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Silicommdada

Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley

Archive for June, 2007

Ohne Worte (am Beginn des iphoniums)

Freitag, kurz nach 18:00 Uhr, am Apple Store auf der University Avenue in Palo Alto:

Wiedergekäut: NY Times über Google, Menschen und Mahalo

Yo, eine neue Kategorie. Es gibt Artikel, die darf man einfach mal so, aufs wesentliche gekürzt, an die geneigten Leser weiter geben…

Also: Die NY Times vom vergangenen Sonntag schreibt über Google und die, die Google ablösen wollen. Und warum ich Google und die, die Google ablösen wollen, als heimliche Herrscher und Türsteher des Webs zugleich ansehe, habe ich ja schon mal geschrieben. Zunächst aber bringt die NY Times ein paar Zahlen, warum das Suchmaschinengeschäft so viel Spaß macht. Zum Beispiel, die Umsatzrenditen. Bei Google betrug die im vergangenen Jahr 29 Prozent, bei Amazon betrug sie dagegen nur 1,8. Oder der Verweis auf den Eintrag des bloggenden Microsoft-Managers Don Dodge, der ausgerechnet hat, das ein Prozent Marktanteil am Suchmaschinenmarkt etwa eine Milliarde Dollar Marktkapitalisierung bedeutet…

Nun, dann geht es über Suchmaschinen, die es mit neuer Technologie versuchen, etwa Powerset (die mit der natürlichen Sprache) oder Hakia oder Accoon. Weiter geht es zu den Suchmaschinen, die die User abstimmen lassen: Squidoo, Sproose und NosyJoe (offensichtlich macht es inzwischen gar nichts mehr aus, wie man heißt…). Dazu kommen Exoten wie Bessed, die Abstimmung und redaktionelle Nachbearbeitung kombinieren und schließlich ChaCha, bei der man mit einem echten Menschen über Suchhilfe chatten kann.

Und schließlich landet der Artikel (von Randall Stross geschrieben, thanks for that one, btw) bei Mahalo. Mahalo - “Danke Schön” auf Hawaiianisch - macht etwas völlig unglaubliches: da suchen Menschen zu Schlagwörtern die besten Seiten raus und dann wird das sortiert präsentiert. Ich habe an dieser Stelle aufgehört, den Artikel zu lesen, bin an den Rechner (ja, ich hatte die Printversion, mein liebstes am Sonntag!) und habe mir das erst einmal angeschaut (also bitte, bis gleich). Ja - macht Sinn, oder? Es sind zwar erst 5000 Schlagwörter, aber die Ergebnisse sind auf alle Fälle sehr schön gemacht. Ein echter Fortschritt, zumindest für Standardfälle und erste Orientierung. Tja, soll das heißen, dass die klassischen journalistischen Tugenden der guten und tiefen Recherche ein zweites Leben bekommen? Back to the real gatekeeping. Das scheint eine spannende Sache zu sein

Der Clou kommt aber noch. Finanziell steht nämlich hinter Mahalo Sequoia Capital. Und das ist die Firma, die auch Yahoo und Google zum Start unter die Arme gegriffen hat. Die scheinen sich also auch was dazu zu denken. Ich auch: ein Prozent vom Suchmaschinenmarkt ist doch auch schon mal was ;-)

26. Juni 2007: 10 Jahre ACLU vs. Reno

Heute jährt sich der zehnte Jahrestag eines für die Entwicklung des Internets sehr wichtigen Ereignisses. Der amerikanische Supreme Court erklärte den Communications Decency Act (CDA) für verfassungswidrig. Ein Blick zurück ins letzte Jahrhundert:

Mit Beginn der Clinton-Präsidentschaft im Januar 1993 und vor allem mit seinem damaligen Vize Al Gore, der sich (schon damals) nicht nur um Umwelt sondern auch intensiv um Information Superhighway kümmerte, sollte das Internet auch politisch und damit regulativ erschlossen werden. Doch zunächst tat sich nicht viel. Die Nutzerscharen im Web wuchsen und die Politik machte Politik.

Je bevölkerter das Internet wurde, desto mehr Surfern fielen die vielen Problemzonen und Schmuddelecken im Web auf. Das blieb auch den Print-Medien nicht verborgen. Time Magazin titelte im Juli 1995 zur Pornografie im Internet, die Zeit war auf der Höhe und verfolgte das Geschehen, der Spiegel brachte einige Monate später eine Serie in der er unter anderem “Angst vor Anarchie” titelte. Der damalige Justizminister Edzard Schmidt-Jortzig erklärte im Spiegel (11/1996) mit Blick aufs Internet: “Der Nationalstaat ist überholt”.

In den USA ergriffen Senat und Repräsentantenhaus die Iniative, bevor die Regierung handeln konnte und verabschiedeten am 1. Februar den CDA. Präsident Clinton unterzeichnete ihn am 8.2. 1996 und der CDA trat damit - wenn auch nur sehr kurz - in Kraft. Nur einen Tag später gab es eine Klage der American Civil Liberties Union, unterstützt durch die Electronic Frontier Foundation gegen das Gesetz. Die Begründung: das Gesetz verstöße gegen das First Amendment, die Redefreiheit, in der amerikanischen Verfassung.

Der CDA verbot jede Übertragung “unanständiger” (indecent) sexueller Inhalte in einer Form, in der sie Personen unter 18 Jahren zugänglich werden könnten. De facto bedeutete es aufgrund der technischen Möglichkeiten das Ende jeder Darstellung von nackter Haut (Flickr, ick hör dir trapsen) im Internet inklusive aller Web-Sites zur sexuellen Aufklärung, zur AIDS Prävention usw. Aus diesem Grunde wuchs die Allianz, die klagte schnell, etwa um Organisationen wie die der amerikanischen Bibliothekare. Dazu kommt, dass man die Bedeutung des First Amendment, die es zumindest im größten Teil des 20. Jahrhundert für die USA hat, keinesfalls unterschätzen sollte. Sie schützt die Redefreiheit von jedem, von Nazis, die es immer noch nicht besser wissen und auch von allen, die Pornografie verbreiten wollen. Kurz: wenn es um das erste Amendment geht, entstehen hier zuweilen Allianzen der seltsamsten Art, mit hoher Schlagkraft.

Spätestens jetzt erreichte auch die Zeit der großen Träume vom Cyberspace ihren Höhepunkt. Es war etwa die Zeit des Grateful Dead-Texters John Perry Barlow. Barlow prägte den Begriff Cyberspace, den er Ende der 80er entdeckte. Mitte 1990 schuf er zusammen mit dem Lotus Gründer Mitch Kapor und dem ersten Sun-Programmierer John Gilmore die Electronic Frontier Foundation. Barlow sah den Cyberspace als einen neuen Raum, als einen Ort. Er träumte von ihm als neuen wilden Westen, als neuem Kontinent, als “electronic frontier”: “Imagine a place were trespassers leave no footprints, where goods can be stolen an infinite number of times and yet remain in the possession of their original owners, where businesses you never heard of can own the history of your personal affairs…” (Quelle EFF).

Barlow reagierte auf den CAD in einer Email auf seine Art: “Well, fuck them. Or, more to the point, let us now take our leave of them. They have declared war on Cyberspace. Let us show them how cunning, baffling, and powerful we can be in our own defense. (Quelle EFF). Es folgte seine berühmte Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace: “Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind…”

Tatsächlich war das Gesetz nach Einschätzung des amerikanischen Internet-Juristen Lawrence Lessing von Anfang an aus mindestens drei Gründen zum Scheitern verurteilt. 1. “indecency” ist keine Kategorie von Sprache, die der Kongress regulieren konnte. Es fehlte durch Verwendung dieses Begriffes die Grundlage zur gesetzlichen Regelung. 2. Das Gesetz war zu vage formuliert. 3. Die Regierung machte in der Verhandlung vor Gericht keinen Versuch, diese Mängel zu beheben. (Quelle: Lawrence Lessig, Code 2.0).

Es dauerte genau eine Woche bis eine einstweilige Verfügung des Gerichtes das Gesetz am 15.2. 1996 außer Kraft setzte. Am 12. Juni 1996 wurde das Gesetz bereits in der ersten Instanz in Philadelphia als verfassungswidrig befunden. Die amerikanische Regierung ging in Berufung und verlor auch den Rechtsstreit vor dem obersten Gerichtshof, heute vor 10 Jahren.

Doch auch heute lohnt es sich, noch einmal das Urteil genau zu studieren. Der damals 77-jährige Richter John Paul Stevens schrieb nämlich sehr viel mehr in das Urteil, als die bloße Entscheidung, dass der CDA verfassungswidrig sei. So finden sich folgende bemerkenswerte Sätze. Die verschiedenen Möglichkeiten des Webs aufzählend schließt er: “these tools constitute a unique medium—known to its users as “cyberspace”—located in no particular geographical location but available to anyone, anywhere in the world, with access to the Internet.” Und weiter: “No single organi zation controls any membership in the Web, nor is there any centralized point from which individual Web sites or services can be blocked from the Web.”

Für mich klingt es fast wie die Geschichte aus einem fernen Jahrhundert. Gut, es sind umgerechnet etwa 70 Internetjahre. Die beteiligten Personen leben noch, zum Teil hier um die Ecke. Sie prägen nicht mehr das Geschehen. Festzuhalten bleibt: zumindest für einen kurzen Moment, heute vor 10 Jahren, was das Internet höchstrichterlich der Cyberspace: ohne geographischen Raum, aber existierend, ohne zentrale Kontrolleinrichtung, ohne Chance für irgend jemanden, Inhalte zu blocken…

Lesetipps zur Story (und sehr viel mehr drum herum, in allen genannten Büchern nimmt diese Episode nur einge Seiten ein):

  • Wissenschaftlich fundiert und wunderbar erzählt: Jack Goldsmith/Tim Wu: Who controls the Internet, Oxofrd 2006
  • Juristisch, ausführlich, langwierig, aber präzise: Lawrence Lessing, Code 2.0, New York 2006 (im Internet unter http://codev2.cc/)
  • Politikwissenschaftlich, supertrocken, aber die Entstehungsgeschichte im Kongress präzise darstellend: Gregor Walter, Globales Netz oder globale Politik? Politische Antworten auf Globalisierung am Beispiel des Internet, Baden-Baden 2005

Globalisiert - und bald auch richtig international: das Internet

So putzig die tapsigen Schritte von YouTube auf deutschem, extra eingeseiften GEMA Parkett sind und so ungeschickt der Flickr-Start in Deutschland wirkt - die Auftritte der Google bzw. Yahoo Ableger auf deutschem Boden sind nur besonders sichtbare Anzeichen einer recht spannenden Entwicklung: Das Internet wird immer internationaler. Hä - jawoll, richtig gehört: internationaler. Denn so globalisiert das Medium ist, es hat in Punkto Internationalität noch einiges nachzuholen. Auch wenn immer noch die meisten Web-Innovationen und Trends aus den USA kommen, die große Mehrheit der Web-Nutzer ist schon lange nicht mehr amerikanisch. Nach einer Prognose der Investment-Banker von MorganStanley vom November 2006 wird der Anteil der amerikanischen Web-Nutzer in diesem Jahr auf 20 Prozent zurückgehen, nur noch rund 30 Prozent sprechen anderen Studien zufolge Englisch. Europa hat danach in diesem Jahr erstmals etwas mehr Nutzer als die USA, aber aus Asien kommen etwa so viele User wie aus USA und Europa zusammen. Das hat zwei weitere Entwicklungen zur Folge:

  • Immer mehr spannende Unternehmen werden nicht mehr im Silicon Valley gegründet. Zum Teil sind das zwar schamlose Kopien von amerikanischen Vorbildern - prominentes Beispiel ist etwa StudiVZ als Facebook Kopie - zum Teil sind es aber hoch innovative Ansätze. Dass die dann hier ins Valley geholt werden, siehe Stumbleupon (ursprünglich in Canada gegründet und gerade für 73 Millionen an eBay verkauft) oder Jajah (ursprünglich aus Österreich und jetzt hier im Valley unter den Fittichen von Sequoia), beweist nur, wie gut die amerikanischen Kapitalgeber diese Ideen finden.
  • Zweitens bedeutet es, dass amerikanische Internet-Unternehmen, die wachsen wollen, sich internationalisieren müssen. Die Internet-Dinos Amazon, eBay und Google haben es vorgemacht, jetzt folgen Web 2.0 Unternehmen. Die haben - in typisch amerikanischer Art - erst recht spät gemerkt, dass auch Asiaten und Europäer das Web nutzen (und sich sicher über die eine oder andere freche Kopie geärgert). Und was für Software, die lokal auf der Festplatte liegt schon lange gilt, nämlich eine Version in der Landessprache zu haben (MS Windows gibt es auch auf Isländisch, nachdem die isländische Regierung gedroht hatte, man werde komplett auf Apples Betriebsystem wechseln, wenn es keine lokalisierte Version geben werde!), wird in Kürze für immer mehr Web 2.0 Angebote gelten. Dann heißt es “Choose your language” oder man landet gleich in der Sprachversion des Browsers oder der Sprache der IP-Adressen-Nationalität, mit der man im Web unterwegs ist (Für non-geeks: IP Adresse ist sozusagen das Namens- und Absenderetikett, mit dem ihr surft. Man kann euch damit nicht nur immer identifizieren, wenn es drauf ankommt, man kann auch bei den meisten IPs ablesen, aus welchem Land sie stammen).

Das hat Folgen. Unternehmen müssen sich immer stärker mit lokalen Gesetzen und (Ab-) Sonderlichkeiten auseinandersetzen. Und das ist gar nicht so einfach, wie das aktuelle Beispiel Flickr zeigt. Ich denke außerdem, dass mit seinem ganzen “User-generated-Content” im Web 2.0 sicher noch mehr solche Fälle auftauchen werden. Muss etwa Nazi-Propaganda zensiert werden oder fällt selbst so etwas unter die Meinungs- und Redefreiheit. In den USA wäre es durch das erste Amendment der Verfassung (Redefreiheit) geschützt, in Deutschland oder Frankreich säße der Forenbetreiber vorm Kadi, wenn er es nicht schnell genug löscht. Was einem in Schweden passieren kann, wenn man seine Blog-Kommentare nicht schnell genug prüft, ist ein weiteres schönes Beispiel: hier zu sehen bei netzpolitik.org.

Das ganze hat aber auch kulturelle Bedeutung. Vor gut einem Jahrzehnt gab es noch die Befürchtung (oder Hoffnung), bald würden alle nur noch Englisch sprechen - die lingua franca des Webs. Der damalige französische Präsident Chirac warnte vor einer “großen Gefahr für die Menschheit”. Und heute? Heute geht es im Web zu wie beim Turmbau zu Babel. Schon 2002 betrug der Anteil der englischen Seiten im Web weniger als 50 Prozent (ich suche noch nach frischeren, vertrauenswürdigen Zahlen…).

“Internationaler” bedeutet jedoch vor allem, dass im Internet immer mehr Grenzen entstehen. Viele Länder, viele Regelungen und Gesetze. Regierungen und Behörden lernen immer besser mit der Technologie umzugehen. Und das muss dann nicht immer nur die Zensur sein, die es vor allem in China und in arabischen Ländern gibt. Wie Ernst das einige Firmen nehmen, zeigt nicht zuletzt die Drohung von Google, die heute in der Wirtschaftswoche nachzulesen ist. Man werde den deutschen Gmail Service schließen, wenn die Bundesregierung tatsächlich bei den Plänen für das Gesetz zur Überwachung des Telekommunikations- und Internetverkehrs bleibe. Ergo: ich halte es mit dem Untertitel des Buches “Who controls the Internet” der amerikanischen Forscher Jack Goldsmith und Tim Wu: “Illusions of a Borderless World”.

Wann wird’s mal wieder richtig spannend (im deutschen Second Life)?

Also eigentlich halte ich gar nichts vom Second Life Bashing a là Thomas Knüver (auch wenn ich ansonsten viel von seinem Blog halte…). Der Grund ist ganz einfach. Hier im Valley lässt man einfach mal jeden machen, schaut sich an, wie es geht, versucht zu lernen, wie es besser geht und macht es dann besser. Und deshalb ist hier Second Live zur Zeit überhaupt kein Thema. Weil da recht wenig passiert. (Sorry, diesen verdächtigen Pleonasmus musste ich streichen). Das ist für mich nämlich der Punkt: Wenn man drin ist, geht es erst richtig los! Aber da ist dann niemand anders drin. Blöd, irgendwie… Aber das kann kommen, habe ich keine Sorgen. Und irgendwann lerne ich auch noch, wie das ganze funktioniert! Dann rennt mein Avatar nicht mehr am Eingang immer gegen die Wand und ich verliere die Lust weiter zu machen…

Aber eigentlich geht es ja um Second Live User Bashing. Und als ich dann gerade eben diese Pressemeldung des Deutschen Fachjournalisten Verbandes las, hatte ich dann doch das spontane Bedürfnis auch einmal abzulästern und mich thematisch über den Teich nach Deutschland zu begeben. Die Vorstellung, dass mich der Avatar der Verbandes erwischt, lässt meinem Avatar gleich zwei neue Extra-Flügel und einen Turboporpeller irgendwo rauswachsen. Und hast Du nicht gesehen, nichts wie weg. Aber zum Glück ist der Avatar nur von 9 bis 18 Uhr da. Da sind die meisten anderen nicht da und ich auch nicht.

Einer geht aber noch. Das schönste Zitat aus der Meldung: „Wir möchten durch unser Engagement in Second Life zeigen, dass man auch als Verband neue Technologien schnell adaptieren und spielerisch einsetzen kann“, so Thomas Dreesen, Vorstandssprecher des DFJV. Schade eigentlich, zum Thema neue Technologien hätte dieser Verband doch sicher einiges zu sagen. Könnte man auch in Second Life machen.

Nochmal Ads: Wie Werben, wenn die Globalisierung galoppiert?

Es ist eigentlich eine ganz nette Sache, die mir jetzt schon mehrfach in den vergangenen Wochen untergekommen ist: Eine Reihe der hiesigen Social Networking Plattformen sind zwar recht erfolgreich, aber nicht hier! So erfreut sich zum Beispiel Friendster wieder erhöhtem Zulauf, aber vor allem in den Philippinen. Und Orkut, die Gruppen-Community-Abteilung von Google (ich habe gerade mal nachgeschaut, die begrüßen mich plötzlich in Deutsch - was haben die vor ???!!!) hat die meisten Mitglieder in Brasilien. Das finde ich eigentlich ganz nett, wenn man hier im Valley sitzt und die User ganz woanders sind.

Das Problem: Die Werbenden haben das jetzt auch herausgefunden. Und sagen plötzlich, 6 Milliarden Pages Views im Monat (im Falle von Friendster) sind ja nicht schlecht, aber warum soll ich hier als amerikanisches Unternehmen werben, wenn die User ganz woanders sind… Und die Lücke hat (noch) niemand so richtig geschlossen (sure, Google sitzt dran…). Und ich bin gespannt, wie das aussehen wird. Das ist ein recht nettes Globalisierungsproblemchen, hier die Site, dort die User, sitzen die Werber genau dazwischen? Das müsste dann so etwa auf Hawaii sein, zumindest wenn’s um Friendster geht. Ich glaube, das schau ich mir mal an ;-)

Offtopic: Warum ich wieder an Wunder glaube…

Die letzten zweieinhalb Wochen haben wirklich keinen Spaß gemacht. Verklemmter Nacken, die Bedienung der Tastatur bereitet nur Schmerzen, der Rücken wird immer härter, erledigt wird nur noch das Notwendigste… Vergangenen Donnerstag ging dann nichts mehr. Lumbago. Hexenschuss. Bewegungsunfähig (o.k. ich gebe es zu, ich habe trotz dieser Ausganglage einen Golfschwung probiert und dann war es passiert…). Da habe ich mich an meine Freundin Alexandra erinnert, die mir von ihrem Wundermann erzählt hat. Also los, wenn sonst nichts mehr hilft, vielleicht hilft Dr. Miyashita.

Dr. Miyashita residiert in Menlo Park, hinter Stanford direkt gegenüber von meinem Lieblingsabholchinesen. Es hat sicher lustig ausgesehen, wie ich die schmalen Treppenstufen zu seiner Praxis hochgeklettert bin. Links und recht gehen in einem Korridor Türen zu kleinen Bürosuites ab, die sicher alle so groß sind wie die von Dr. Miyashita: zwei kleine, hintereinander liegende ca. 8 - 10 Quadratmeter große Räume. Im ersten Raum zwei Stühle und ein Paravent, hinter dem es sehr voll gestopft aussieht - das Wartezimmer. Durch eine Tür verbunden das Behandlungszimmer: eine Liege, die Wände entlang zwei Regale mit Gläsern, in denen Kräuter und Medizin lagern, die japanisch beschriftet sind, zwischen die Regale gedrängt, ein Brett mit einer kleinen Buddhafigur mit einigen Opfergaben, ans Fenster gequetscht ein kleiner Schreibtisch, dazwischen bleibt nur Raum für sehr schmale Durchgänge. Dr. Miyashita, eine kleine Figur in einem etwas zu weiten weißen Arztkittel, hat sich meine Leidensgeschichte angehört, gekichert, als ich vom Golfschwung erzählte und sich dann noch zeigen lassen, wo es am meisten weh tut (recht unten). Und dann gesagt, bei manchen helfe es sofort (und ich denke mir, red du nur…). Dann habe ich mich mit Mühe auf die Liege gebettet und er hat er mir drei Nadeln in die linke Hand gestochen. Und die Nadeln auch noch ein paar Mal bewegt. Dazu gelacht und ein paar Geräusche gemacht, die ich auch mache, wenn ich Säuglinge beruhigen oder unterhalten will.

Die nächsten 45 Minuten sind nur verschwommen in meiner Erinnerung. Dr. Miyashita hat mir über Akupunktur erzählt, von seiner Tai Chi Meisterin, aber auch über die bekloppte Ernährungsweise der Amerikaner, die Weltpolitik im Allgemeinen, darüber, dass man nach jeder Mahlzeit seine Zähne putzen soll und noch einiges mehr. Danach kam das Wunder: er hat die Nadeln gezogen und ich bin einfach aufgestanden… Ohne Schmerzen (o.k. da war noch ein leichtes Ziehen). Aber ich konnte wieder gerade gehen. Ich konnte ins Auto einsteigen, ohne wie ein 95-jähriger Greis zu wirken. Das hält weiter an. Gestern habe ich schon wieder viele Stunden am Schreibtisch verbracht, heute sogar das erste Mal wieder die Beine auf einen Stuhl gegenüber hochgelegt. Das ging seit Wochen nicht mehr. Unglaublich, aber es funktioniert. Auch das ist mitten im Silicon Valley.

Und ab morgen gibt es wieder mehr auf Silicommdada!