Silicommdada
Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley
Archive for Suchmaschinen
July 28, 2008 at 2:25 pm · Filed under Suchmaschinen, Zukunftsmusik
Gedanklich hatte ich schon die erste Zeile dieses Beitrages formuliert…. Er sollte heißen: Endlich mal was wirklich Neues - tja und dann habe ich meinen letzten Beitrag gesehen. Haaa!
Also gut, anscheinend wird es etwas langweilig im Valley und dazu könnte ich demnächst auch mal etwas schreiben. Aber für heute der Hinweis auf Cuil. Eine neue Suchmaschine, die heute ihre Pforten geöffnet hat. Das Team besteht aus einigen ehemaligen Google-Leuten. Die sollten also wissen, was sie tun. Cuil tritt mit dem großen Spruch an, etwa dreimal so viele Webseiten indiziert zu haben, wie Google. Konkret sollen es rund 120 Milliarden sein. Dazu kommt, dass die Ergebnisse etwas übersichtlicher, weil in Kategorien sortiert, präsentiert werden. Das könnte wirklich mal was sein. Meine ersten Versuche bringen gemischte Ergebnisse: Cuil ist ein wenig langsam, aber das könnte an der Aufmerksamkeit liegen, die die Seite heute bekommt. Den generischen Begriff Basketball verweigert Cuil wegen zu vielen Treffern, einige wetere Versuche bringen dagegen ganz gute und wirklich übersichtlich sortierte Ergebnisse.
Die Richtung von Cuil ist interessant. Der Vorteil einer Kategorisierung hilft enorm, bei immer mehr Webseiten mit immer mehr Inhalten. Die Technologie verbleibt zwar im klassischen suchwort-basierten Suchparadigma, aber außerhalb davon, etwa die semantic web Experimente von Powerset, hat es ja bislang bis auf große Sprüche nicht viel gegeben. Der Fortschritt kommt also langsam und Cuil bietet da immerhin etwas! Ich bleibe also wohlgesonnen skeptisch und frage mich, ob die 33 Millionen Venture Capital, die Cuil laut Wall Street Journal bekommen haben soll, irgendwann durch Werbung vergoldet werden sollen oder durch einen Verkauf an einen der großen Nachbarn. Yahoo bräuchte dringend mal was Neues und Google darf das nicht zulassen - da kann man sicher einiges rausholen…
February 2, 2008 at 11:44 pm · Filed under Valley Multis, Suchmaschinen, Werbung, Internet Wegmarken
Puhh. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende über ganz andere Sachen schreiben - und ansonsten morgen in Ruhe Superbowl gucken. Aber das kann man nicht ignorieren und dieser Deal verlangt die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Also habe ich heute richtig viel Zeitungen gelesen, Kommentare geguckt und ein wenig rumrecherchiert. Insgesamt haben die Medien - sowohl die hiesigen als auch die deutschen - ganz gut geschrieben. Unterm Strich fand ich die Berichterstattung in der NY Times am interessantesten. Mein liebes Wall Street Journal bot auch sehr viel (wie immer online leider hinter verschlossenen Türen). Wer ein wenig mehr Lokalkolorit haben möchte, dem empfehle ich die Online-Version des San Francisco Chronicle.
Das meiste ist also für den Moment gesagt und geschrieben. Ich meine auch, dass Microsoft die Übernahme dringend braucht, um nicht abgehängt zu werden. Und ich vermute, sie wird auch gelingen, auch wenn die Regulierer genau hinschauen werden. Aber das werden sie vor allem hinterher machen und hinterher wird es sicher interessant sein zu schauen, wie da zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammenwachsen sollen, die kaum etwas gemein haben.
Aber ein paar Punkte kommen mir zu kurz. Die NY Times berührt einen der Punkte, der mir ansonsten bislang völlig fehlt. In zu vielen Medien klingt es nämlich so, als würde hier der Show Down eingeläutet. Klar, das ist eine schöne Story. Aber tatsächlich gehen wir gerade erst in die zweite Runde eines Wettbewerbs, der sicher weit mehr als 15 Runden haben wird und in dem viele seiner Teilnehmer noch gar nicht zu sehen sind. Im Internet stehen wir - auch was die Werbung anbelangt - erst am Anfang!
Das im Hinterkopf sollten wir uns noch einmal anschauen, was hier passiert. Sicher, in der Suchmaschinenwelt möchte die Nummer drei die Nummer zwei übernehmen. Das kann man sich leisten, weil man in anderen Bereichen mit Abstand die Nummer eins ist. Aber das betrifft nur den Bereich Suchmaschinen. Es gelten dort die Größenverhältnisse, die wir überall lesen konnten: nach einer Fusion wird Microhoo nur knapp die Hälfte der Suchanfragen haben, die Google weltweit hat.
Schaut man sich aber die Anzahl aller Seiten-Besuche an, bietet sich bereits ein anderes Bild. Zwar ist es auch bei den Unique Visitors die Fusion von #2 und #3. Aber hier werden sich, sollte die Übernahme gelingen, hinterher neue Verhältnisse bieten. Microsoft liegt bei den Besuchern nur knapp hinter Google, zusammen mit Yahoo wird es einen deutlichen rund 80-prozentigen Vorsprung geben. Noch eine Kennzahl, die hier wichtig ist: bei der auf der Seite verbrachten Zeit handelt es sich um eine Fusion von Nummer 1 und Nummer 2. Dort ist Google nur Dritter. Alle Berechnungen übrigens auf Basis der Zahlen, die Comscore bietet. Mein Argument, warum diese Zahlen relevant sind und künftig noch viel wichtiger sein werden: die Werbeformen, die jenseits von Such- und Schlagwörtern erfolgreich sind, entstehen gerade erst. Gegenwärtig überzeugt vielleicht Werbung noch nicht, die Social Network Profile nutzt oder die in ersten Versuchen auf der Basis des Userverhaltens angeboten wird. Sie ist außerdem im Hinblick auf den Schutz der Privatsphäre sehr bedenklich. Aber wir werden immer mehr Formen dieser Werbung sehen und die braucht keine Suchmaschinen. Alles was sie brauchen sind viele und regelmäßige Besucher. Und dort wird Microhoo nach der Übernahme die Nummer eins sein.
Offen ist für mich auch das Potential, das Yahoo alleine ohne Übernahme hätte. Klar ist, dass Yahoo gegenwärtig schwach wirkt. CEO Jerry Yang hat vergangene Woche angekündigt, dass es nicht vor 2009 einen Turnaround geben wird. Aber die Zahl interessanter Ansätze ist da. So etwa die Kooperation mit über 200 amerikanischen Tageszeitungen zur Vernetzung von Online- und Printanzeigen. Auch scheinen die Investitionen in Suchmaschinentechnik erst jetzt langsam Kraft zu entfalten. Und die Renovierung der Homepage hat im vergangenen Jahr definitiv Fortschritte gemacht.
Bei anderen Erfolgsprodukten, die Yahoo im Köcher hat bzw. zugekauft hat, sehe ich dagegen erst im Duett mit Microsoft richtig neue Chancen. Würde mich nicht wundern, wenn wir etwa nach einer Übernahme bald Flickr im Windows Desktop integriert sehen. Und wer will sich dann noch Picasa zusätzlich runterladen… Runde 2 im großen Internetwettbewerb wird also langsam spannend. Aber das ganze Bild sieht nur, wer sich klar macht, dass es “nur” Runde 2 in einer offenen Anzahl von Runden ist und dass das Thema Suchmaschine nur ein Aspekt der Geschichte ist.
July 23, 2007 at 12:17 am · Filed under Valley Multis, Politik, Suchmaschinen, Mobile, Regulierung im Web, Internet Wegmarken
Vor ein paar Wochen habe ich hier einmal darüber nachgedacht, dass die für 2008 geplante Auktion von Frequenzen, die für einen landesweiten kabellosen Internetzugang geeignet sind, eigentlich Google interessieren müsste. Freitag kam es dann über den Ticker: Google interessiert sich für die Frequenzen, möchte aber die Bedingungen geändert haben, zu denen die Versteigerung stattfindet! Google Chef Eric Schmidt möchte erreichen, dass die Frequenzen an Subabnehmer weiter gegeben müssen, wenn sie durch den Gewinner der Auktion nicht genutzt werden. So soll wohl ausgeschlossen werden, dass jemand die Frequenzen kauft, um sie dann ganz einfach zu Lasten des Wettbewerbs still zu legen.
Ich denke, die Chancen für Google stehen nicht schlecht. Erstens haben die Informationscontroller aus Mountain View das nötige Kleingeld, um andere potentielle Käufer zu überbieten. Und was den Änderungswunsch anbelangt: da hat ja FCC Chef Kevin J. Martin (die Federal Communication Commission (FCC) ist die oberste Kommunikationsregulierungs-Behörde in den USA, die die Auktion durchführt) seinerzeit nur wenige hundert Meter von Googles Zentrale entfernt gesagt, dass es seiner Behörde darum gehe, den Wettbewerb zu forcieren.
Und um Wettbewerb und um die Net-Neutrality geht es bei dieser Geschichte. Stichwort Wettbewerb: Internetzugang gibt es auf vier Wegen. Zu Hause übers Telefonnetz, über das (TV-) Kabelnetz und per Funk übers Handy oder ein (privates, lokales oder kommunales) Wireless Lan (Zugang per Satellit lassen wir mal als kaum relevant weg). Zwischen Telefongesellschaften und Kabelnetzbetreibern herrscht hier ein recht harter Wettbewerb, von dem aber nur Neukunden etwas haben - spätestens nach einem Jahr steigen die Preise und die Qualität lässt durchweg zu wünschen übrig. Kaum zu glauben aber wahr: hier im Herzen des Silicon Valleys ist es nicht leicht, als Privatanwender eine wirklich schnelle DSL Verbindung zu bekommen.
Die Anbieter der amerikanischen Handynetze haben bislang wenig Enthusiasmus gezeigt, im kabellose Bereich aktiv zu werden. Der Zugang per Handy ist recht langsam und kostet vergleichsweise viel. Erst jetzt mit dem neuen Tarif für das iPhone kommen die Preise ein wenig in Bewegung. Aber das iPhone hilft ja wenig, wenn man mit dem Laptop online gehen will, ganz abgesehen davon, dass auch dieser Zugang langsam ist. An echten WiFi-Lösungen als Alternative zu den Verbindungen per Handy haben die Handynetzbetreiber keine großes Interesse. Es kostet und ist ja bloß eine Konkurrenz zu den Handynetzen, mit denen ganz gutes Gekld verdient wird. Ausnahmen bestätigen die Regel: T-Mobile bietet in fast jedem Starbucks einen kostenpflichtigen Zugang an, der aber recht teuer ist. Kurz: aus der Ecke wird kaum etwas in Sachen Wireless zu erwarten sein. Und noch eine Bemerkung dazu am Rande: Die Handyhersteller scheinen das mit zu tragen, so mein Eindruck, denn neben dem iPhone gibt es hier kaum Handys, die Wlan geeignet sind.
Wireless Netzwerke gibt es hier im Valley recht viele. Sitzt man in einem Cafe, findet man oft ein kostenloses Netzwerk. In Mountain View betreibt Google ein kostenloses stadtweites Netz, das allerdings je nach Standort nur eine schlechte Verbindung bietet. Zusammen mit dem Telefonanbieter Earth Link baut Google derzeit ein Wireless Netzwerk in San Francisco auf, das allerdings in seiner kostenlosen Variante wohl auch langsam sein wird. Kommt man allerdings aus den Stadtkernen raus, ist schnell Ende mit dem kostenlosen, kabellosen Zugang. Und dann wird es teuer - wenn es überhaupt einen Zugang gibt. Also wäre prinzipiell Raum für eine neue Kraft, die ein landesweites Wireless Netzwerk hier in den USA aufbaut.
Der zweite Punkt betrifft die Net-Neutrality. Da geht es - extrem verkürzt - darum, dass Internetzugangsanbieter alle oder ausgewählte Inhalte von bestimmten Anbietern bevorzugt und dafür aber kostenpflichtig bereit stellen. Der Rest geht durch, wenn es passt. Das ist Gift für Firmen wie Google oder auch eBay, die ihre Angebote kostenlos bzw. anzeigenfinanziert zur Verfügung stellen oder davon leben, dass ihre Inhalte ohne Verzögerung und in Echtzeit allen Nutzern zur Verfügung stehen. Kein Problem, sagen die Telefon- und Kabelbetreiber, so lange ihr zahlt. Strickte Netz-Neutralität fordern dagegen Google, eBay und Co., denen Gefahr für die Kalkulation oder die Geschäftsgrundlage droht. Diese Geschichte beschäftigt den amerikanischen Kongress und brodelt derzeit im Hintergrund.
Würde Google künftig selbst zumindest einen Teil der Internetzugänge anbieten (und dazu in der mobilsten Version!), hätten die Weltinformationsbeweger aus Mountain View ein mächtiges Pfand in der Hand, um Net-Neutrality durchzusetzen. Ganz abgesehen davon gäbe es einen netten Nebeneffekt für gut gezielte Werbung. Hätte Google nämlich über den kabellosen Zugang auch die Daten darüber in der Hand, wo genau sich ein Nutzer befindet, könnte Werbung noch viel genauer zugeschnitten präsentiert werden. Ganz nett auf der einen Seite, aber in Alptraum unter Datenschutzaspekten, so lange Google keine Transparenz über die Datenverwendung und keine Garantien gegen Missbrauch anbietet.
Es geht aber womöglich noch viel weiter, denn wir sind es ja gewohnt, dass alles, was von Google kommt, keine direkten Kosten verursacht. Sprich: kostenloser kabelloser (werbefinanzierter) Internetzugang für alle hier in den Staaten? Das lassen sich die Telefon- und Kabelnetzbetreiber sicher nicht bieten. Für Google ist es strategisch überlebensnotwendig, einen “neutralen” direkten Weg zu den Kunden zu haben. Für die Telefon- und Kabelnetzbetreiber ist es überlebenswichtig, Geld mit den Netzen zu verdienen, da sie es kaum schaffen würden, auf alternative Einnahmequellen wie Werbefinanzierung umzusteigen. Hier braut sich also einiges zusammen und es hat alle Zutaten für eine hübsche Regulierungsschlacht…
June 28, 2007 at 11:32 pm · Filed under Suchmaschinen, Wiedergekäut
Yo, eine neue Kategorie. Es gibt Artikel, die darf man einfach mal so, aufs wesentliche gekürzt, an die geneigten Leser weiter geben…
Also: Die NY Times vom vergangenen Sonntag schreibt über Google und die, die Google ablösen wollen. Und warum ich Google und die, die Google ablösen wollen, als heimliche Herrscher und Türsteher des Webs zugleich ansehe, habe ich ja schon mal geschrieben. Zunächst aber bringt die NY Times ein paar Zahlen, warum das Suchmaschinengeschäft so viel Spaß macht. Zum Beispiel, die Umsatzrenditen. Bei Google betrug die im vergangenen Jahr 29 Prozent, bei Amazon betrug sie dagegen nur 1,8. Oder der Verweis auf den Eintrag des bloggenden Microsoft-Managers Don Dodge, der ausgerechnet hat, das ein Prozent Marktanteil am Suchmaschinenmarkt etwa eine Milliarde Dollar Marktkapitalisierung bedeutet…
Nun, dann geht es über Suchmaschinen, die es mit neuer Technologie versuchen, etwa Powerset (die mit der natürlichen Sprache) oder Hakia oder Accoon. Weiter geht es zu den Suchmaschinen, die die User abstimmen lassen: Squidoo, Sproose und NosyJoe (offensichtlich macht es inzwischen gar nichts mehr aus, wie man heißt…). Dazu kommen Exoten wie Bessed, die Abstimmung und redaktionelle Nachbearbeitung kombinieren und schließlich ChaCha, bei der man mit einem echten Menschen über Suchhilfe chatten kann.
Und schließlich landet der Artikel (von Randall Stross geschrieben, thanks for that one, btw) bei Mahalo. Mahalo - “Danke Schön” auf Hawaiianisch - macht etwas völlig unglaubliches: da suchen Menschen zu Schlagwörtern die besten Seiten raus und dann wird das sortiert präsentiert. Ich habe an dieser Stelle aufgehört, den Artikel zu lesen, bin an den Rechner (ja, ich hatte die Printversion, mein liebstes am Sonntag!) und habe mir das erst einmal angeschaut (also bitte, bis gleich). Ja - macht Sinn, oder? Es sind zwar erst 5000 Schlagwörter, aber die Ergebnisse sind auf alle Fälle sehr schön gemacht. Ein echter Fortschritt, zumindest für Standardfälle und erste Orientierung. Tja, soll das heißen, dass die klassischen journalistischen Tugenden der guten und tiefen Recherche ein zweites Leben bekommen? Back to the real gatekeeping. Das scheint eine spannende Sache zu sein
Der Clou kommt aber noch. Finanziell steht nämlich hinter Mahalo Sequoia Capital. Und das ist die Firma, die auch Yahoo und Google zum Start unter die Arme gegriffen hat. Die scheinen sich also auch was dazu zu denken. Ich auch: ein Prozent vom Suchmaschinenmarkt ist doch auch schon mal was 
May 17, 2007 at 10:44 pm · Filed under Valley Basics, Communications, Valley Multis, Suchmaschinen, Werbung
Gestern ging es bei der Web Guild um die Zukunft der Online-Werbung. Also, sie ist smaragd-grün, schmeckt nach Erdbeere und Avocado, und wirkt je nach Reifegrad fade im Nachgeschmack, aber mit viel kalifornsichem Chardonnay geht es… Nein, es war aber selbstverständlich so, dass die im Veranstaltungstitel enthaltene Frage nicht beantwortet wurde. Dennoch war es sehr aufschlussreich, die aktuellen Themen und Probleme (im englischen ein Wort: issues) der Branche unter dem Brennglas präsentiert zu bekommen. Ihr werdet einiges von dem wieder finden, was mich hier schon beschäftigt hat und “latürnich” einige Binsenweisheiten, die man aber immer wieder gerne sieht (dazu sehr viele Anglizismen, sorry, aber ich weiß nicht, sie zu übersetzen):
- Suchmaschinen gewinnen als die neue Portale des Webs immer mehr Einfluss, sie werden zum Gatekeeper für jede Form von Content. Dazu präsentierte Moderator Safa Rashtchy (hier der Link zu seinen recht netten Folien) noch einen interessanten Trend: User geben auf Suchmaschinen generische Begriffe ein und hoffen dann anscheinend auf Problemlösungshilfe durch die Suchmaschine. (Das widerspricht allerdings dem Trend, dass die Suchmaschinensuchanfragen immer mehr Wörter enthalten - ich kann es mir nur als Unterschied zwischen erfahrenen bzw. zielgerichteten Usern und unerfahrenen oder auf Unterhaltung ausgerichteten Suchanfragen vorstellen).
- Safa Rashtchy sieht erst jetzt die Zeit des Internets als Massenmedium kommen. Er meint damit nicht die zunehmende Anzahl der User sondern die Tiefe der Nutzung: das Web zieht vom Schreibtisch ins Wohnzimmer, ja selbst in die Küche ein, es kommt mit dem Handy mit… Kurz: es ist immer dabei, egal wo wir sind und was wir machen. Angeblich surft ein rundes Drittel aller TV-Zuschauer hier in den Staaten parallel zum Glotzen immer oder oft im Internet.
- Immer mehr User lehnen die traditionellen Formen der Internetwerbung ab!
- Entwicklungen im Web 2.0 mit Usergenerated Content, Blogs, Flickr, Youtube & Co sowie Myspace & Verwandte nehmen Firmen immer mehr die Kontrolle über ihre Marke aus der Hand. Auf dem Podium machte das Schlagwort von der “Usergenerated Brand” die Runde.
Die Folge ist, dass dann unter anderem Suche und darauf abgestimmtes suchmaschinenrelevantes Marketing zum Branding Tool wird. Völlig unklar ist aber nach wie vor die Wechselbeziehung zwischen Offline-Werbung, Bannern und Textanzeigen. Es ist jedoch, darin waren sich die Werber auf dem Podium einig, eine Illusion, wenn man Online-Werbung völlige Kostentransparenz unterstellt. Man kann zwar leicht messen, wie viel der entscheidende Klick zur “Transäkschen” gekostet hat und wie viele Klicks für eine Transaktion nötig sind. Man weiß jedoch überhaupt nicht, wie viele Offline- und Online-Impressions nötig waren, um zu diesem entscheidenden Klick zu kommen.
Genauso wenig ist klar, wie hoch der Branding-Effekt von Textanzeigen ist. Klar ist dagegen, dass aus diesem (und keinem anderen) Grund schlagwortbasierte Textanzeigen immer stärker von Brandmanagern genutzt werden. Das führt wiederum dazu, dass sich viele kleinere Anbieter die (Nischen-) Schlagworte für Textanzeigen nicht mehr leisten können. Sie weichen daher auf Marketing-Alternativen aus: PR, Buzz- bzw. Wort of Mouth Marketing, Blogs etc. An dieser Stelle wurde es dann jedoch sehr still auf der Bühne. Es fielen noch ein paar Worte wie bessere Werbefilme (warum freut sicher jeder auf die Superbowl-Werbetrailer…), mehr Kreativität, aber dann war’s vorbei.
Dass es an einem anderen Punkt nicht völlig still war, letztlich aber viel zu wenig diskutiert wurde, war enttäuschend. Es geht um personaliserte und gezielte Werbung und Datenschutz. Als das Publikum bei Bennett Zuckers Satz “man soll seine Browser Cookies nicht löschen” nur gelacht hat, sagt beinahe schon alles. Irgendwo fiel dann noch mehrfach das Wort Transparenz, aber wann und wie wurde nicht mehr weiter geführt. Google-Experte Brian Schmidt redete an dieser Stelle nur noch vom User im Zentrum von Googles Aktivitäten… Von den Werbern hätte ich mir bei der Wichtigkeit des Themas dazu mehr erhofft. Denn wenn man genügend Transparenz herstellen könnte, finde ich gezielte und personaliserte Ads gut. Ich habe da die klare Meinung, dass ich gerne Werbung für Produkte sehen würde, die mich interessieren. Beispiel: Gerade steht der Laptop Kauf für meinen Sohn an. Da würde ich mich über die aktuellen Angebote im bzw. am Rande vom Browserfenster freuen. Aber nach dem Kauf bitte nicht mehr. Und ich möchte Kontrolle über meine eigenen Daten haben. Punkt!
Mein Fazit zur Zukunft der Online-Werbung? Ganz einfach: Banner, Videowerbung etc. wird es weiter geben - mit mehr oder weniger Kreativität, eher mehr als weniger “targeted”. Aber die Zukunft des Brand-Managements und auch eines großen Teils der Werbung gehört PR-Leuten, Reputation- und Issues-Managern mit solidem Internetknowhow sowie allen, die im Stakeholdermanagement zu Hause sind. Und das werden keine Dummbeutel sein, von denen es immer noch zu viele (immer feste druff!) gibt. Das konnte auf dem Podium aber keiner sagen. Dort saßen nämlich nur Werber und Anzeigenvermarkter…
PS für CW: Diesmal gab es eine Google Commuter Mug. Die wird nicht nur einen Ehrenplatz in meiner Google Offline-Gadgets Sammlung bekommen sondern auch benutzt werden
PPS für Alle: Ich wollte eigentlich noc einen Link auf einen sehr schönen Artikel zum targeted Marketing aus der gestrigen New York Times einbauen. Habe ich vergessen, hier ist er.
May 13, 2007 at 12:51 pm · Filed under Valley Multis, Suchmaschinen
Beim Aufräumen fällt mir noch ein Artikel vom Freitag in die Hand. Ein O-Ton von Microsofts CEO Steve Ballmer zu Akquisitionen. Auf der Software 2007 Konferenz in Santa Clara hat er erstens gesagt, dass Microsoft laufend Akquisitionen tätige, die zur Strategie passen, und zweitens auf die von Publikumslachern begleitet Frage, ob Microsoft auch Unternehmen für 40 bis 50 Milliarden Dollar kaufe, geantwortet, “Wir könnten”. Gut gebrüllt, Löwe, ob das ausreicht, die Konkurrenz einzuholen?
April 27, 2007 at 10:26 am · Filed under Valley Multis, Suchmaschinen, Werbung
In einem Artikel des Economist über den jüngsten Google Deal - den Kauf den Banner-Ad Platzierers DoubleClick - bin ich über einen hübschen Absatz gestolpert. Darin wird der Analyst Henry Blodget von Cherry Hill Research zitiert, dass der Deal ein erstes Schwächezeichen von Google sei. Denn während das Textanzeigen Business durchschnittliche Umsatzrenditen von etwa 60 Prozent bringe, betrügen die Profite im Banner-Geschäft nur 10 bis 20 Prozent. Mein erster, spontaner Kommentar: Eine Welt, in der so viel gelacht wird, kann so schlecht nicht sein… Und ansonsten: Wie lange haltet Ihr noch Eure Google Aktien?
April 24, 2007 at 8:52 pm · Filed under Politik, Suchmaschinen, Werbung
Gut, das war im ersten Teil zu kurz. Weil TV auf dem Handy so ein anschauliches Beispiel für das Dilemma zwischen guter, passender Werbung und dem Datenschutz ist. Im Prinzip hätten es die Werber jetzt gut. Sie können auf die klassische TV-Werbung setzen und einfach abnudeln, was gemäß ihrer Zielgruppenanalyse passen müsste - so wie immer. Und damit sind wir wieder bei der nervtötenden Werbung, die wir kennen. Für mich bedeutet das einen Rückfall in die Zeit der “für-mich-irrelevanten” Werbung. Dabei ist das Geniale doch, dass man als Handybetreiber wunderbare Profile erstellen kann und dann zielgruppengenau wirbt (gilt noch mehr für die künftige Werbung auf dem Heim-TV - ist aber Thema für ein ander mal). Bin ich unterwegs und bei Starbucks um die Ecke und weiß der Handybetreiber, dass ich schon neulich übers Handy einen Starbucks gesucht habe, kommt ein kleiner Starbucks Trailer… Das erinnert zu sehr an Big Brother? You’re right. Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Hat heute auch der Datenschutzbeauftragte (schaut mal bei S. 104) festgestellt.
Aber es ist nicht so einfach, oder? Denn Werbung, die für mich relevant ist, interessiert mich. Das geht nur, wenn die entsprechenden Unternehmen einige Daten über mich haben. Also ein echtes Dilemma. Denn ich kenne spontan kein Unternehmen, bei dem ich ganz sicher sein kann, dass es nicht doch Schindluder mit meinen Daten treibt. Ich fände es daher als ersten Schritt recht einfach und nett, wenn ich etwa bei Google einsehen könnte, was die über mich wissen! Hab doch einen Account da. Könnte doch nicht so schwierig sein. Oder? So lange das nicht geht, hätte ich gerne alle meine Daten zurück. Und stattdessen Werbung nur als “Pull” - etwa durchklassische Recherche bei einer Suchmaschine, die gerne Google heißen darf, weil sie so schöne passende Werbung neben den Suchergebnissen hat…
April 4, 2007 at 8:00 am · Filed under Entrepreneure, Valley Multis, Web 2.0, Suchmaschinen
Heute mute ich Euch viel Text zu. Ging aber nicht anders - mußte mich austoben. Denn als Viacom neulich Google und Youtube verklagt hat, kam bei mir die Frage auf, ob sich denn das alles noch für Google lohnt. Ich habe mir die Story vom vergangenen Jahr noch einmal angeschaut und ein paar interessante Fakten und Zahlen gefunden. Viel Spaß!
Rückblende - Januar 2006: die Teilnehmer einer Konferenz über User Generated Content und the Future of Media in Stanford waren sich schnell einig. Das nächste „große Ding“ im Internet würde Video sein. Mit MSN und Yahoo waren bei Jahresbeginn jedoch ausgerechnet zwei der sonst als langsam angesehenen Riesen in den Nutzerstatistiken vorn. MySpace war mit seinem Videoangebot noch gar nicht online und Youtube erst seit November 2005 auf dem Radar der Beobachter, als Venture Capitalgeber Sequoia Capital dem jungen Startup einen Scheck über 3.5 Millionen US Dollar in die Hand drückte.
Nur etwa vier Wochen später, im Februar 2006, hatte Youtube bereits die Video-Konkurrenz überholt. In den Folgemonaten schüttelte die neue Videozentrale des Webs nach und nach die Verfolger ab, um sie dann im Sommer 2006 endgültig abzuhängen. Mehr als 100 Millionen Videoclips werden tagtäglich auf Youtube geschaut, rund 65.000 Filme kommen jeden Tag dazu. Die Zahlen der Marktforscher von Hitwise zeigen außerdem, dass Youtubes Marktanteil bei Videos fast doppelt so groß ist wie der der Nummer 2, Myspace. Und – das ist für die Werbepreise wichtig – Youtube-Nutzer sind gleichmäßig über die wichtige Altergruppe der 14 – 45-jährigen verteilt, Frauen und Männer halten sich in etwa die Waage.
Zwischen dem Start von Youtube und dem 1,65 Milliarden Deal mit Google lagen nicht einmal 20 Monate. Das ist selbst für das Silicon Valley ein enormes Tempo. Internetstars wie lonelygirl15 wurden in dieser Zeit geboren und wieder zu Grabe getragen, Paris Hilton debütierte als Videostar auf Youtube und die Zahl sinnleerer Kultvideos ist unüberschaubar. Fragt man im Valley nach der Erfolgsformel von Youtube, gibt es etwas mehr Ansichten als es schlaue Köpfe gibt. Klar ist, dass die Film-Vernetzer von Youtube keine Marktnische sondern eine riesige Marktlücke im Blick hatten. Youtube kam außerdem zum richtigen Zeitpunkt. Immer mehr Nutzer haben schnelle Internetverbindungen, die Voraussetzung für die Übertragung von Video in ruckelfreier Qualität ist. Schließlich dürfte auch geholfen haben, dass es frühzeitig möglich war, Youtube-Videos auf MySpace einzubinden. Und nicht zuletzt: Youtube ist einfach zu bedienen, die Technik erlaubt gute Videoqualität und die Firma hat es von Anfang an geschafft, das Ohr nahe am Nutzer zu haben, um schnell auf Vorschläge und Kritik reagieren zu können, was Chris Maxcy, VP Business Development bei Youtube, neulich bei einer Sitzung der Web Guild so beschrieben hat: „Wenn was neues ist, dann hören wir einfach in die Community und schauen, was sie will. Punkt.“
Google-Chef Eric Schmidt hält dagegen einen weiteren Aspekt für entscheidend. In einer Telefonkonferenz am 9. Oktober 2006, dem Tag an dem der von Youtube bekannt gegeben wurde, erklärte er, Youtube sei der Gewinner, weil es am besten die Social-Networking-Wünsche der Nutzer bedient habe. Schmidt meint damit die Möglichkeit, Filme zu bewerten, zu taggen, also mit Etiketten zu versehen, sie zu Favoriten zu gruppieren und Freunden mit wenigen Klicks einen Link zum Lieblingsvideo zu schicken. Der letzte Punkt hat der Verbreitung von Youtube sicher den Kick gegeben. Denn die typische Youtube-Nutzer-Geschichte beginnt mit dem Satz „Und dann hat mir ein Freund eine Email mit einem Link zu einem Video auf Youtubegeschickt…“
Wenn Eric Schmidt in der gleichen Konferenz sagt, die beiden Youtube-Erfinder Chad Hurley und Steve Chen erinnerten ihn an die erste Begegnung mit den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page kommt nicht von ungefähr. Die vier Firmengründer sagen, sie hätten sich von Anfang an gut verstanden, weil man die gleiche Philosophie habe. Schließlich konnte sich auch Google von Beginn an durch klare Technik auszeichnen und setzte ebenfalls auf virales Marketing, also vornehmlich Mund-zu-Mund-Propaganda. Dass bei beiden auch der erfahrene und einflussreiche Kapitalgeber Sequoia Capital im Hintergrund mitwirkte, dürfte eine weitere nicht ganz unwichtige Gemeinsamkeit sein.
Für Google-Chef Eric Schmidt ist der Youtube-Deal der „nächste, natürliche Schritt in der Evolution des Internets“. Google-Gründer Sergei Bryn erläuterte, was damit gemeint ist. Gemeinsam mit Youtube entstehe, so Bryn, eine globale Media-Plattform. Denn dies war, trotz aller gegenteiliger Beteuerungen der Google-Führungsmannschaft, mit dem eigenen Produkt Google-Video nicht gelungen.
Doch bei den Strategen von Google wird sicher nicht nur das überzeugende Produkt, der überragende Marktanteil und die Bedeutung von Youtube als Strategiebaustein auf dem Weg zum globalen Medienkonzern eine Rolle gespielt haben. Denn Google drohte damals vom anderen großen Spieler im Social Networking, MySpace.com, abhängig und zugleich abgehängt zu werden. Im April 2006 wurde bekannt, dass mehr als acht Prozent aller Suchanfragen bei Google von MySpace kommen. Ursache dafür ist die Kooperation mit MySpace, die Google als Suchmaschine in die MySpace-WebSite integriert. Damit nicht genug, war Video.MySpace.com die einzige Seite, die mit Youtubes Wachstum Schritt halten konnte, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Google Video war dagegen im Juni 2006 auch von Video.MySpace.com deutlich abgehängt.
Prompt entstanden Gerüchte, ob sich Rupert Murdoch das lukrative Suchmaschinengeschäft wirklich entgehen lassen will oder ob er nicht - etwa so wie Springer in Deutschland - eine eigene Suchmaschine kauft. Google löste das Problem Anfang August durch einen Deal knapp unterhalb der Milliarden-Dollar-Grenze. Die Vereinbarung sieht vor, dass Google bis zum 2. Quartal 2010 Suchmaschine auf MySpace und den anderen Fox Interactive Seiten bleibt, und dafür dem Murdoch-Unternehmen Einnahmen von mindestens 900 Millionen US Dollar garantiert – deutlich mehr als der Preis von 580 Millionen US Dollar, den Murdoch ein Jahr zuvor für MySpace auf den Tisch legen durfte. Aufgeschoben ist aber nicht Aufgehoben wird man sich jedoch bei Google gedacht haben und hat zügig nach einer Lösung gesucht, die strategische Video-Lücke zu schließen. Sie wurde geschlossen mit dem Kauf von Youtube, das als Marke (vorläufig?) komplett eigenständig bleiben wird. Entsprechend verärgert war man bei MySpace als der Kauf von Youtube durch Google bekannt wurde. Google CEO Eric Schmidt musste selbst nach Los Angeles fliegen, um unter anderem mit Rupert Murdoch persönlich die Wogen zu glätten und zu überlegen, wie man ein technisches Problem lösen kann, dass die Integration von Youtube-Videos in MySpace vorübergehend erschwerte.
Bleibt die Frage nach den 1,65 Milliarden Dollar, die Google für Youtube bezahlt. Werden die Werbeeinnahmen das wieder hergeben? 2006 hat Youtube gerade einmal 15 Millionen Dollar verdient. Und in diesem Jahr? Dazu schauen wir uns demnächst noch einige Sachen an.