April 27, 2007 at 10:26 am · Filed under Valley Multis, Suchmaschinen, Werbung
In einem Artikel des Economist über den jüngsten Google Deal - den Kauf den Banner-Ad Platzierers DoubleClick - bin ich über einen hübschen Absatz gestolpert. Darin wird der Analyst Henry Blodget von Cherry Hill Research zitiert, dass der Deal ein erstes Schwächezeichen von Google sei. Denn während das Textanzeigen Business durchschnittliche Umsatzrenditen von etwa 60 Prozent bringe, betrügen die Profite im Banner-Geschäft nur 10 bis 20 Prozent. Mein erster, spontaner Kommentar: Eine Welt, in der so viel gelacht wird, kann so schlecht nicht sein… Und ansonsten: Wie lange haltet Ihr noch Eure Google Aktien?
April 24, 2007 at 8:52 pm · Filed under Politik, Suchmaschinen, Werbung
Gut, das war im ersten Teil zu kurz. Weil TV auf dem Handy so ein anschauliches Beispiel für das Dilemma zwischen guter, passender Werbung und dem Datenschutz ist. Im Prinzip hätten es die Werber jetzt gut. Sie können auf die klassische TV-Werbung setzen und einfach abnudeln, was gemäß ihrer Zielgruppenanalyse passen müsste - so wie immer. Und damit sind wir wieder bei der nervtötenden Werbung, die wir kennen. Für mich bedeutet das einen Rückfall in die Zeit der “für-mich-irrelevanten” Werbung. Dabei ist das Geniale doch, dass man als Handybetreiber wunderbare Profile erstellen kann und dann zielgruppengenau wirbt (gilt noch mehr für die künftige Werbung auf dem Heim-TV - ist aber Thema für ein ander mal). Bin ich unterwegs und bei Starbucks um die Ecke und weiß der Handybetreiber, dass ich schon neulich übers Handy einen Starbucks gesucht habe, kommt ein kleiner Starbucks Trailer… Das erinnert zu sehr an Big Brother? You’re right. Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Hat heute auch der Datenschutzbeauftragte (schaut mal bei S. 104) festgestellt.
Aber es ist nicht so einfach, oder? Denn Werbung, die für mich relevant ist, interessiert mich. Das geht nur, wenn die entsprechenden Unternehmen einige Daten über mich haben. Also ein echtes Dilemma. Denn ich kenne spontan kein Unternehmen, bei dem ich ganz sicher sein kann, dass es nicht doch Schindluder mit meinen Daten treibt. Ich fände es daher als ersten Schritt recht einfach und nett, wenn ich etwa bei Google einsehen könnte, was die über mich wissen! Hab doch einen Account da. Könnte doch nicht so schwierig sein. Oder? So lange das nicht geht, hätte ich gerne alle meine Daten zurück. Und stattdessen Werbung nur als “Pull” - etwa durchklassische Recherche bei einer Suchmaschine, die gerne Google heißen darf, weil sie so schöne passende Werbung neben den Suchergebnissen hat…
April 23, 2007 at 8:21 pm · Filed under Valley Multis, "Old Media", Werbung, Mobile
Heute früh lachte mir Spongebob im Business-Teil des Chronicles entgegen. Hintergrund: Die Reportage des Chronisten über eine Fahrt mit Nichte und Neffen, die sich über sein neuen Handy hergemacht hatten, um eine Folge des Schwammkopfes zu gucken. Acht Kanäle bietet Verizon hier seit kurzem an. Kostet schlappe 13 - 15 US $ im Monat und schon landen Nachrichten, MTV und Nickelodeon auf dem Handy.
Was ich dabei so spannend finde. Endlich gibt es den Werbe-Pushkanal aufs Handy. Yo - natürlich geht es auch per SMS oder per Anruf. Aber hey- ich drücke die (zum Glück nicht mehr als zwei-bis dreimal pro Woche auftauchende) Werbe-SMS direkt weg. Und Anrufe: Geht hier in den USA nicht - würde einen Aufstand geben. Also Werbung ganz klassisch: Einfach über den Sender und der landet auf dem Handy. Überrascht? Nein eigentlich nicht - eher bestätigt es meine pessimistische Ader, Untergang des Abendlandes und so. Denn ich bin sicher, dass der TV-Channel aufs Handy ein riesiger Erfolg wird. Erst recht, wenn die Sportkanäle dazu kommen. Zum Glück wissen meine Kids noch nichts davon…
April 18, 2007 at 4:28 pm · Filed under Entrepreneure, Web 2.0
Web-Montag im Silicon Valley. Diesmal ausnahmenweise in Downtowm San Francisco, weil ja Web 2.0 Expo und Web 2.0 Open ist. Ich bin noch etwas übernächtigt, weil mein Flieger aus Deutschland gerade erst vor einigen Stunden eingetroffen ist. Aber egal, heute stelle ich hier kurz meine Dissertation im Valley-Startup-Umfeld vor. Neben einigen interessanten Leuten lerne ich auch Lars Hinrichs, den Gründer und Chef von Open BC/Xing persönlich kennen und kann ihm endlich einmal die alles endscheidende Frage stellen: Wie spreche ich es denn richtig aus? Xing? Dsching? Crossing? Zing? Ding? Tsching? Die Antwort: Jeder so, wie er will. Wenn man drüber spricht, umso besser. Ach so - o.k. Ob gewollt oder nicht, mir gefällts. Ich habe danach aber trotzdem versucht zu hören, was er selber sagt. Hat leider nicht geklappt, aber ich freue mich, wenn jemand dazu mehr weiß ;-).
April 11, 2007 at 1:34 am · Filed under re-publica
Dies ist der Selbstversuch am lebendigen Objekt. Ich sitze in der Kalkscheune - mit einigen hundert Menschen und vorne geht es gerade um die Gutenberggalaxis - streng wissenschaftlich. Soll heißen wir bloggen im neuen Universum aber bleiben deutsch. That’s it - aber gut! Das W-Lan läuft, (ächszt und stöhnt) und es fühlt sich an wie Silicon Valley transformiert nach Berlin - oder umgekehrt? Really nett! (PS: Ist aber doch etwas absurd, wie deutsch diese Veranstaltung beginnt - den Einstieg macht ein Wissenschaftlier, Mediensoziologe oder so, also frei nach dem Motto, machen wir uns erstmal schlau. Und es ist, wie der Rheinländer sagt: drüsch!!)
April 4, 2007 at 8:00 am · Filed under Entrepreneure, Valley Multis, Web 2.0, Suchmaschinen
Heute mute ich Euch viel Text zu. Ging aber nicht anders - mußte mich austoben. Denn als Viacom neulich Google und Youtube verklagt hat, kam bei mir die Frage auf, ob sich denn das alles noch für Google lohnt. Ich habe mir die Story vom vergangenen Jahr noch einmal angeschaut und ein paar interessante Fakten und Zahlen gefunden. Viel Spaß!
Rückblende - Januar 2006: die Teilnehmer einer Konferenz über User Generated Content und the Future of Media in Stanford waren sich schnell einig. Das nächste „große Ding“ im Internet würde Video sein. Mit MSN und Yahoo waren bei Jahresbeginn jedoch ausgerechnet zwei der sonst als langsam angesehenen Riesen in den Nutzerstatistiken vorn. MySpace war mit seinem Videoangebot noch gar nicht online und Youtube erst seit November 2005 auf dem Radar der Beobachter, als Venture Capitalgeber Sequoia Capital dem jungen Startup einen Scheck über 3.5 Millionen US Dollar in die Hand drückte.
Nur etwa vier Wochen später, im Februar 2006, hatte Youtube bereits die Video-Konkurrenz überholt. In den Folgemonaten schüttelte die neue Videozentrale des Webs nach und nach die Verfolger ab, um sie dann im Sommer 2006 endgültig abzuhängen. Mehr als 100 Millionen Videoclips werden tagtäglich auf Youtube geschaut, rund 65.000 Filme kommen jeden Tag dazu. Die Zahlen der Marktforscher von Hitwise zeigen außerdem, dass Youtubes Marktanteil bei Videos fast doppelt so groß ist wie der der Nummer 2, Myspace. Und – das ist für die Werbepreise wichtig – Youtube-Nutzer sind gleichmäßig über die wichtige Altergruppe der 14 – 45-jährigen verteilt, Frauen und Männer halten sich in etwa die Waage.
Zwischen dem Start von Youtube und dem 1,65 Milliarden Deal mit Google lagen nicht einmal 20 Monate. Das ist selbst für das Silicon Valley ein enormes Tempo. Internetstars wie lonelygirl15 wurden in dieser Zeit geboren und wieder zu Grabe getragen, Paris Hilton debütierte als Videostar auf Youtube und die Zahl sinnleerer Kultvideos ist unüberschaubar. Fragt man im Valley nach der Erfolgsformel von Youtube, gibt es etwas mehr Ansichten als es schlaue Köpfe gibt. Klar ist, dass die Film-Vernetzer von Youtube keine Marktnische sondern eine riesige Marktlücke im Blick hatten. Youtube kam außerdem zum richtigen Zeitpunkt. Immer mehr Nutzer haben schnelle Internetverbindungen, die Voraussetzung für die Übertragung von Video in ruckelfreier Qualität ist. Schließlich dürfte auch geholfen haben, dass es frühzeitig möglich war, Youtube-Videos auf MySpace einzubinden. Und nicht zuletzt: Youtube ist einfach zu bedienen, die Technik erlaubt gute Videoqualität und die Firma hat es von Anfang an geschafft, das Ohr nahe am Nutzer zu haben, um schnell auf Vorschläge und Kritik reagieren zu können, was Chris Maxcy, VP Business Development bei Youtube, neulich bei einer Sitzung der Web Guild so beschrieben hat: „Wenn was neues ist, dann hören wir einfach in die Community und schauen, was sie will. Punkt.“
Google-Chef Eric Schmidt hält dagegen einen weiteren Aspekt für entscheidend. In einer Telefonkonferenz am 9. Oktober 2006, dem Tag an dem der von Youtube bekannt gegeben wurde, erklärte er, Youtube sei der Gewinner, weil es am besten die Social-Networking-Wünsche der Nutzer bedient habe. Schmidt meint damit die Möglichkeit, Filme zu bewerten, zu taggen, also mit Etiketten zu versehen, sie zu Favoriten zu gruppieren und Freunden mit wenigen Klicks einen Link zum Lieblingsvideo zu schicken. Der letzte Punkt hat der Verbreitung von Youtube sicher den Kick gegeben. Denn die typische Youtube-Nutzer-Geschichte beginnt mit dem Satz „Und dann hat mir ein Freund eine Email mit einem Link zu einem Video auf Youtubegeschickt…“
Wenn Eric Schmidt in der gleichen Konferenz sagt, die beiden Youtube-Erfinder Chad Hurley und Steve Chen erinnerten ihn an die erste Begegnung mit den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page kommt nicht von ungefähr. Die vier Firmengründer sagen, sie hätten sich von Anfang an gut verstanden, weil man die gleiche Philosophie habe. Schließlich konnte sich auch Google von Beginn an durch klare Technik auszeichnen und setzte ebenfalls auf virales Marketing, also vornehmlich Mund-zu-Mund-Propaganda. Dass bei beiden auch der erfahrene und einflussreiche Kapitalgeber Sequoia Capital im Hintergrund mitwirkte, dürfte eine weitere nicht ganz unwichtige Gemeinsamkeit sein.
Für Google-Chef Eric Schmidt ist der Youtube-Deal der „nächste, natürliche Schritt in der Evolution des Internets“. Google-Gründer Sergei Bryn erläuterte, was damit gemeint ist. Gemeinsam mit Youtube entstehe, so Bryn, eine globale Media-Plattform. Denn dies war, trotz aller gegenteiliger Beteuerungen der Google-Führungsmannschaft, mit dem eigenen Produkt Google-Video nicht gelungen.
Doch bei den Strategen von Google wird sicher nicht nur das überzeugende Produkt, der überragende Marktanteil und die Bedeutung von Youtube als Strategiebaustein auf dem Weg zum globalen Medienkonzern eine Rolle gespielt haben. Denn Google drohte damals vom anderen großen Spieler im Social Networking, MySpace.com, abhängig und zugleich abgehängt zu werden. Im April 2006 wurde bekannt, dass mehr als acht Prozent aller Suchanfragen bei Google von MySpace kommen. Ursache dafür ist die Kooperation mit MySpace, die Google als Suchmaschine in die MySpace-WebSite integriert. Damit nicht genug, war Video.MySpace.com die einzige Seite, die mit Youtubes Wachstum Schritt halten konnte, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Google Video war dagegen im Juni 2006 auch von Video.MySpace.com deutlich abgehängt.
Prompt entstanden Gerüchte, ob sich Rupert Murdoch das lukrative Suchmaschinengeschäft wirklich entgehen lassen will oder ob er nicht - etwa so wie Springer in Deutschland - eine eigene Suchmaschine kauft. Google löste das Problem Anfang August durch einen Deal knapp unterhalb der Milliarden-Dollar-Grenze. Die Vereinbarung sieht vor, dass Google bis zum 2. Quartal 2010 Suchmaschine auf MySpace und den anderen Fox Interactive Seiten bleibt, und dafür dem Murdoch-Unternehmen Einnahmen von mindestens 900 Millionen US Dollar garantiert – deutlich mehr als der Preis von 580 Millionen US Dollar, den Murdoch ein Jahr zuvor für MySpace auf den Tisch legen durfte. Aufgeschoben ist aber nicht Aufgehoben wird man sich jedoch bei Google gedacht haben und hat zügig nach einer Lösung gesucht, die strategische Video-Lücke zu schließen. Sie wurde geschlossen mit dem Kauf von Youtube, das als Marke (vorläufig?) komplett eigenständig bleiben wird. Entsprechend verärgert war man bei MySpace als der Kauf von Youtube durch Google bekannt wurde. Google CEO Eric Schmidt musste selbst nach Los Angeles fliegen, um unter anderem mit Rupert Murdoch persönlich die Wogen zu glätten und zu überlegen, wie man ein technisches Problem lösen kann, dass die Integration von Youtube-Videos in MySpace vorübergehend erschwerte.
Bleibt die Frage nach den 1,65 Milliarden Dollar, die Google für Youtube bezahlt. Werden die Werbeeinnahmen das wieder hergeben? 2006 hat Youtube gerade einmal 15 Millionen Dollar verdient. Und in diesem Jahr? Dazu schauen wir uns demnächst noch einige Sachen an.