie im Nasdaq etwa ein halbes Prozent verloren, im nachbörslichen Handel dann noch einmal eineinhalb Prozent. Das Gerücht, Google sei eine Partnerschaft mit Dell eingegangen, um das erste Handy mit dem Google System Android herauszubringen, kam zu spät, um heute noch etwas zu bewirken. Es könnte aber vielleicht morgen allzu schlechte Nachrichten herausreissen. Let’s see!
September 25, 2007 at 4:27 pm · Filed under Valley Basics, Valley Multis, Web 2.0, Internet Wegmarken
Na also - kaum ist der meteorologische Sommer vorbei, nimmt der Wunderzug der Übernahmen und sonstigen Finanz- und Businessmagie durchs Valley Fahrt auf. Seit gestern berichtet das Wall Street Journal darüber, dass Microsoft bereits seit einigen Monaten mit Hilfe der global arbeitenden PR & PA Firma Burson-Marsteller daran arbeitet, die Übernahme von DoubleClick durch Google doch noch durch die Kartellbehörden in den USA oder in Europa zu verhindern.
Heute legt das Journal mit der Geschichte nach, dass Microsoft an einer Beteiligung an Facebook arbeitet. Sollten die Zahlen stimmen, würde das den (noch kaum materialisierbaren) Wert von Facebook bis an die 10 Milliarden US Dollar hochtreiben. Also ich würde sagen, damit geht Redmont mit 1,5 (halber Punkt Abzug wg. dem hohen Preis) zu 1,49 (Facebook, halber Gummipunkt für den hohen Preis) zu 0 (Google, MySpace) in Führung. Aber keine Sorge. Wir sind noch in der ersten Halbzeit, und auch die ist noch lang. Am Wochenende habe ich zum Beispiel eine kurze Meldung gelesen, in der es heißt, dass Google erneut mit Netzbetreibern redet. Ich würde sagen, hier versucht Google weiter das Terrain zu sondieren, ob man die Netzneutralität gegenüber AT & T und Konsorten erhalten kann, indem man einfach selber zum Netzbetreiber wird…
September 17, 2007 at 9:53 pm · Filed under Entrepreneure, Valley Multis, Events, Internet Wegmarken
Wenn der japanische Teil eines Internet-Unternehmens, das seine Wurzeln im Valley hat, ein globales Event durchführt, dann kommen die in Kanada stationierten Programmierer nach Stanford, in Japan machen die Konferenzteilnehmer die ganze Nacht durch und werden, zusammen mit Thailand wenn es in Kalifornien dunkel wird, zu einer globalen Videokonferenz zusammen geschaltet. Einer der Gründerväter des Webs, Vint Cerf, sitzt dann zwar physisch nur wenige Meilen vom Veranstaltungsort in Stanford entfernt, taucht aber dennoch nur per Videoschaltung auf. Ach so, und Europa ist bei der Video-Konferenz am Schluss nicht dabei, weil…, ja das wußte auch niemand so richtig. Wahrscheinlich, so meint einer der Organisatoren schulterzuckend, weil die in Paris schon schlafen. Ein Schelm, wer sich dazu was denkt?

An diesem Wochenende war Mozilla 24. Ein Event rund um den Globaus gespannt, mit wissenschaftlichen Vorträgen, Konferenzen, einem Rock-Konzert in Tokyo, einem Kinderinternetgipfel und jeder Menge Diskussion in der Mozilla Community. Inhaltlich war das ganze so dicht, dass ich hier keine Zusammenfassung anbieten werde. Aber über allem ist ein viel wichtiger Eindruck bei mir hängen geblieben: Mit Mozilla habe ich eine ganz andere Form von transnationalem Unternehmen gesehen, als das, was einem gemeinhin zu diesem begriff einfällt. Oder vielleicht habe ich sogar erstmals ein Unternehmen näher gesehen, das es wirklich verdient, transnational genannt zu werden.
Ein Unternehmen? Kein Projekt? (…wird vielleicht jemand denken, der sich das schon mal genauer angeschaut hat) Well, wo soll da der Unterschied sein? Mozilla wird in diesem Jahr wahrscheinlich die 15 – Prozent Marke beim weltweiten Browseranteil knacken. Das ganze ist vor einigen Jahren als Projekt aus den Ruinen des Netscape Browsers gestartet. Inzwischen hat es Erfolg, eine Struktur, die zwischen der Mozilla Foundation als Rechteinhaberin und der Mozilla Corporation, in der das operative Geschäft läuft, unterscheidet. Dazu kommt eine weltweite Community, mit Mozilla Europa, Mozilla Japan und zahlosen Programmierern und freiwilligen Marketern, die mit Gadgets, Widgets und Programmteilen helfen, einen hervorragenden Internetbrowser und inzwischen noch viel mehr zu entwickeln und zu verbreiten.
Es gibt Spitzenleute und Leute an der Spitze, eine Hierarchie aber, wie es sie in anderen Unternehmen gibt, gibt es aber nicht. Dazu ist das ganze (noch) zu offen, zu changeant, um sich in eine einfache, klare Form von Unternehmen pressen zu lassen. Und doch wird da gewirtschaftet, Geld gemacht, global gearbeitet und das mit viel Elan, Spaß und Energie. 24 Stunden am Tag rund um den Globus. International und transnational. Sehr beeindruckend und wert, einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden….
July 23, 2007 at 12:17 am · Filed under Valley Multis, Politik, Suchmaschinen, Mobile, Regulierung im Web, Internet Wegmarken
Vor ein paar Wochen habe ich hier einmal darüber nachgedacht, dass die für 2008 geplante Auktion von Frequenzen, die für einen landesweiten kabellosen Internetzugang geeignet sind, eigentlich Google interessieren müsste. Freitag kam es dann über den Ticker: Google interessiert sich für die Frequenzen, möchte aber die Bedingungen geändert haben, zu denen die Versteigerung stattfindet! Google Chef Eric Schmidt möchte erreichen, dass die Frequenzen an Subabnehmer weiter gegeben müssen, wenn sie durch den Gewinner der Auktion nicht genutzt werden. So soll wohl ausgeschlossen werden, dass jemand die Frequenzen kauft, um sie dann ganz einfach zu Lasten des Wettbewerbs still zu legen.
Ich denke, die Chancen für Google stehen nicht schlecht. Erstens haben die Informationscontroller aus Mountain View das nötige Kleingeld, um andere potentielle Käufer zu überbieten. Und was den Änderungswunsch anbelangt: da hat ja FCC Chef Kevin J. Martin (die Federal Communication Commission (FCC) ist die oberste Kommunikationsregulierungs-Behörde in den USA, die die Auktion durchführt) seinerzeit nur wenige hundert Meter von Googles Zentrale entfernt gesagt, dass es seiner Behörde darum gehe, den Wettbewerb zu forcieren.
Und um Wettbewerb und um die Net-Neutrality geht es bei dieser Geschichte. Stichwort Wettbewerb: Internetzugang gibt es auf vier Wegen. Zu Hause übers Telefonnetz, über das (TV-) Kabelnetz und per Funk übers Handy oder ein (privates, lokales oder kommunales) Wireless Lan (Zugang per Satellit lassen wir mal als kaum relevant weg). Zwischen Telefongesellschaften und Kabelnetzbetreibern herrscht hier ein recht harter Wettbewerb, von dem aber nur Neukunden etwas haben - spätestens nach einem Jahr steigen die Preise und die Qualität lässt durchweg zu wünschen übrig. Kaum zu glauben aber wahr: hier im Herzen des Silicon Valleys ist es nicht leicht, als Privatanwender eine wirklich schnelle DSL Verbindung zu bekommen.
Die Anbieter der amerikanischen Handynetze haben bislang wenig Enthusiasmus gezeigt, im kabellose Bereich aktiv zu werden. Der Zugang per Handy ist recht langsam und kostet vergleichsweise viel. Erst jetzt mit dem neuen Tarif für das iPhone kommen die Preise ein wenig in Bewegung. Aber das iPhone hilft ja wenig, wenn man mit dem Laptop online gehen will, ganz abgesehen davon, dass auch dieser Zugang langsam ist. An echten WiFi-Lösungen als Alternative zu den Verbindungen per Handy haben die Handynetzbetreiber keine großes Interesse. Es kostet und ist ja bloß eine Konkurrenz zu den Handynetzen, mit denen ganz gutes Gekld verdient wird. Ausnahmen bestätigen die Regel: T-Mobile bietet in fast jedem Starbucks einen kostenpflichtigen Zugang an, der aber recht teuer ist. Kurz: aus der Ecke wird kaum etwas in Sachen Wireless zu erwarten sein. Und noch eine Bemerkung dazu am Rande: Die Handyhersteller scheinen das mit zu tragen, so mein Eindruck, denn neben dem iPhone gibt es hier kaum Handys, die Wlan geeignet sind.
Wireless Netzwerke gibt es hier im Valley recht viele. Sitzt man in einem Cafe, findet man oft ein kostenloses Netzwerk. In Mountain View betreibt Google ein kostenloses stadtweites Netz, das allerdings je nach Standort nur eine schlechte Verbindung bietet. Zusammen mit dem Telefonanbieter Earth Link baut Google derzeit ein Wireless Netzwerk in San Francisco auf, das allerdings in seiner kostenlosen Variante wohl auch langsam sein wird. Kommt man allerdings aus den Stadtkernen raus, ist schnell Ende mit dem kostenlosen, kabellosen Zugang. Und dann wird es teuer - wenn es überhaupt einen Zugang gibt. Also wäre prinzipiell Raum für eine neue Kraft, die ein landesweites Wireless Netzwerk hier in den USA aufbaut.
Der zweite Punkt betrifft die Net-Neutrality. Da geht es - extrem verkürzt - darum, dass Internetzugangsanbieter alle oder ausgewählte Inhalte von bestimmten Anbietern bevorzugt und dafür aber kostenpflichtig bereit stellen. Der Rest geht durch, wenn es passt. Das ist Gift für Firmen wie Google oder auch eBay, die ihre Angebote kostenlos bzw. anzeigenfinanziert zur Verfügung stellen oder davon leben, dass ihre Inhalte ohne Verzögerung und in Echtzeit allen Nutzern zur Verfügung stehen. Kein Problem, sagen die Telefon- und Kabelbetreiber, so lange ihr zahlt. Strickte Netz-Neutralität fordern dagegen Google, eBay und Co., denen Gefahr für die Kalkulation oder die Geschäftsgrundlage droht. Diese Geschichte beschäftigt den amerikanischen Kongress und brodelt derzeit im Hintergrund.
Würde Google künftig selbst zumindest einen Teil der Internetzugänge anbieten (und dazu in der mobilsten Version!), hätten die Weltinformationsbeweger aus Mountain View ein mächtiges Pfand in der Hand, um Net-Neutrality durchzusetzen. Ganz abgesehen davon gäbe es einen netten Nebeneffekt für gut gezielte Werbung. Hätte Google nämlich über den kabellosen Zugang auch die Daten darüber in der Hand, wo genau sich ein Nutzer befindet, könnte Werbung noch viel genauer zugeschnitten präsentiert werden. Ganz nett auf der einen Seite, aber in Alptraum unter Datenschutzaspekten, so lange Google keine Transparenz über die Datenverwendung und keine Garantien gegen Missbrauch anbietet.
Es geht aber womöglich noch viel weiter, denn wir sind es ja gewohnt, dass alles, was von Google kommt, keine direkten Kosten verursacht. Sprich: kostenloser kabelloser (werbefinanzierter) Internetzugang für alle hier in den Staaten? Das lassen sich die Telefon- und Kabelnetzbetreiber sicher nicht bieten. Für Google ist es strategisch überlebensnotwendig, einen “neutralen” direkten Weg zu den Kunden zu haben. Für die Telefon- und Kabelnetzbetreiber ist es überlebenswichtig, Geld mit den Netzen zu verdienen, da sie es kaum schaffen würden, auf alternative Einnahmequellen wie Werbefinanzierung umzusteigen. Hier braut sich also einiges zusammen und es hat alle Zutaten für eine hübsche Regulierungsschlacht…
June 29, 2007 at 6:37 pm · Filed under Valley Multis, Events, Mobile
Freitag, kurz nach 18:00 Uhr, am Apple Store auf der University Avenue in Palo Alto:




June 25, 2007 at 1:31 am · Filed under Valley Multis, Web 2.0, Politik, Regulierung im Web
So putzig die tapsigen Schritte von YouTube auf deutschem, extra eingeseiften GEMA Parkett sind und so ungeschickt der Flickr-Start in Deutschland wirkt - die Auftritte der Google bzw. Yahoo Ableger auf deutschem Boden sind nur besonders sichtbare Anzeichen einer recht spannenden Entwicklung: Das Internet wird immer internationaler. Hä - jawoll, richtig gehört: internationaler. Denn so globalisiert das Medium ist, es hat in Punkto Internationalität noch einiges nachzuholen. Auch wenn immer noch die meisten Web-Innovationen und Trends aus den USA kommen, die große Mehrheit der Web-Nutzer ist schon lange nicht mehr amerikanisch. Nach einer Prognose der Investment-Banker von MorganStanley vom November 2006 wird der Anteil der amerikanischen Web-Nutzer in diesem Jahr auf 20 Prozent zurückgehen, nur noch rund 30 Prozent sprechen anderen Studien zufolge Englisch. Europa hat danach in diesem Jahr erstmals etwas mehr Nutzer als die USA, aber aus Asien kommen etwa so viele User wie aus USA und Europa zusammen. Das hat zwei weitere Entwicklungen zur Folge:
- Immer mehr spannende Unternehmen werden nicht mehr im Silicon Valley gegründet. Zum Teil sind das zwar schamlose Kopien von amerikanischen Vorbildern - prominentes Beispiel ist etwa StudiVZ als Facebook Kopie - zum Teil sind es aber hoch innovative Ansätze. Dass die dann hier ins Valley geholt werden, siehe Stumbleupon (ursprünglich in Canada gegründet und gerade für 73 Millionen an eBay verkauft) oder Jajah (ursprünglich aus Österreich und jetzt hier im Valley unter den Fittichen von Sequoia), beweist nur, wie gut die amerikanischen Kapitalgeber diese Ideen finden.
- Zweitens bedeutet es, dass amerikanische Internet-Unternehmen, die wachsen wollen, sich internationalisieren müssen. Die Internet-Dinos Amazon, eBay und Google haben es vorgemacht, jetzt folgen Web 2.0 Unternehmen. Die haben - in typisch amerikanischer Art - erst recht spät gemerkt, dass auch Asiaten und Europäer das Web nutzen (und sich sicher über die eine oder andere freche Kopie geärgert). Und was für Software, die lokal auf der Festplatte liegt schon lange gilt, nämlich eine Version in der Landessprache zu haben (MS Windows gibt es auch auf Isländisch, nachdem die isländische Regierung gedroht hatte, man werde komplett auf Apples Betriebsystem wechseln, wenn es keine lokalisierte Version geben werde!), wird in Kürze für immer mehr Web 2.0 Angebote gelten. Dann heißt es “Choose your language” oder man landet gleich in der Sprachversion des Browsers oder der Sprache der IP-Adressen-Nationalität, mit der man im Web unterwegs ist (Für non-geeks: IP Adresse ist sozusagen das Namens- und Absenderetikett, mit dem ihr surft. Man kann euch damit nicht nur immer identifizieren, wenn es drauf ankommt, man kann auch bei den meisten IPs ablesen, aus welchem Land sie stammen).
Das hat Folgen. Unternehmen müssen sich immer stärker mit lokalen Gesetzen und (Ab-) Sonderlichkeiten auseinandersetzen. Und das ist gar nicht so einfach, wie das aktuelle Beispiel Flickr zeigt. Ich denke außerdem, dass mit seinem ganzen “User-generated-Content” im Web 2.0 sicher noch mehr solche Fälle auftauchen werden. Muss etwa Nazi-Propaganda zensiert werden oder fällt selbst so etwas unter die Meinungs- und Redefreiheit. In den USA wäre es durch das erste Amendment der Verfassung (Redefreiheit) geschützt, in Deutschland oder Frankreich säße der Forenbetreiber vorm Kadi, wenn er es nicht schnell genug löscht. Was einem in Schweden passieren kann, wenn man seine Blog-Kommentare nicht schnell genug prüft, ist ein weiteres schönes Beispiel: hier zu sehen bei netzpolitik.org.
Das ganze hat aber auch kulturelle Bedeutung. Vor gut einem Jahrzehnt gab es noch die Befürchtung (oder Hoffnung), bald würden alle nur noch Englisch sprechen - die lingua franca des Webs. Der damalige französische Präsident Chirac warnte vor einer “großen Gefahr für die Menschheit”. Und heute? Heute geht es im Web zu wie beim Turmbau zu Babel. Schon 2002 betrug der Anteil der englischen Seiten im Web weniger als 50 Prozent (ich suche noch nach frischeren, vertrauenswürdigen Zahlen…).
“Internationaler” bedeutet jedoch vor allem, dass im Internet immer mehr Grenzen entstehen. Viele Länder, viele Regelungen und Gesetze. Regierungen und Behörden lernen immer besser mit der Technologie umzugehen. Und das muss dann nicht immer nur die Zensur sein, die es vor allem in China und in arabischen Ländern gibt. Wie Ernst das einige Firmen nehmen, zeigt nicht zuletzt die Drohung von Google, die heute in der Wirtschaftswoche nachzulesen ist. Man werde den deutschen Gmail Service schließen, wenn die Bundesregierung tatsächlich bei den Plänen für das Gesetz zur Überwachung des Telekommunikations- und Internetverkehrs bleibe. Ergo: ich halte es mit dem Untertitel des Buches “Who controls the Internet” der amerikanischen Forscher Jack Goldsmith und Tim Wu: “Illusions of a Borderless World”.
May 17, 2007 at 10:44 pm · Filed under Valley Basics, Communications, Valley Multis, Suchmaschinen, Werbung
Gestern ging es bei der Web Guild um die Zukunft der Online-Werbung. Also, sie ist smaragd-grün, schmeckt nach Erdbeere und Avocado, und wirkt je nach Reifegrad fade im Nachgeschmack, aber mit viel kalifornsichem Chardonnay geht es… Nein, es war aber selbstverständlich so, dass die im Veranstaltungstitel enthaltene Frage nicht beantwortet wurde. Dennoch war es sehr aufschlussreich, die aktuellen Themen und Probleme (im englischen ein Wort: issues) der Branche unter dem Brennglas präsentiert zu bekommen. Ihr werdet einiges von dem wieder finden, was mich hier schon beschäftigt hat und “latürnich” einige Binsenweisheiten, die man aber immer wieder gerne sieht (dazu sehr viele Anglizismen, sorry, aber ich weiß nicht, sie zu übersetzen):
- Suchmaschinen gewinnen als die neue Portale des Webs immer mehr Einfluss, sie werden zum Gatekeeper für jede Form von Content. Dazu präsentierte Moderator Safa Rashtchy (hier der Link zu seinen recht netten Folien) noch einen interessanten Trend: User geben auf Suchmaschinen generische Begriffe ein und hoffen dann anscheinend auf Problemlösungshilfe durch die Suchmaschine. (Das widerspricht allerdings dem Trend, dass die Suchmaschinensuchanfragen immer mehr Wörter enthalten - ich kann es mir nur als Unterschied zwischen erfahrenen bzw. zielgerichteten Usern und unerfahrenen oder auf Unterhaltung ausgerichteten Suchanfragen vorstellen).
- Safa Rashtchy sieht erst jetzt die Zeit des Internets als Massenmedium kommen. Er meint damit nicht die zunehmende Anzahl der User sondern die Tiefe der Nutzung: das Web zieht vom Schreibtisch ins Wohnzimmer, ja selbst in die Küche ein, es kommt mit dem Handy mit… Kurz: es ist immer dabei, egal wo wir sind und was wir machen. Angeblich surft ein rundes Drittel aller TV-Zuschauer hier in den Staaten parallel zum Glotzen immer oder oft im Internet.
- Immer mehr User lehnen die traditionellen Formen der Internetwerbung ab!
- Entwicklungen im Web 2.0 mit Usergenerated Content, Blogs, Flickr, Youtube & Co sowie Myspace & Verwandte nehmen Firmen immer mehr die Kontrolle über ihre Marke aus der Hand. Auf dem Podium machte das Schlagwort von der “Usergenerated Brand” die Runde.
Die Folge ist, dass dann unter anderem Suche und darauf abgestimmtes suchmaschinenrelevantes Marketing zum Branding Tool wird. Völlig unklar ist aber nach wie vor die Wechselbeziehung zwischen Offline-Werbung, Bannern und Textanzeigen. Es ist jedoch, darin waren sich die Werber auf dem Podium einig, eine Illusion, wenn man Online-Werbung völlige Kostentransparenz unterstellt. Man kann zwar leicht messen, wie viel der entscheidende Klick zur “Transäkschen” gekostet hat und wie viele Klicks für eine Transaktion nötig sind. Man weiß jedoch überhaupt nicht, wie viele Offline- und Online-Impressions nötig waren, um zu diesem entscheidenden Klick zu kommen.
Genauso wenig ist klar, wie hoch der Branding-Effekt von Textanzeigen ist. Klar ist dagegen, dass aus diesem (und keinem anderen) Grund schlagwortbasierte Textanzeigen immer stärker von Brandmanagern genutzt werden. Das führt wiederum dazu, dass sich viele kleinere Anbieter die (Nischen-) Schlagworte für Textanzeigen nicht mehr leisten können. Sie weichen daher auf Marketing-Alternativen aus: PR, Buzz- bzw. Wort of Mouth Marketing, Blogs etc. An dieser Stelle wurde es dann jedoch sehr still auf der Bühne. Es fielen noch ein paar Worte wie bessere Werbefilme (warum freut sicher jeder auf die Superbowl-Werbetrailer…), mehr Kreativität, aber dann war’s vorbei.
Dass es an einem anderen Punkt nicht völlig still war, letztlich aber viel zu wenig diskutiert wurde, war enttäuschend. Es geht um personaliserte und gezielte Werbung und Datenschutz. Als das Publikum bei Bennett Zuckers Satz “man soll seine Browser Cookies nicht löschen” nur gelacht hat, sagt beinahe schon alles. Irgendwo fiel dann noch mehrfach das Wort Transparenz, aber wann und wie wurde nicht mehr weiter geführt. Google-Experte Brian Schmidt redete an dieser Stelle nur noch vom User im Zentrum von Googles Aktivitäten… Von den Werbern hätte ich mir bei der Wichtigkeit des Themas dazu mehr erhofft. Denn wenn man genügend Transparenz herstellen könnte, finde ich gezielte und personaliserte Ads gut. Ich habe da die klare Meinung, dass ich gerne Werbung für Produkte sehen würde, die mich interessieren. Beispiel: Gerade steht der Laptop Kauf für meinen Sohn an. Da würde ich mich über die aktuellen Angebote im bzw. am Rande vom Browserfenster freuen. Aber nach dem Kauf bitte nicht mehr. Und ich möchte Kontrolle über meine eigenen Daten haben. Punkt!
Mein Fazit zur Zukunft der Online-Werbung? Ganz einfach: Banner, Videowerbung etc. wird es weiter geben - mit mehr oder weniger Kreativität, eher mehr als weniger “targeted”. Aber die Zukunft des Brand-Managements und auch eines großen Teils der Werbung gehört PR-Leuten, Reputation- und Issues-Managern mit solidem Internetknowhow sowie allen, die im Stakeholdermanagement zu Hause sind. Und das werden keine Dummbeutel sein, von denen es immer noch zu viele (immer feste druff!) gibt. Das konnte auf dem Podium aber keiner sagen. Dort saßen nämlich nur Werber und Anzeigenvermarkter…
PS für CW: Diesmal gab es eine Google Commuter Mug. Die wird nicht nur einen Ehrenplatz in meiner Google Offline-Gadgets Sammlung bekommen sondern auch benutzt werden
PPS für Alle: Ich wollte eigentlich noc einen Link auf einen sehr schönen Artikel zum targeted Marketing aus der gestrigen New York Times einbauen. Habe ich vergessen, hier ist er.
May 14, 2007 at 8:25 pm · Filed under Valley Multis, Politik, Regulierung im Web
Hier in den Staaten bereitet sich der eine oder andere auf eine neue große Auktion vor. Es geht um die 700 MHz Frequenzen, die derzeit Zug um Zug frei werden, weil sich die Glotze (TV) aus diesem Bereich zurück zieht. Die Federal Communications Commision bereitet nun die Auktion dieser Frequenzen für das kommende Jahr vor. Der spannende Teil der Geschichte ist, dass noch gar nicht ausgemacht ist, was demnächst auf diesem Frequenzband stattfindet. Derzeit bereiten sich etwa Startups für den kabellosen Internetzugang vor, neben denen sich die millionenschweren Kabelbetreiber in Position bringen. Dazu kommen noch ganz andere Anbieter, wie etwa ein Dienstleister namens Arcadian Networks, der gerade mit 90 Millionen Venture Capital versehen, Unternehmen mit einer besseren Breitband-Kommunikations-Infrastruktur im ländlichen Raum versehen will.
Nun war ich ja letzte Woche viel frühstücken (sorry, habe lange darauf gewartet, endlich selbstreferenziell zu werden), unter anderem auch auf einem Frühstück mit dem FCC Chair Kevin J. Martin im Churchill Club. Als das Gespräch auf die anstehende Auktion kam, hat der gute Mann dann eine sehr interessante Geschichte erzählt. Man sehe nämlich die Frage des Wettbewerbs im Zungangsgeschäft zum Internet durchaus kritisch. Dazu muss man wissen, dass hier derzeit ein extrem harter Wettbewerb zwischen Kabelanbietern und Telefongesellschaften um das Zugangsgeschäft läuft. Und das im Schatten einer penetranten Fusionitis in den einzelnen Sektoren, wie etwa das Beispiel at&t zeigt. Nun, die FCC - so Martin - sieht die kabellosen Zugänge als dritte Säule im diesem Wettbewerb. Ist also schon eine Vorentscheidung für den Zugang zur Auktion gefallen? Dürfen gar nicht alle mitmachen - oder zumindest nur mit Einschränkungen? Und was ist mit stillen Zugangsexperimentierern wie Google. Mein großer Nachbar um die Ecke hat diese Woche sein Go erhalten, zusammen mit Earthlink ganz San Francicso mit einem kostenlosen kabellosen Zugang zu versorgen.
Und das Sahnehäubchen: Anbieter von Internetdienstleistungen und Internetzugangsbetreiber streiten sich hier unter dem Stichwort Net-Neutrality unter anderem darum, ob es in Zukunft (kostenpflichtige!) Schnellbahnen für bestimmte Datentypen geben soll. Dieser Streit ist noch lange nicht ausgetragen und schwelt im amerikanischen Kongress in mehreren Ausschüssen vor sich hin.
Bin ich ein Schelm, wenn ich mir vorstelle, dass das die Kulisse ist, vor der etwa Google und Co derzeit in San Francisco nur üben, um im nächsten Jahr bei den Auktionen zuzuschlagen?
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