Silicommdada
Auf dem Steckenpferd unterwegs im Silicon Valley
Archive for September, 2007
September 25, 2007 at 4:27 pm · Filed under Valley Basics, Valley Multis, Web 2.0, Internet Wegmarken
Na also - kaum ist der meteorologische Sommer vorbei, nimmt der Wunderzug der Übernahmen und sonstigen Finanz- und Businessmagie durchs Valley Fahrt auf. Seit gestern berichtet das Wall Street Journal darüber, dass Microsoft bereits seit einigen Monaten mit Hilfe der global arbeitenden PR & PA Firma Burson-Marsteller daran arbeitet, die Übernahme von DoubleClick durch Google doch noch durch die Kartellbehörden in den USA oder in Europa zu verhindern.
Heute legt das Journal mit der Geschichte nach, dass Microsoft an einer Beteiligung an Facebook arbeitet. Sollten die Zahlen stimmen, würde das den (noch kaum materialisierbaren) Wert von Facebook bis an die 10 Milliarden US Dollar hochtreiben. Also ich würde sagen, damit geht Redmont mit 1,5 (halber Punkt Abzug wg. dem hohen Preis) zu 1,49 (Facebook, halber Gummipunkt für den hohen Preis) zu 0 (Google, MySpace) in Führung. Aber keine Sorge. Wir sind noch in der ersten Halbzeit, und auch die ist noch lang. Am Wochenende habe ich zum Beispiel eine kurze Meldung gelesen, in der es heißt, dass Google erneut mit Netzbetreibern redet. Ich würde sagen, hier versucht Google weiter das Terrain zu sondieren, ob man die Netzneutralität gegenüber AT & T und Konsorten erhalten kann, indem man einfach selber zum Netzbetreiber wird…
September 17, 2007 at 9:53 pm · Filed under Entrepreneure, Valley Multis, Events, Internet Wegmarken
Wenn der japanische Teil eines Internet-Unternehmens, das seine Wurzeln im Valley hat, ein globales Event durchführt, dann kommen die in Kanada stationierten Programmierer nach Stanford, in Japan machen die Konferenzteilnehmer die ganze Nacht durch und werden, zusammen mit Thailand wenn es in Kalifornien dunkel wird, zu einer globalen Videokonferenz zusammen geschaltet. Einer der Gründerväter des Webs, Vint Cerf, sitzt dann zwar physisch nur wenige Meilen vom Veranstaltungsort in Stanford entfernt, taucht aber dennoch nur per Videoschaltung auf. Ach so, und Europa ist bei der Video-Konferenz am Schluss nicht dabei, weil…, ja das wußte auch niemand so richtig. Wahrscheinlich, so meint einer der Organisatoren schulterzuckend, weil die in Paris schon schlafen. Ein Schelm, wer sich dazu was denkt?

An diesem Wochenende war Mozilla 24. Ein Event rund um den Globaus gespannt, mit wissenschaftlichen Vorträgen, Konferenzen, einem Rock-Konzert in Tokyo, einem Kinderinternetgipfel und jeder Menge Diskussion in der Mozilla Community. Inhaltlich war das ganze so dicht, dass ich hier keine Zusammenfassung anbieten werde. Aber über allem ist ein viel wichtiger Eindruck bei mir hängen geblieben: Mit Mozilla habe ich eine ganz andere Form von transnationalem Unternehmen gesehen, als das, was einem gemeinhin zu diesem begriff einfällt. Oder vielleicht habe ich sogar erstmals ein Unternehmen näher gesehen, das es wirklich verdient, transnational genannt zu werden.
Ein Unternehmen? Kein Projekt? (…wird vielleicht jemand denken, der sich das schon mal genauer angeschaut hat) Well, wo soll da der Unterschied sein? Mozilla wird in diesem Jahr wahrscheinlich die 15 – Prozent Marke beim weltweiten Browseranteil knacken. Das ganze ist vor einigen Jahren als Projekt aus den Ruinen des Netscape Browsers gestartet. Inzwischen hat es Erfolg, eine Struktur, die zwischen der Mozilla Foundation als Rechteinhaberin und der Mozilla Corporation, in der das operative Geschäft läuft, unterscheidet. Dazu kommt eine weltweite Community, mit Mozilla Europa, Mozilla Japan und zahlosen Programmierern und freiwilligen Marketern, die mit Gadgets, Widgets und Programmteilen helfen, einen hervorragenden Internetbrowser und inzwischen noch viel mehr zu entwickeln und zu verbreiten.
Es gibt Spitzenleute und Leute an der Spitze, eine Hierarchie aber, wie es sie in anderen Unternehmen gibt, gibt es aber nicht. Dazu ist das ganze (noch) zu offen, zu changeant, um sich in eine einfache, klare Form von Unternehmen pressen zu lassen. Und doch wird da gewirtschaftet, Geld gemacht, global gearbeitet und das mit viel Elan, Spaß und Energie. 24 Stunden am Tag rund um den Globus. International und transnational. Sehr beeindruckend und wert, einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden….
September 14, 2007 at 9:35 am · Filed under Web 2.0, Politik, Events, Internet Wegmarken
Mozilla 24 ist ein globales Event am kommenden Wochenende zur sozialen, technischen und kulturellen Zukunft des Internets. Mit Veranstaltungen in Paris, Bangkok, Tokyo und Stanford - und einem Livestream ins Web. Mehr unter http://www.mozilla24.com und selbstmurmelnd eine Nachlese mit Schwerpunkt Stanford irgendwann nächste Woche hier bei Silicommdada.
September 14, 2007 at 8:01 am · Filed under Entrepreneure, Valley Basics, Wiedergekäut
Was haben Google, Paypal und der Mäusemacher Logitech gemeinsam? Kaum zu glauben: sie haben alle einmal im Gebäude 165 University Street in Palo Alto residiert. Die New York Times berichtet heute in einem schönen Artikel, dass das Gebäude wegen diesem guten Karma auch andere Mieter anzieht. Unbedingt lesen - ich werde in der Zwischenzeit, wenn ich später aus Stanford nach Hause fahre, einmal ganz langsam die University langgehen und mir das Gebäude ganz genau anschauen.
September 4, 2007 at 10:03 pm · Filed under Valley Basics
Mit dem gestrigen Feiertag, Labour Day, und dem dadurch langen Wochenende geht hier im Valley traditionell der Sommer zu Ende. Keine Sorge, das Wetter bleibt schön. Aber formal ist es vorbei. Die Schulen sind schon seit letzter Woche wieder dran und alle wieder an Bord. Wieder? Ja, war denn überhaupt jemand weg? Gibt es Sommerurlaube in einer Gegend wie dem Silicon Valley? In einer Gegend, in der man 10 Tage Jahresurlaub hat. Wo mir einmal ein VC seine vier Wochen Urlaub als ausgedehntes Sabbatical beschrieben hat. Ich habe mich also einmal umgeschaut und umgehört.
Tatsächlich war es in den vergangenen Wochen etwas ruhiger auf der Autobahn. Die 101 war morgens und nachmittags befahrbar, die Staus ungewöhnlich kurz. Auch die Supermärkte waren ein wenig leerer (dafür aber am vergangenen Wochenende umso voller!). Richtigen Urlaub, also so mit abschalten und weg sein, machen hier aber nur wenige. Meine Nachbarn waren fast zwei Wochen in Europa, ein Freund für fünf Tage wandern in den Alpen (inkl. München!). Hätte ich denen eine Email geschrieben, wäre mir das aber womöglich kaum aufgefallen. Ich hätte nämlich nach kurzer Zeit eine Antwort gehabt. Hier gibt es keine Autoreplys bei den Emails. Ein schönes Beispiel ist mein Kollege Stefan, der gerade 10 Tage auf Hawaii war. Es konnte während dieser Zeit mal einige Stunden dauern, bis er Mails beantwortet hat. Aber kaum länger. Ein typischer Fall finde ich. Man ist zwar nicht da, aber auf keinen Fall weg.
Ihr wollt mehr Indizien? Bitte schön: googelt einmal nach Campingplätzen mit WiFi Anschluss in Kalifornien. Ihr werdet fündig. Und zwar reichlich! Bei den ganz Reichen und Großkopferten ist das ja sowieso keine Frage. Man ist eine Woche am Lake Tahoe oder auf der Yacht, aber gearbeitet wird mehrere Stunden am Tag. Und zum Meeting nimmt man einen Flieger zurück ins Valley. Es geht halt im Sommer etwas lockerer…
Kalifornische Lässigkeit prägte in den vergangenen Wochen auch den etwas netteren Umgang mit dem Tagesablauf. Typisches Kennzeichen: eine Party Golf vor dem Weg ins Büro. Kein Witz! Es ist schwieriger, eine Teetime auf dem Golfplatz nebenan für 6:30 morgens zu bekommen als für Nachmittags oder am Wochenende. Und solche Beschäftigungen haben dann natürlich auch ihre Nebenwirkungen. Letztes Jahr kam kurz nach dem Sommer der YouTube-Google Deal dabei raus. Und da es hier zur Zeit so das eine oder andere zu konsolidieren gibt, bin ich gespannt, was in diesem Sommer auf dem Golfplatz, auf der Yacht oder an der Eisbude so alles vorbereitet wurde.
Und damit schalten wir zurück ins Crazy Life im Valley!