Silicommdada
Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley
Archive for Web 2.0
February 23, 2008 at 4:44 pm · Filed under Web 2.0, Internet Wegmarken, Zahlenwerke
Beim Aufräumen bin ich noch über zwei Meldungen gestoßen, die wir festhalten wollen. Nielsen Net Ratings hat zum ersten Mal Daten über die Online-Video Nutzung veröffentlicht, berichtet das Wall Street Journal am 14. Februar. Danach schauen etwa doppelt so viele Frauen auf den Web-Sites der TV Sender (obwohl es nicht dabei steht, vermute ich mal, dass nur die USA gemeint sind) online Videos. Auf User-generated Video Site wie etwa youtube sind dagegen etwa doppelt so viele Männer der Altersgruppe 18 - 34 unterwegs. Der Grund für letzteres sei, dass die Inhalte auf diesen Seiten - kurze, humor-geladene Filmchen - eher diese Nutzergruppe ansprechen würden (Kommentare verkneife ich mir hier einfach fast komplett - aber ich sage mal, es hat was mit der Art des dort präsentierten Humors zu tun, oder die Damen?).
Ansonsten bemerken die Netzforscher von Nielsen, dass online Videos gucken immer mehr zum Normalfall der Internetnutzung werde. 73 Prozent allerWeb-Surfer hätten im Dezember Videos geschaut.
January 21, 2008 at 10:13 pm · Filed under Valley Basics, Web 2.0, Zukunftsmusik
Schon einmal mit Nintendos Wii gespielt? Habt ihr in Minortity Report gesehen, wie Tom Cruise dort “in die Daten” greift und sie auf dem Bildschirm hin und her schiebt? Letzte Woche gab es beim Jahresausblick der WebGuild einiges zu diesem Thema zu hören. Und wenn man sich dann noch einmal die Wii und ihre Controller anschaut ist es eigentlich überraschend, dass es noch nicht mehr Geräte dieser Art gibt.
Der erste Schritt wird wohl die Beseitigung der TV-Fernbedienung sein. Wozu braucht man sie, wenn man mit den Spielcontrollern ein perfektes Gerät hat, um den (visuellen) Unterhaltungselektronikcenter im Wohnzimmer zu steuern: Ein Fingerschnippen setzt die Röhre in Gang, mit einer lässigenen Bewegung, so als wolle man eine Fliege verscheuchen, wird die Glotze abgestellt. Eine Bewegung als wolle man eine Buchseite umblättern erlaubt das zappen - wie lange wird es wohl dauern, bis niemand mehr bei dieser Bewegung an ein Buch denkt
Dahinter steckt die Idee, so Bill Scott, User Interface (UI) Chef Entwickler bei Netflix und Yahoo Veteran, dass die Spielkonsolen sowieso immer mehr Funktionen im Verbund mit dem Fernseher übernehmen werden. So ist bereits heute die Play Station ein Blue Ray Disk Spieler, die Konsolen können bereits bzw. werden in Kürze auch Leihfilme abspielen, die man aus dem Internet lädt. Dazu werden sie als Internetbrowser funktionieren… (Konkurrenz kommt vom Kabelanschluss, bei dem man hierzulande auch eine Settop-Box hat, das ist aber ein anderes Thema). Gesteuert wird alles über die kabellose Konsolenbedieung, die keinerlei Unterlage braucht wie heute noch die PC-Mäuse und deutlich weniger Knöpfe hat, als die Fernbedienung.
Im nächsten Schritt geht es dann an die Maus. Den ersten Schritt hat Logitech bereits gemacht - es gibt die Funkmaus, die ähnlich wie ein Wii Controller funktioniert. Sie ist nicht mehr an die Schreibtischplatte gebunden, sondern funktioniert auch in der Luft. Aber sie bietet bislang nur das, was auch die Maus kann. Auch Apple zeigt einiges auf dem Trackpad des neuen Laptops Macbook Air. So kann man etwa mit Daumen und Zeigefinger Bilder “aufziehen” und so vergrößern. Soll es aber nicht ein wenig mehr sein? Ein lässiges Wedeln mit den Hand, das den Befehl Start>Ausschalten ersetzt? Markieren von Wörtern oder ganzen Zeilen, in dem ich sie einfach mit dem Finger einkreise?
Keine Frage, da kommt in den nächsten Monaten einiges auf den Markt und die Maus wird es in einigen Jahren nur noch im Computermuseum geben.
September 25, 2007 at 4:27 pm · Filed under Valley Basics, Valley Multis, Web 2.0, Internet Wegmarken
Na also - kaum ist der meteorologische Sommer vorbei, nimmt der Wunderzug der Übernahmen und sonstigen Finanz- und Businessmagie durchs Valley Fahrt auf. Seit gestern berichtet das Wall Street Journal darüber, dass Microsoft bereits seit einigen Monaten mit Hilfe der global arbeitenden PR & PA Firma Burson-Marsteller daran arbeitet, die Übernahme von DoubleClick durch Google doch noch durch die Kartellbehörden in den USA oder in Europa zu verhindern.
Heute legt das Journal mit der Geschichte nach, dass Microsoft an einer Beteiligung an Facebook arbeitet. Sollten die Zahlen stimmen, würde das den (noch kaum materialisierbaren) Wert von Facebook bis an die 10 Milliarden US Dollar hochtreiben. Also ich würde sagen, damit geht Redmont mit 1,5 (halber Punkt Abzug wg. dem hohen Preis) zu 1,49 (Facebook, halber Gummipunkt für den hohen Preis) zu 0 (Google, MySpace) in Führung. Aber keine Sorge. Wir sind noch in der ersten Halbzeit, und auch die ist noch lang. Am Wochenende habe ich zum Beispiel eine kurze Meldung gelesen, in der es heißt, dass Google erneut mit Netzbetreibern redet. Ich würde sagen, hier versucht Google weiter das Terrain zu sondieren, ob man die Netzneutralität gegenüber AT & T und Konsorten erhalten kann, indem man einfach selber zum Netzbetreiber wird…
September 14, 2007 at 9:35 am · Filed under Web 2.0, Politik, Events, Internet Wegmarken
Mozilla 24 ist ein globales Event am kommenden Wochenende zur sozialen, technischen und kulturellen Zukunft des Internets. Mit Veranstaltungen in Paris, Bangkok, Tokyo und Stanford - und einem Livestream ins Web. Mehr unter http://www.mozilla24.com und selbstmurmelnd eine Nachlese mit Schwerpunkt Stanford irgendwann nächste Woche hier bei Silicommdada.
July 12, 2007 at 2:21 pm · Filed under Valley Basics, Web 2.0, Regulierung im Web, Internet Wegmarken
Früher war ja alles ganz anders. Kam einer daher und wollte mir einen erzählen, habe ich mich umgehört und mir ein Bild von der Person gemacht. Vielleicht hatten wir gemeinsame Freunde, oder es gab sonst etwas, das die Vertrauenswürdigkeit erhöhte. Genauso lief das bei der Suche nach Handwerkern, guten Restaurants etc.
Nun kann man sich im Web 2.0 ja auch jede Menge Rat und Services holen. Das beginnt mit Amazon und eBay, geht weiter auf Web-Seiten wie qype oder yelp, die ihre Mitglieder am Ruf von Dienstleistern arbeiten lassen, in dem sie ihre User Bewertungen schreiben lassen. Für Produkte gibt es das schon ein Weilchen länger, etwa bei ciao. Wie soll man nun den Tipps dort vertrauen? Was soll ich von jemandem halten, der einen Tipp gibt, von dem ich aber noch nie gehört habe und der am anderen Ende der Welt sitzt? Wenn er wirklich dort sitzt und es ihn wirklich gibt… Und, dass er nicht vielleicht ein ganz anderes Interesse hat. Heute ein schönes Beispiel dazu: der CEO von Whole Foods, einer Bio-Supermarktkette, hat wohl seit vielen Jahren unter Pseudonym online geschrieben, seine Firma gelobt und und auch schon mal über einen Übernahmekandidaten gelästert.
Eine Lösung ist, dass man die möglichen Verbindungen aufzeigt, also schauen, ob es sich etwa um den Freund eines Freundes halndelt. Das geht so xing, linked in und auch im Projekt, an dem ich mitarbeite – bei miaplaza.
Ein anderer Ansatz ist das Rating. Ihr kennt es von den Amazon Händlern und von eBay: Dort können Kunden nach dem Abschluss die Person bewerten, von der sie etwas gekauft haben. Professionelle Ratingagenturen für das Geschäftsleben gibt es ja schon seit Jahrzehnten. Ich meine die Institutionen, die die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder auch ganzen Staaten bewerten. Das das sind ganz schön mächtige Organisationen, die Einfluss auf das Wohl und Wehe ganzer Nationen haben. Eine andere Version ist die Schufa in Deutschland, die die Kreditwürdigkeit von Firmen und Personen bewertet.
Und so ist es kein Wunder, dass jetzt auch Unternehmen entstehen, die die (Online-) Reputation einzelner Menschen im Visier haben. Es geht um Web-Sites, die Usern anbieten, andere User zu bewerten.
Schon seit einiger Zeit macht das rapleaf.com. Bei denen ging es zunächst nur um die Email Reputation. Die Idee lautete, dass jemand mit hoher Reputation eigentlich nicht in Spamfiltern hängen bleiben sollte – wenn denn genug mitmachen und auch die Relevanz dieser Reputation von Spamfiltern anerkannt wird. Inzwischen geht Rapleaf weiter und möchte ganz allgemein die „Online Reputation“ bewerten.
Gleich in die Vollen geht Venyo.org. Dort soll es um die ganze Reputation eines Individuums im Web gehen. Im Gespräch hat mir Mitgründer Fabrice Cornet neulich beim Web Montag erzählt, dass Venyo als neutrale Organisation zum Partner großer Webhäuser werden möchte. 14.7.07: Der Kommentar von Stephan (siehe unten) animiert mich zu folgender Ergänzung: Dazu planen die Gründer von Venyo zu einer Art offenen Standard zu werden. Sprich jede Web-Site kann das Venyo Reputationssystem für ihre Nutzer verwenden. Aber angezeigt wird die Reputation, die der User auf allen Seiten erwroben hat, auf denen er unterwegs ist und die das Venyo Syetm nutzt. Neutralität ist bei Venyo quasi per Herkunft eingebaut, das Unternehmen hat seinen Sitz in der Schweiz. Und das .org in der Domain soll unterstreichen, dass es hier um eine neue Internet-Institution gehen soll. Allerdings residieren die Gründer seit kurzem hier im Valley, weil halt hier die Musik spielt.
Hinter Venyos Technologie, so Cornet, steht eine Universität in der Schweiz. Dort seien die Algorhythmen entwickelt worden und dort werde auch der künftige Datenschatz gehortet. Sicher und vertraulich, so wie in einer Schweizer Bank. Auf meine ganzen kritischen Nachfragen, wie das denn genau funktioniere (Sicherheit, Betrug, Schutz vor übler Nachrede, Verfahren zur Bewertung, ethische Fragen), hatte Cornet überwiegend gute Antworten, allerdings konnte er mir (noch?!) nicht alles zeigen, was er mir erzählte.
Sicher, so eine Organisation scheint für einiges ganz nützlich. Man könnte sehen, wie vertrauenswürdig ein Blogger bewertet wird, man könnte auch schon vor dem ersten Verkauf auf eBay vertrauenswürdig sein… Aber sollte das ganze System einmal etabliert sein, gibt es kein Entrinnen mehr. Keine Online-Reputation, kein Deal, nirgendwo. Da ist die Schufa ein Klacks gegen. Es hängt also alles an der Reputation und der (technologischen) Vertrauenswürdigkeit der Organisationen selbst, die das machen. Und da, so mein Eindruck, hapert es noch sowohl bei Rapleaf als auch bei Venyo. Ich meine, dass die Vertrauenswürdigkeit nur durch Transparenz gewinnen können. Und die gibt es bislang nicht. Wieso kann man zum Beispiel nicht sehen, nach welchem Verfahren bewertet wird? Warum steht bei Venyo nichts über den Hintergrund des Verfahrens und den akademischen Partner. Konkurrenzgründe mag ich nicht gelten lassen: Wenn die Algorhythmen wirklich so einmalig sind, wie behauptet, was soll denn dann passieren, wenn wir wissen, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen? Außerdem: Wer kontrolliert eigentlich die Bewerter und wer gibt ihnen überhaupt das Recht, zu richten. Und daran knüpft sich die nächste Frage an: muss das wirklich durch eine neue, private Organisation gemacht werden oder können wir andere vorhandene Strukturen nutzen. Nicht, dass ich nach dem Staat rufen will. Bis Staaten so etwas gelingen würde, kommunizieren wir schon wieder mit Trommeln und Rauchzeichen, weil der Strom alle ist. Nein, aber es gibt ja bereits einige globale und neutrale Organisationen, die dem Web gute Dienste leisten.
Da die Reputation der Internetnutzer sowohl bei Rapleaf als auch bei Venyo durch andere User entsteht, sind einige Punkte klar: Relevant wird es erst, wenn massenweise Leute dabei sind. Aber so ein kleiner Rufmord wird sicher auch schon jetzt möglich sein. Das aber sei, so Fabrice Cornet, bei Venyo ausgeschlossen. Man habe genug Sicherheiten eingebaut, um das zu verhindern. Leider kann man da bislang nur hoffen, dass das stimmt. Dass sich einer dieser Anbieter etablieren wird, ist für mich ausgemacht. Aber dass sich die Leute massenweise zu etwas aufmachen und hinterher verwundert die Augen reiben, das soll ja schon mal vorgekommen sein.
June 25, 2007 at 1:31 am · Filed under Valley Multis, Web 2.0, Politik, Regulierung im Web
So putzig die tapsigen Schritte von YouTube auf deutschem, extra eingeseiften GEMA Parkett sind und so ungeschickt der Flickr-Start in Deutschland wirkt - die Auftritte der Google bzw. Yahoo Ableger auf deutschem Boden sind nur besonders sichtbare Anzeichen einer recht spannenden Entwicklung: Das Internet wird immer internationaler. Hä - jawoll, richtig gehört: internationaler. Denn so globalisiert das Medium ist, es hat in Punkto Internationalität noch einiges nachzuholen. Auch wenn immer noch die meisten Web-Innovationen und Trends aus den USA kommen, die große Mehrheit der Web-Nutzer ist schon lange nicht mehr amerikanisch. Nach einer Prognose der Investment-Banker von MorganStanley vom November 2006 wird der Anteil der amerikanischen Web-Nutzer in diesem Jahr auf 20 Prozent zurückgehen, nur noch rund 30 Prozent sprechen anderen Studien zufolge Englisch. Europa hat danach in diesem Jahr erstmals etwas mehr Nutzer als die USA, aber aus Asien kommen etwa so viele User wie aus USA und Europa zusammen. Das hat zwei weitere Entwicklungen zur Folge:
- Immer mehr spannende Unternehmen werden nicht mehr im Silicon Valley gegründet. Zum Teil sind das zwar schamlose Kopien von amerikanischen Vorbildern - prominentes Beispiel ist etwa StudiVZ als Facebook Kopie - zum Teil sind es aber hoch innovative Ansätze. Dass die dann hier ins Valley geholt werden, siehe Stumbleupon (ursprünglich in Canada gegründet und gerade für 73 Millionen an eBay verkauft) oder Jajah (ursprünglich aus Österreich und jetzt hier im Valley unter den Fittichen von Sequoia), beweist nur, wie gut die amerikanischen Kapitalgeber diese Ideen finden.
- Zweitens bedeutet es, dass amerikanische Internet-Unternehmen, die wachsen wollen, sich internationalisieren müssen. Die Internet-Dinos Amazon, eBay und Google haben es vorgemacht, jetzt folgen Web 2.0 Unternehmen. Die haben - in typisch amerikanischer Art - erst recht spät gemerkt, dass auch Asiaten und Europäer das Web nutzen (und sich sicher über die eine oder andere freche Kopie geärgert). Und was für Software, die lokal auf der Festplatte liegt schon lange gilt, nämlich eine Version in der Landessprache zu haben (MS Windows gibt es auch auf Isländisch, nachdem die isländische Regierung gedroht hatte, man werde komplett auf Apples Betriebsystem wechseln, wenn es keine lokalisierte Version geben werde!), wird in Kürze für immer mehr Web 2.0 Angebote gelten. Dann heißt es “Choose your language” oder man landet gleich in der Sprachversion des Browsers oder der Sprache der IP-Adressen-Nationalität, mit der man im Web unterwegs ist (Für non-geeks: IP Adresse ist sozusagen das Namens- und Absenderetikett, mit dem ihr surft. Man kann euch damit nicht nur immer identifizieren, wenn es drauf ankommt, man kann auch bei den meisten IPs ablesen, aus welchem Land sie stammen).
Das hat Folgen. Unternehmen müssen sich immer stärker mit lokalen Gesetzen und (Ab-) Sonderlichkeiten auseinandersetzen. Und das ist gar nicht so einfach, wie das aktuelle Beispiel Flickr zeigt. Ich denke außerdem, dass mit seinem ganzen “User-generated-Content” im Web 2.0 sicher noch mehr solche Fälle auftauchen werden. Muss etwa Nazi-Propaganda zensiert werden oder fällt selbst so etwas unter die Meinungs- und Redefreiheit. In den USA wäre es durch das erste Amendment der Verfassung (Redefreiheit) geschützt, in Deutschland oder Frankreich säße der Forenbetreiber vorm Kadi, wenn er es nicht schnell genug löscht. Was einem in Schweden passieren kann, wenn man seine Blog-Kommentare nicht schnell genug prüft, ist ein weiteres schönes Beispiel: hier zu sehen bei netzpolitik.org.
Das ganze hat aber auch kulturelle Bedeutung. Vor gut einem Jahrzehnt gab es noch die Befürchtung (oder Hoffnung), bald würden alle nur noch Englisch sprechen - die lingua franca des Webs. Der damalige französische Präsident Chirac warnte vor einer “großen Gefahr für die Menschheit”. Und heute? Heute geht es im Web zu wie beim Turmbau zu Babel. Schon 2002 betrug der Anteil der englischen Seiten im Web weniger als 50 Prozent (ich suche noch nach frischeren, vertrauenswürdigen Zahlen…).
“Internationaler” bedeutet jedoch vor allem, dass im Internet immer mehr Grenzen entstehen. Viele Länder, viele Regelungen und Gesetze. Regierungen und Behörden lernen immer besser mit der Technologie umzugehen. Und das muss dann nicht immer nur die Zensur sein, die es vor allem in China und in arabischen Ländern gibt. Wie Ernst das einige Firmen nehmen, zeigt nicht zuletzt die Drohung von Google, die heute in der Wirtschaftswoche nachzulesen ist. Man werde den deutschen Gmail Service schließen, wenn die Bundesregierung tatsächlich bei den Plänen für das Gesetz zur Überwachung des Telekommunikations- und Internetverkehrs bleibe. Ergo: ich halte es mit dem Untertitel des Buches “Who controls the Internet” der amerikanischen Forscher Jack Goldsmith und Tim Wu: “Illusions of a Borderless World”.
June 13, 2007 at 12:56 am · Filed under Web 2.0, Werbung
Es ist eigentlich eine ganz nette Sache, die mir jetzt schon mehrfach in den vergangenen Wochen untergekommen ist: Eine Reihe der hiesigen Social Networking Plattformen sind zwar recht erfolgreich, aber nicht hier! So erfreut sich zum Beispiel Friendster wieder erhöhtem Zulauf, aber vor allem in den Philippinen. Und Orkut, die Gruppen-Community-Abteilung von Google (ich habe gerade mal nachgeschaut, die begrüßen mich plötzlich in Deutsch - was haben die vor ???!!!) hat die meisten Mitglieder in Brasilien. Das finde ich eigentlich ganz nett, wenn man hier im Valley sitzt und die User ganz woanders sind.
Das Problem: Die Werbenden haben das jetzt auch herausgefunden. Und sagen plötzlich, 6 Milliarden Pages Views im Monat (im Falle von Friendster) sind ja nicht schlecht, aber warum soll ich hier als amerikanisches Unternehmen werben, wenn die User ganz woanders sind… Und die Lücke hat (noch) niemand so richtig geschlossen (sure, Google sitzt dran…). Und ich bin gespannt, wie das aussehen wird. Das ist ein recht nettes Globalisierungsproblemchen, hier die Site, dort die User, sitzen die Werber genau dazwischen? Das müsste dann so etwa auf Hawaii sein, zumindest wenn’s um Friendster geht. Ich glaube, das schau ich mir mal an 
May 4, 2007 at 12:42 pm · Filed under Entrepreneure, Valley Basics, Communications, Valley Multis, Web 2.0, Regulierung im Web
Heute beim Frühstück mit Startup-Chefs fällt mir auf, dass die Geschichte mit Digg doch den einen oder anderen Web 2.0 - Entrepreneur ganz schön durchschüttelt. Sooo war das dann doch nicht gedacht mit dem user generated content. Die Nutzer sollen zwar das Futter liefern, aber doch nicht mitbestimmen, wie der Hase dann läuft.
Mein wesentlicher Eindruck ist, dass man da noch gar nicht drüber nachgedacht hat. Typisch für hiesige Verhältnisse und sicherlich die Kehrseite des extrem fokussierten Arbeitens hier im Valley: alles was nicht unmittelbar für heute und morgen relevant ist, bleibt ausgeblendet. Dass sich Startups deshalb über Untiefen und Gefahren ihres Geschäfts nicht klar sind, ist mir auch vor rund zwei Wochen beim Web-Monday aufgefallen. Von den dort versammelten rund 40-50 Entrepreneuren und Internetexperten wußte nicht einer, wer die technischen Standards macht, die die Basis ihres Geschäft sind. Einen ähnlichen Eindruck habe ich vor einigen Wochen im Gespräch mit einem führenden Facebook Mitarbeiter mitnehmen können. Die haben ja auch schon ihre Erfahrungen mit einem User-Aufstand. Auf meine Frage, was sich bei Facebook seitdem verändert hat, bekam ich nur die Antwort, jetzt sei doch alles wieder in Ordnung. Na dann…
May 3, 2007 at 11:44 am · Filed under Valley Multis, Web 2.0, Politik, "Old Media", Regulierung im Web
Hier geht es in diesem Tagen wieder einmal sehr roh zur Sache. Digg.com hat aufgrund von Druck durch Unternehmen einige Postings gelöscht, in denen ein paar intelligente Tüftler einen Code veröffentlicht hatten, der es anderen Tüftlern erlaubt, den Kopierschutz von hochauflösenden DVDs zu knacken. Das hat zum Aufstand der User geführt, die protestiert und den Code massenweise geposted haben, so dass Digg schließlich kapituliert hat und nichts mehr löscht (hier das Ganze sehr schön zusammengefasst in der New York Times und hier etwas technischer im Spiegel).
Nun ja, kommen hier die „guten alten“ Zeiten wieder, zurück in die 60er? Demo? Straßenkampf? Und alles für umsonst für alle? Nope – aber: ganz klar ist doch, dass ein Musiker/Filmer irgendwie seine Brötchen verdienen möchte, die Industrie auch verdienen will und dass es niemals einen sicheren Kopierschutz geben wird. Der entscheidende Punkt ist dann für mich, dass die Unternehmen in Hollywood & Co keinen Weg finden, glaubwürdig und nachhaltig zu kommunizieren, dass sie und die Künstler ein Recht haben, an den Filmen und der Musik Geld zu verdienen, die sie produzieren. Stattdessen fuchteln sie nur mit dem Revolver, dem Sheriff und den Anwälten rum. Was ist das für eine Gemengelage, in der es einerseits null Unrechtsbewusstsein bei Konsumenten gibt, Musik und Filme zu kopieren, andererseits Unternehmen wie Sony keine Bedenken haben, einen „Sonytrojaner“ auf anderer Leute Rechner zu schmuggeln? Ach so, ja der Staat, hat den jemand gesehen? Geht es bald zu wie bei dem Bahntycoon von Sergio Leone, der sich seine eigene bewaffnete Aufräumtruppe gekauft hat, um „seine“ Ordnung zu schaffen.
Die Ursache für den aktuellen Turmoil sind Abmahnungen bzw. Unterlassungserklärungen, mit denen die Anwälte der betroffenen Firmen versucht haben, die Veröffentlichung des Codes zu verbieten. Da war es völlig klar, dass es nur Stunden dauern würde, bis es unter Verweis auf das 1. Amendment der amerikanischen Verfassung (Redefreiheit) zum kollektiven Aufschrei im Social Web kommen würde. Das einzige Ergebnis: Der Graben ist noch tiefer geworden, über den hinweg es einen Konsens in der Internet-Gesellschaft zum Thema Rechte und (geistiges) Eigentum geben muss. Ohne den geht gar nichts, ohne den wird auch die beste Regulierung nicht funktionieren. Wieso komme ich eigentlich darauf, dass es in den beteiligten Unternehmen am ehesten eine Reihe smarter, phantasievoller, gut bezahlter Leute geben müsste, die das wissen sollten?
April 18, 2007 at 4:28 pm · Filed under Entrepreneure, Web 2.0
Web-Montag im Silicon Valley. Diesmal ausnahmenweise in Downtowm San Francisco, weil ja Web 2.0 Expo und Web 2.0 Open ist. Ich bin noch etwas übernächtigt, weil mein Flieger aus Deutschland gerade erst vor einigen Stunden eingetroffen ist. Aber egal, heute stelle ich hier kurz meine Dissertation im Valley-Startup-Umfeld vor. Neben einigen interessanten Leuten lerne ich auch Lars Hinrichs, den Gründer und Chef von Open BC/Xing persönlich kennen und kann ihm endlich einmal die alles endscheidende Frage stellen: Wie spreche ich es denn richtig aus? Xing? Dsching? Crossing? Zing? Ding? Tsching? Die Antwort: Jeder so, wie er will. Wenn man drüber spricht, umso besser. Ach so - o.k. Ob gewollt oder nicht, mir gefällts. Ich habe danach aber trotzdem versucht zu hören, was er selber sagt. Hat leider nicht geklappt, aber ich freue mich, wenn jemand dazu mehr weiß ;-).
Next entries »